Inhalt
Ein von Verzweiflung getriebener Galerist schmiedet einen Plan, um einen Toten auf der Art Basel Miami zu verkaufen.
Kritik
“Art is what you can get away with”, lautet ein bekanntes Andy Warhol Zitat, das Cathy Yan (Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn) ihrer konfusen Kunstgeschäft-Comedy voranstellt. Die Wahl scheint zugleich paradox, prägnant und so prätentiös wie alles in der schrillen Satire über die Zu-, Glücks-, Todes- und Unfälle der zeitgenössischen Kunstszene. In selbiger kämpft die geschiedene Galeristin Polina Polinski (Natalie Portman, Fountain of Youth) um das Überleben ihres ambitionierten Ausstellungsraums. Ein buchstäblicher Ausrutscher mit fatalen Folgen rückt die Titelheldin und ihre Entourage abrupt in den Fokus von Presse, Polizei und Publikum, die Kunst und Katastrophe nicht unterscheiden können.
Eine ähnliche Oberflächlichkeit vermutet die Regisseurin und Co-Drehbuchautorin wohl beim Kinopublikum, das die platten Pointen für clevere Konsumkritik halten soll. Doch die ästhetisch und dramaturgisch gleichsam grelle Story sagt wenig über die Konflikte von Kunst und Kommerz, kreative Kompromisse oder die Rolle von Spektakel, Schaulust, Status-Darstellung und Skandal, und selbst dieses Wenige ist weder neu noch sonderlich unterhaltsam aufbereitet. Der ätzende Influencer Dalton Hardberry (Zach Galifianakis, Lilo & Stitch) schildert, nachdem er Polinas Kunstsinn heruntergemacht hat, in eine mörderische Installation der Newcomerin Stella Burgess (DaVine Joy Randolph, Golden) mit dem aussagekräftigen Titel “Emasculator”.
Um ihren Ruf zu rette und nicht des Mordes (der immerhin interessanter gewesen wäre) verdächtigt zu werden, präsentiert Polina mit Unterstützung ihrer weniger skrupellosen Assistentin Kiki (Jenna Ortega, The Great Beyond) Daltons Leiche als (Silikon)Teil der Installation. Jene wird zum sensationellen Erfolg, der eine Entourage exzentrischer Charaktere aus Miamis hipper Kunst-Clique auf den Plan ruft. Polinas Ex-Mann Tom (Sterling K. Brown, Paradise) Kikis abgebrühte Tante Marianne (Catherine Zeta-Jones, Wednesday), Daltons Freundin (Charlie XCX, I Want Your Sex) sowie Daniel Brühl (Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße) als aspirierender Kunstsammler drängeln sich in der hektischen Handlung. Die bietet mehr Slapstick-Theater und Schadenfreude als satirische Sensibilität.
Fazit
Dass Cathy Yans hohle Szene-Komödie haufenweise Kunstwerke zitiert - Jacques-Louis Davids “Marats Tod”, Banksys selbstzerstörendem Gemälde, Maurizio Cattelans “Comedian” - ist das intellektualistische Pendant des Star-Schaulaufens vor der Kamera. Dichte Montage und reduzierter Schnitt suggerieren aufwendige Plansequenzen. Hinter der feministischen Fassade und postmoderner Patina dümpeln Akademismus, Elitarismus und eine konservative Kunstauffassung, die zeitgenössische Werke als alberne Degeneration musealer Klassiker betrachtet. Mit Ausnahme Randolphs knallchargiert das namhafte Ensemble, passend zu den schrägen Figuren-Stereotypen und abstrusen Narrativen. Yans zweiter Film auf Sundance will krampfhaft alles sein, was er verhöhnt: modern, hip, populär und lukrativ.
Autor: Lida Bach