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Inhalt

Paul Edgecomb und seine Kollegen sind Wärter im Todestrakt eines Gefängnisses in den 30ern. Paul versieht seinen Job zwar immer noch mit der größtmöglichen Menschlichkeit, doch er wird zunehmend zynischer, da er ständing Menschen sterben sieht. Außerdem ist er krank. Da kommt ein neuer Delinquent in den Trakt: John Coffey, ein farbiger Riese von friedlichster Bauart, der im Dunkeln Angst hat. Wie sich herausstellt, hat Coffey heilende Fähigkeiten, die auch Paul kennenlernt. Zunehmend gerät er in Zweifel, ob dieser Gigant sterben soll, vor allem da er die Morde, wegen der er verurteilt ist, nicht begangen zu haben scheint. Doch der Stuhl wartet und Coffeys Gabe droht für immer zu verschwinden...

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Unzählige Häftlinge hat Paul Edgecomb (Tom Hanks, Der Soldat James Ryan) in seiner Zeit als Leiter des Todestraktes im Staatsgefängnis Cold Mountain kennengelernt und auf den elektrischen Stuhl geführt. Einen dieser Gefangenen aber wird er nie vergessen: John Coffey (Michael Clarke Duncan, Daredevil). Wie das Getränk, nur anders geschrieben. Die unfassbare Geschichte dieses außergewöhnlichen Hünen, die der alternde Paul einer Vertrauten in der Seniorenresidenz erzählt, in der nun lebt, ist merklich der Feder eines gewissen Autors namens Stephen King (Friedhof der Kuscheltiere) entsprungen. Mag The Green Mile auch vordergründig zu den ungewöhnlicheren Werken des Master of Horror zählen, wird auch in diesem Fall Zeuge des King'schen Leitmotivs und darf über 180 Minuten verfolgen, wie das Übernatürliche aus heiterem Himmel in den Alltag der Protagonisten hineingreift.

In der Zeit der Wirtschaftskrise wird John Coffey für den Mord an zwei Kindern zum Tode verurteilt. Mag seine Physis auch noch so urgewaltig erscheinen, sein Gebaren lässt sich eher mit einem sanftmütigen Riesen vergleichen, der keiner Fliege etwas zuleide tun könnte. Seine erste und einzige Bitte, die er Paul bei seiner Ankunft entgegenbringt, ist der Wunsch, das Licht in der Nacht brennen zu lassen, da er sich in der Dunkelheit fürchten würde. Wie kann dieser handzahme, etwas zurückgebliebene Mensch zu einem so grausamen Verbrecher imstande gewesen sein? Genau das ist die Frage, die The Green Mile unterschwellig antreibt, wenn er über eine Laufzeit von mehr als drei Stunden darum bemüht ist, den Gefängnisroutine aus ihren weltlichen Angeln zu heben. Auf den Grund menschlicher Umtriebe aber möchte Frank Darabont (Die Verurteilten) dabei nicht hinabtauchen.

Wo The Green Mile genügend diskursives Potenzial aufbringen würde, um die moralischen wie justiziellen Demarkationslinien abzutasten, die die Arbeit im Todestrakt zwangsläufig aufwirbelt, flüchtet sich Darabont zwangsläufig in die Erzähl- und Abbildungsprinzipien eines undifferenzierten Rührstücks. Keiner der Figuren wird ein ambivalenter Bruch zugesprochen, was sich nicht nur auf Paul und John bezieht, sondern auch auf Brutal (David Morse, Disturbia), Dean (Barry Pepper, Wir waren Helden), Billy the Kid (Sam Rockwell, Three Billboards Outside Ebbing, Missouri) oder Percy (Doug, Hutchison, Ich bin Sam), die keinerlei Entwicklung im Verlauf der Geschichte durchmachen, sondern sich ihrer charakterlichen Ausgangsform in ganzer Eindimensionalität treu bleiben: Wer Böses tut, ist nun mal auch der Böse. Wer Gutes tut, der kann nicht in der Lage sein, eine verwerfliche Tat einzugehen.

Diese unbeweglichen Persönlichkeitsprofile rauben The Green Mile nahezu jeden Funken an wertvoller Reibungsfläche wie Eigendynamik und sorgen dafür, dass Frank Darabont sein Knast-meets-Budenzauber-Epos niemals in die Tiefe, sondern ausschließlich in die Breite erzählt. Die Wunder, die Paul und Co. durch John Coffey widerfahren, funktionieren in daher auch nur selten als phantastisch-eskapistische Elemente, sondern ziehen den Zuschauer in eine larmoyante, durchweg manipulative und sagenhaft simpel gestrickte Messias-Parabel, in der ein unterbelichteter Gigant die Welt heilen könnte, wäre das amerikanische Rechtssystem in seiner Urteilssprechung nicht derart unwiderruflich. Anstatt sich diesen Punkt stringent vorzunehmen und die Konflikte zwischen beruflicher Pflicht und persönlicher Auffassung thematisch zu grundieren, sträubt sich The Green Mile gegen jeden tiefgehenden Vorstoß und artikuliert sich unpräzise und feige: Es gibt eben Dinge zwischen Himmel und Hölle, die wir nicht verstehen. Aha.

Wäre dieser mit biblischen Motiven verseuchte, von salbungsvollen Gutmenschen-Gesten durchzogene und von einem Hokuspokus, der unbedingt lieb gehabt werden möchte, geschwängerte Tearjerker nicht durchaus gekonnt darin, die tradierten Tugenden des Erzählkinos in sich zu bewahren, The Green Mile gestaltete sich nicht nur anbiedernd und einfältig, sondern auch ernsthaft ärgerlich. Frank Darabont aber ist ein begabter Regisseur und verfügt über einen zu soliden Cast, als dass der Film wirklich auf jeder Ebene zum Scheitern verdammt wäre. Gerade in der ersten Stunde, bevor John Coffey seine wundersame Gabe präsentiert, beschreibt The Green Mile durchaus packend und sauber diesen Mikrokosmos, in dem die Häftlinge über einen limonengrünen Boden ihren letzten Ritt auf dem alten Blitz antreten. Immerhin ein Trost, wenn auch nur ein geringer, denn die inhaltiche Ebene wird durch die handwerkliche Kompetenz niemals ausgeglichen.

Fazit

Frank Darabont ist ein begabter Handwerker, daran besteht auch nach "The Green Mile" kein Zweifel, wenn er sich dem klassischen Erzählkino annimmt und den Zuschauer langsam in seine Welt einbindet. Dem Gefängnisdrama allerdings fehlt jedwede Eigendynamik, weil Darabont sich tunlicht dagegen sträubt, seinen Charakteren einen ambivalenten Bruch zuzugestehen – und das bei diesem Setting und diesem geschichtlichen Kontext! Hintenraus ist "The Green" Mile nicht mehr als ein seifiges, manipulatives,und ungemein simpel gestricktes Rührstück-Epos, in dem ein Jesus Christus in der Form eines unterbelichteten Riesen noch einmal seine Wunder unter die Menschen bringen darf. Das macht den Film zwar nicht in Gänze katastrophal, aber ungemein anbiedernd, einfältig und mutlos.

Autor: Pascal Reis

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