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Wie gut kennt man den Menschen, den man liebt, wirklich? Diese Frage stellt sich Nick Dunne an seinem fünften Hochzeitstag, dem Tag, an dem seine schöne Frau Amy spurlos verschwindet. Unter dem Druck der Polizei und des wachsenden Medienspektakels, bröckelt Nicks Darstellung einer glücklichen Ehe. Durch seine Lügen, Täuschungen und sein merkwürdiges Verhalten stellt sich jeder bald dieselbe unheimliche Frage: Hat Nick Dunne seine Frau ermordet?
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Kritik

David Fincher ist nicht nur dafür bekannt ein großartiger Regisseur zu sein, dem scheinbar fast jedes Thema, das er behandelt, mit Leichtigkeit gelingt, sondern auch dafür, sich bereits vorhandenen, literarischen Vorlagen spielerisch anzunehmen und aus diesen meist das erzählerische und filmische Maximum herauszuholen. So machte Fincher aus dem Roman Fight Club” einen der coolsten Filme der Neunziger und schaffte es sogar seinem “Verblendungs”-Remake eine Daseinsberechtigung zu verschaffen, obwohl die Originalverfilmung gerade mal ein paar Jahre alt war. All das gelingt Fincher vor allem aufgrund seines unvergleichlich düsteren und akribisch genauen Inszenierungsstils, der den Zuschauer gefangen nimmt und ihn auf eine labyrinthische Reise in die Abgründe der menschlichen Seele und des menschlichen Kontrollverlustes mitnimmt. Nicht anders ist es bei Finchers neustem Werk “Gone Girl - Das perfekte Opfer”, das nicht nur ebenso auf einem viel gefeierten Roman basiert, sondern gleichsam durch Finchers eigenen Stil eine besondere und dennoch vertraute Note annimmt und so vermutlich das Maximum aus dem bereits bestehendem Stoff herausholt. Auch wenn dies hier etwas weniger heißen mag, als man zunächst erwarten könnte.

Gone Girl” nimmt sich Zeit. Viel Zeit. Er nimmt sich viel Zeit zu Anfang seine Hauptfiguren vorzustellen, seine Geschichte ruhig anzustoßen und sie so sehr langsam ins Rollen zu bringen, sodass der Film für sein inhaltliches Set-Up zur eigentlichen Geschichte gut und gerne eine Stunde braucht. Es ist auch diese erste Stunde, die den Zuschauer noch sehr auf Distanz hält und ihn gar dazu bringt ein ums andere Mal auf die Uhr zu sehen, da sich “Gone Girl” hier mit einem Mysterium beschäftigt, was für den geübten Zuschauer irgendwann recht deutlich zu durchschauen ist. Drehbuch(und ebenfalls Originalwerk)autorin Gillian Flynn lässt sich zu viel Zeit damit Ben Affleck als hin und hergerissenen Ehemann auf Galas und Pressekonferenzen auftreten zu lassen und ihn mit den Eltern und Freunden seiner Frau, sowie mit Polizisten und wütenden Nachrichtensprechern zu konfrontieren, ohne dabei auf einen doppelten Boden hinzuweisen. Aber der "Gone Girl"-Film ist eben ein waschechter Fincher, was die Spirale aus Wendungen und menschlichen Abgründen natürlich impliziert. “Gone Girl” tut zu Anfang jedoch ein wenig zu lange so, als wäre das hier einfach eine seichte Suche nach einer verschwundenen Person und stellt die Geduld seines Zuschauers dabei schon fast ein wenig auf die Probe.

Das das alles ändert sich jedoch im Fortlauf des Films, in dem sich dann mit der Zeit auch die typische Fincher-Düsternis und Atmosphäre entfalten kann. Fincher hält sich zwar über die gesamte Laufzeit des Films arg mit inszenatorischen Besonderheiten oder gar Gimmicks zurück und reduziert seine Hochglanz-Bildsprache so auf lange Einstellungen von kühlen und dunklen Räumen, erschafft so aber zugleich eine erstaunlich detaillierte und nachvollziehbare Darstellung des langsamen Kontrollverlustes seines Hauptcharakters. Auch der Soundtrack von Trent Reznorbleibt zum Großteil des Films eher unterschwellig im Hintergrund, unterstreicht das Gezeigte aber dennoch immer passend und trägt so am ehesten zur verschachtelten und sehr gelungenen Atmosphäre von “Gone Girl” bei. Man muss Reznor hier ein großes Lob aussprechen, der Finchers Film weniger mit echter Musik, als einem Sammelsurium aus basslastigen und abstrakten Klängen unterlegt, die in den geeigneten Momenten aber eine unfassbare Eindringlichkeit auf den Zuschauer übertragen und zur allgemeinen Darstellung der dunklen und kalten Umgebung immer wie die Faust aufs Auge passen.

