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Das Leben des brillanten Neurochirurgen Dr. Stephen Strange wird völlig auf den Kopf gestellt, als er nach einem Autounfall Zugang zu einer geheimen Welt voller Magie und zahlloser alternativer Universen bekommt.

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Kritik

Bisher hat man sich im MCU viel Mühe gegeben, die fantastischen Elemente bis hin zur Erscheinung von Göttern und Artefakten eher mit Mitteln der Science-Fiction zu erklären. Mit der Erscheinung von Doctor Strange inkorporiert man nun auch Magie in den Kanon. Eine schwierige Aufgabe, aber keine unmögliche.
Es wird schnell deutlich, dass sich hier alles auf einer ganz anderen Ebene abspielt - einer Ebene des Irrationalen und Fantastischen, die keine allzu großen Überschneidungen mit der "realistischeren" Seite des MCU hat. Das hilft einem nicht nur, das Irrationale als Teil der Geschichte zu akzeptieren, sondern auch die Abwesenheit der mittlerweile vielzähligen Helden zu erklären. Das macht Doctor Strange zudem inhaltlich sehr in sich abgeschlossen und braucht nicht dasselbe Maß an Vorwissen, das mittlerweile mit einigen Marvel-Filmen in Verbindung steht.

Die inhaltliche Verschiebung hat aber auch eine Verschiebung im Ton zufolge. Der Film ist wesentlich emotionaler bei der Darstellung und der Motivation seiner Figuren - eine Änderung, die den Marvel-Filmen gut tut. Die Handlung von Civil War sollte beispielsweise auch viel von Emotionen getragen werden, was aber nie richtig spürbar war und viele Momente dadurch ein wenig dumm wirkten. In Doctor Strange hat man diesen Makel aber behoben. Starke Emotionen können einem Film in vielfacher Hinsicht unterstützen. Er fühlt sich dadurch nicht nur intensiver an, sie hilft auch dabei das Drehbuch abzurunden.  Aus logischer Sicht, ist beispielsweise eine klassisch-klischeehafte Weltuntergangsmaschine eine total dämliche Angelegenheit - ein Schurke, der sie benutzt würde sich ja auch selbst vernichten. Gibt man diesem Schurken aber Verzweiflung und Hass auf die Welt - eine glaubhafte, emtionale Motivierung - dann ist sie erschreckend und gewinnt sogar eine gewisse Bedeutung.

Dieses Prinzip emotionaler Motivation wird in Doctor Strange mehrfach erfolgreich angewendet, was auch vom großartigen Cast unterstützt wird. Besonders nennenswert sind dabei natürlich Benedict Cumberbatch und Mads Mikkelsen. Beide holen in ein paar Szenen eine Menge aus sich heraus und sind deutlich über dem Niveau von Schauspielerei, das man von einem Superheldenfilm erwarten würde.
Es handelt sich allerdings immer noch um einen Origin-Film und das steht mit einigen obligatorischen Szenen in Verbindung. Strange wird im Laufe des Films an ein paar strategischen Stellen dazu gebracht, hier un da kleine Veränderungen vorzunehmen, damit er letztlich so aussieht, wie man ihn aus den Comics kennt. Diese Zwangsmomente kommen ein wenig unbeholfen daher, werden dann aber noch ein wenig durch den Marvel-typischen Humor aufgeweicht. Trotzdem wird man dabei immer ein wenig aus dem Film gerissen, weil auch der Humor nicht ganz so gut in den Ton des Films passt.

Die Action wiederum ist superb, was nicht nur daran liegt, dass die Special Effects und die ganze Optik fantastisch ist, sondern weil man sich auch die Mühe gemacht hat, sich für jeden Kampf etwas neues einfallen zu lassen. Wäre das Beugen von Raum und Zeit immer dasselbe, so würde man sich an den Inception-artigen Effekten irgendwann satt sehen. Aber durch gewisse Tricks und Ideen wird das Prinzip von dem was passiert immer wieder verändert und bleibt dadurch immer interessant.

Diese Abwechslung passt auch hervorragend zum Charakter von Doctor Strange. Was ihn als Helden ausmacht, ist nicht einfach über magische Macht zu verfügen, sondern clever zu sein, sich schnell anpassen zu können, zu tricksen. Das passt hervorragend in das Prinzip des Origin-Films, denn die Entstehung von ihm als Held wird nicht in dem Sinne abgeschlossen. Es wird immer wieder deutlich gemacht, dass er nicht bereit ist, für die Herausforderungen vor denen er steht. Und er ist es wirklich nicht. Im Gegensatz zu Helden wie Superman oder Thor gewinnt Strange seine Kämpfe nicht durch bloße Macht - er findet einfach nur den Knackpunkt an einer Situation und wie er sie überstehen kann. Mit dieser unkonventionellen Methode wird die Zahl der Fans von Doctor Strange schnell wachsen.


Da ich auch weiß, dass es einige Standard-Fragen zu MCU-Filmen gibt, die nicht direkt in den Rahmen einer Kritik passen, aber viele Leute interessieren, wurde hier abschließend noch ein kleines Doctor Strange FAQ angehängt:

I. Gibt es eine After-Credits-Szene?

Es gibt sogar zwei. Eine After-Credits-Szene, gefolgt von mehr Credits und noch einmal eine kleine After-After-Credits-Szene.

II. Muss man "Doctor Strange" für die Entwicklungen im MCU gelesen haben? Muss man andere MCU-Filme gesehen haben, um "Doctor Strange" zu verstehen?

"Doctor Strange" ist größtenteils in sich selbst abgeschlossen. Entsprechend könnte auch jemand, der noch keinen einzigen Marvel-Film gesehen hat, der Handlung problemlos folgen. Umgekehrt muss man "Doctor Strange" nicht zwangsweise gesehen haben um den Geschehnissen im MCU zu folgen.

III. Gibt es Easter Eggs?

Ja, wenn auch relativ wenige. In einem der ersten Shots sieht man bereits Stark Tower zwischen anderen Wolkenkratzern New Yorks aufragen. Die Avengers werden ein Mal namentlich erwähnt. Es gibt noch ein paar andere, aber ich möchte niemandem den Entdeckerspaß verderben.

IV. Lohnt sich der Film in 3D?

Wie in der Kritik bereits erwähnt, ist die Optik des Films spektakulär. Entsprechend hat man sich auch beim 3D viel Mühe gegeben, womit es sich lohnt.

Fazit

In vielen Punkten folgt "Doctor Strange" der Formel die für Marvel-Filme einerseits und Origin-Stories andererseits, ohne großartig von bekannten Pfaden abzuweichen. Wo diese Formeln allerdings variiert werden, wird das auf clevere und überzeugende Art gemacht. In Kombination mit der atemberaubenden Optik und einer guten Besetzung kann sich "Doctor Strange" problemlos mit einigen der besten MCU-Filmen wie "Winter Soldier" messen.

Autor: Sören Jonsson

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