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Inhalt

Keller Dover ist ein bibeltreuer Kriegsveteran. Der harte Kerl steht mit beiden Beinen fest im Leben. Dovers Welt gerät jedoch aus den Fugen, als seine sechsjährige Tochter Anna und deren Freundin Joy an Thanksgiving entführt werden. Es beginnt eine fieberhafte Suche, die von dem jungen und ambitionierten Detektiv Loki angeführt wird, dessen primäres Ziel es jedoch ist, endlich der Kleinstadt zu entfliehen und in eine Großstadt versetzt zu werden. Alle Spuren zu der Entführung verlaufen im Nichts. Auch den einzigen Verdächtigen, den geistig zurückgebliebenen Alex Jones, muss Loki aus Mangel an Beweisen wieder laufen lassen. Familienvater Dover fasst daraufhin einen folgenschweren Entschluss: Er will die Wahrheit auf eigene Faust herausfinden und begibt sich auf einen verhängnisvollen und gnadenlosen Weg der Selbstjustiz um die beiden kleinen Mädchen vielleicht doch noch zu finden.
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Kritik

Hugh Jackman beteuert seit Jahren beharrlich, dass der Marvel-Charakter „The Wolverine“ die Rolle seines Lebens sei. Seine Fans spielen brav mit und behaupten, in dem Australier „stets und ständig“ den wütenden Helden mit den Metallklauen zu sehen. Schade, denn Jackman kann deutlich mehr. Gegen die Wut seines alleinerziehenden Vaters in „Prisoners“ wirkt das Kriegsgebrüll von Wolverine wie ein zaghaftes Flüstern. Ebenso verhält es sich mit der Qualität von Jackman's Schauspiel. Als auf dem Weg zur Gerechtigkeit abdriftender Keller Dover liefert der 2013 bereits für den Oscar nominierte Jackman („Les Miserables“) die bis dato beste Performance seiner Karriere.

Keller Dover ist einer von vielen Gefangenen im dementsprechend betitelten Thriller von Denis Villeneuve. Auf physischer Ebene sind natürlich die beiden Mädchen irgendwo weggesperrt. Bis zum Ende bleiben wir über den Ort im Unklaren. Dover liegt hingegen in den Fesseln seiner Wut und Verzweiflung, während der Polizist Loki eingeengt von Vorschriften des Rechtssystems ermitteln muss. Des Weiteren kann der Hauptverdächtige Alex (Paul Dano) nicht seinen geistigen Grenzen entfliehen und sich dadurch weder rechtfertigen noch wehren.

Das von Kameramann Roger Deakins düster und intensiv fotografierte Glanzstück über Gesetz und Gerechtigkeit brilliert über weite Strecken mit seinem zweigleisigen Überbau. Den zwangsweise nüchternen Ermittlungen des kinderlosen Polizisten Loki stehen die emotionalen Ausbrüche der Opferfamilien gegenüber. In den ersten 90 Minuten funktioniert diese Parallelerzählung perfekt, in den letzten Szenen erschöpft sich allerdings der Handlungsbogen um Hugh Jackman und seinen exzessiven Versuch der Selbstjustiz.

Der hemdsärmelige Familienvater akzeptiert nicht, dass der geistig minderbemittelte Hauptverdächtige nach wenigen Tagen wieder auf freiem Fuß ist und entführt ihn. In einem heruntergekommenen Wohnhaus foltert er ihn und hofft auf Hinweise zu den verschwundenen Kindern. Die unvermittelte Härte des verzweifelten Familienoberhaupts stellt die Zuschauer vor eine der vielen moralischen Fragen in „Prisoners“. Sollte man Keller Dover seine unmenschliche Folter verzeihen, wenn er tatsächlich Recht behalten sollte? Und dürfen wir den behinderten Alex hassen? Er scheint wehrlos und abwesend, quält aber sehr bewusst seinen Hund – eine Szene die pures Entsetzen auslöst – und scheint tatsächlich irgendetwas über die Entführung zu wissen.

"They didn't cry until I left them" - Alex Jones

Nahezu jede Szene ist fesselnd. Während viele Filme vorgeben „in die menschlichen Abgründe hineinzuschauen“, schubst „Prisoners“ seine Charaktere hinterhältig in eine tiefe Grube aus Verzweiflung und unkontrollierten Hass. Man kann es den Figuren leicht nachempfinden. Jake Gyllenhaal und Jackman holen die Zuschauer schnell ab und geben zwei großartige Protagonisten, die eigentlich Zusammenarbeiten sollten, es jedoch einfach nicht hinbekommen. Das Misstrauen der beiden Männer bremst die Ermittlungen zeitweise aus und lässt die Kinder umso länger in höchster Gefahr schweben. Doch auch die fantastisch aufspielenden Nebencharaktere um Viola Davis oder Terrence Howard werfen schwerwiegende Fragen zu Untätigkeit und beschämtem Wegschauen auf.

Wie eingangs bereits erwähnt, findet der emotionale Bogen irgendwann sein vorläufiges Ende. Sobald Dover seine Folter auf die Spitze getrieben hat, steckt er in einer Sackgasse – damit aber auch der Zuschauer. Der Fokus liegt folglich fast nur noch auf Loki und einem etwas unnötigen Haken seiner Ermittlungen. So zieht sich „Prisoners“ am Ende etwas in die Länge. Man wird den Eindruck nicht los, dass bewusst am Status des „Über-Thrillers“ gefeilt wird. Die Ironie dabei: Ohne den darauf ausgelegten Handlungsstrang (Stichwort: Schlangen) wäre es auch die neue Genre-Referenz.

Fazit

Düster, doppelbödig, moralisch fragwürdig. „Prisoners“ vermag es hervorragend mit den Ansichten und Emotionen seines Publikums zu spielen und könnte sich fast das Prädikat des perfekten Thrillers sichern – wenn der Film am Ende nicht etwas zu lang geraten wäre. Die Geschichte um den Vater, der bereit ist wirklich jede Grenze für seine Familie zu überschreiten, ist dennoch fesselnd und wahnsinnig intensiv.

Autor: d kr

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