Sonst ist Finchers neuster Film in weiten Zügen ein sehr ruhig gehaltener Crimethriller, der, anders als zum Beispiel "Sieben", nicht mit einer allzu krassen Hintergrundgeschichte oder wie "The Social Network" mit schnellen und komplexen Wortgefechten daherkommt. Wie gesagt nimmt sich “Gone Girl” für alles, was er tut, sehr viel Zeit, was aber durchaus nicht zu hundert Prozent etwas Negatives ist. Die Dialoge werden meist langsam und leise vorgetragen, die Kameraeinstellungen lang und ruhig gehalten und auch die Schauspieler reihen sich mit ihrem ruhigen und auf wenige Gesten reduziertem Spiel in diese Art der nachdenklichen Inszenierung ein. Allen voran Ben Affleck("Argo"), der hier endgültig unterstreicht, dass er ein sehr guter Schauspieler ist und mit Sicherheit auch einen Batmanstemmen kann. Affleck verleiht seinem Nick Dune genau die richtige Zwiespalt aus unsympathischer Arroganz und vertrauter Verletzlichkeit und macht die Frage "Hat er, oder hat er nicht" so über weite Strecken undurchsichtig. Ebenso glänzenRosamunde Pike ("A long Way down") als Amy, Tyler Perry("Good Deeds") als Anwalt und Carrie Coonals Nicks Schwester, wobei im Laufe des Films aber vor allem Neil Patrick Harris("How I met your Mother") in seinen wenigen Szenen als leicht unheimlicher Exfreund im Gedächtnis bleibt.

Wollte man “Gone Girl” mit einem anderen Fincherwerk vergleichen, so funktioniert dies noch am ehesten mit dem Krimi “Zodiac”, der seinen kriminalistischen Fall, sowie seine Figuren ähnlich bedacht untersuchte. “Gone Girl” entwickelt dabei eine kaum zu leugnende Kälte und Distanz, mit der sich der Zuschauer erstmal arrangieren muss, während dadurch aber auf gleiche Weise eine sehr tiefe und realistische Atmosphäre initiiert wird, die den Zuschauer nach einiger Zeit dann gefangen nehmen darf. FinchersGone Girl” nimmt sich zudem Themen wie sensationsgeilen Medien, Vorurteilen, Sexismus und der Ehe auf gelungene und zynische Weise an und erschafft eher aufgrund dieser kritischen Seitenhiebe eine wirkliche Komplexität, als aufgrund der eigentlichen Geschichte. Zwar ist auch diese verschachtelt und doppelbödig, vermag jedoch erst im späteren Verlauf des Films wirklich zu faszinieren und hält sich zu lange an offensichtlich falschen Fährten auf. Man darf aufgrund dieser Kritik jetzt aber nicht glauben “Gone Girl” sei eine große Enttäuschung oder gar ein schlechter Film. “Gone Girl” ist ein wirklicher guter Thriller geworden, mit sehr guten Darstellern, einer tollen Atmosphäre, sowie einem großartigen Sounddesign, der Finchers detailversessene Handschrift durch und durch trägt, aber inszenatorisch eben leider nur wenige Überraschungen bereit hält und so zwar als durch und durch guter Film zu bezeichnen ist, sich aber nur in wenigen Aspekten wirklich die Marke des Hervorragenden verdient.

Noch ein paar Worte zur deutschen Synchronisation: Es ist durchaus möglich, dass auch diese dazu beigetragen hat, dass "Gone Girl" an manchen Stellen ein wenig zu monoton wirkte. Da die Pressevorführung aber nur die deutsche Version zeigte und so kein endgültiger Vergleich anzuwenden ist, kann dies nicht zu hundert Prozent sicher sein. Was jedoch sicher ist, ist dass die deutsche Synchronisation ihren Job zwar durchaus okey macht, in manchen Situationen aber arg hölzern wirkt und gerade in sehr emotionalen Momenten nicht immer überzeugt. Es soll hier also, trotz fehlendem Vergleich, nachdrücklich zur englischen Version geraten werden.

Fazit

“Gone Girl - Das perfekte Opfer” avanciert aufgrund eines etwas langsamen Starts, einer distanzierten Bildsprache und einer (für die Lauflänge) etwas dünnen Geschichte, sicher nicht zu David Finchers bestem Film, ist wegen der düsteren Inszenierung, des tollen Sounds, der gelungenen Medien- und Partnerschaftssatire, sowie der bedrückenden und dichten Atmosphäre aber auf jeden Fall einer der besten Crimethriller des Jahres.

Autor: Thomas Söcker

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