3.5

MB-Kritik

Scream 7 2026

Mystery, Horror

3.5

Neve Campbell
Courteney Cox
Isabel May
Jasmin Savoy Brown
Mason Gooding
Anna Camp
Joel McHale
Mckenna Grace
Michelle Randolph
Jimmy Tatro
Asa Germann
Celeste O'Connor
Sam Rechner
Ethan Embry
Timothy Simons
Mark Consuelos

Inhalt

Als in der ruhigen Stadt, in der Sidney Prescott (Neve Campbell) sich ein neues Leben aufgebaut hat, ein neuer Ghostface-Killer auftaucht, werden ihre schlimmsten Befürchtungen wahr, denn ihre Tochter (Isabel May) ist sein nächstes Ziel. Entschlossen, ihre Familie zu beschützen, muss Sidney sich den Schrecken ihrer Vergangenheit stellen, um dem Blutvergießen ein für alle Mal ein Ende zu setzen.

Kritik

Mit dem siebten Eintrag der Reihe schlägt das Franchise einen bemerkenswerten Haken: Weder Melissa Barrera (In the Heights) noch Jenna Ortega (Beetlejuice Beetlejuice) sind noch dabei, nachdem es hinter den Kulissen zu öffentlichen Verwerfungen kam. Statt des ursprünglich vorgesehenen Christopher Landon (Happy Deathday) übernimmt nun ausgerechnet Kevin Williamson die Regie – jener Mann, der das Drehbuch zu Scream - Schrei! (1996) verfasste und damit den Ton der gesamten Saga entscheidend mitprägte. Williamson ist das kreative Rückgrat der frühen Filme, Architekt der selbstironischen Dialoge und Mitbegründer der Meta-Horror-DNA, die Scream einst so unverwechselbar machte. Dass er nun selbst auf dem Regiestuhl Platz nahm (27 Jahre nach seinem Regiedebüt Tötet Mrs. Tingle), wirkt wie eine Heimkehr – und zugleich wie ein Versuch, die Identität der Serie zu bewahren.

Die Rückkehr der Ikone – und erzählerischer Stillstand

 (House of Cards) ist wieder an Bord, nach dem sie im Vorgänger aussetzte, weil sie zu viel Gage forderte. Für viele Fans dürfte das allein Grund zur Freude sein. Sidney Prescott bleibt das emotionale Zentrum dieser Welt, das letzte Band zur Vergangenheit, die alles ins Rollen brachte. Doch so schön ihre Präsenz auch ist: Der Film weiß erstaunlich wenig mit ihr anzufangen. Ihre Rückkehr fügt der Handlung kaum Substanz hinzu, sondern wirkt eher wie ein nostalgischer Reflex, gepaart mit dem altbekannten familiären Unterbau.

Tatsächlich dreht sich das Franchise schon seit geraumer Zeit im Kreis. Bereits die vorangegangenen Kapitel variierten bekannte Muster, doch Scream 7 erreicht einen Punkt, an dem kaum noch frische Impulse erkennbar sind. Die vertraute Formel – Maskenjagd, falsche Fährten – wird erneut abgespult, ohne neue Facetten zu erschließen und selbst Trademarks wie die ikonischen Anrufe werden entweder nur stiefmütterlich oder sogar langweilig eingesetzt. Selbst die einst so scharfzüngige Meta-Ebene bleibt erschreckend blass. Wo die Reihe früher mit kluger Selbstreflexion glänzte, herrscht nun Ideenarmut. Kommentare zum Zustand des Horrorkinos wirken halbherzig eingestreut, statt pointiert zugespitzt.

Blut, aber kaum Nervenkitzel

Spannung entsteht dabei nur selten. Zwar mangelt es nicht an Gewaltdarstellungen – für eine FSK-16-Freigabe geht es durchaus zur Sache –, doch im Vergleich zum fünften Teil fehlt es an Wucht. Einige Morde geraten auffällig verspielt, fast schon bemüht originell, als wolle man mit extravaganten Einfällen über dramaturgische Schwächen hinwegtäuschen. Das Resultat sind Szenen, die eher wie Gimmicks wirken als wie organisch entwickelte Höhepunkte.

Auch das Setting trägt wenig zur Atmosphäre bei. Wieder dient eine amerikanische Kleinstadt als Schauplatz, doch anders als in früheren Filmen bleibt diese Kulisse erstaunlich konturlos. Es fehlt an Charakter, an spürbarem Milieu. Straßen, Häuser, öffentliche Plätze – alles wirkt austauschbar. Gerade in einer Reihe, die einst vom Gefühl latenter Bedrohung im Alltäglichen lebte, ist diese Beliebigkeit ein spürbarer Verlust.

Williamson erweist sich dabei als solider Handwerker, nicht mehr. Standardszenen gelingen ihm ordentlich. Doch sobald es darum geht, die Spannungsschraube anzuziehen, visuelle Akzente zu setzen oder ein hohes Tempo zu halten, gerät die Inszenierung ins Stocken. Es fehlt an Dynamik, an mutigen Perspektiven, an jener Energie, die das Publikum förmlich in den Sitz presst. Hier zeigt sich, dass Schreiben und Regieführen zwei unterschiedliche Disziplinen sind – und dass Routine allein nicht genügt, um einen Thriller zum Beben zu bringen.

Ein Unfug-Whodunit ohne Esprit

Am schwersten wiegt jedoch das Versagen im Kernbereich der Reihe: dem Whodunit-Part. Natürlich war die Reihe immer auch grober Unfug – aber Unfug mit Chuzpe und Charme. Die Enthüllungen kamen oft plump überraschend, manchmal absurd, aber stets mit einem Augenzwinkern. Scream 7 hingegen präsentiert eine Auflösung, die wie das Ergebnis mehrfacher Umschreibungen wirkt. Als hätten verschiedene Versionen miteinander gerungen, ohne dass sich eine klare Linie durchsetzen konnte.

Die ersten 30 bis 45 Minuten sind noch passabel. Der Film bemüht sich, Erwartungen zu unterlaufen, streut Andeutungen und falsche Spuren. Doch die vermeintlichen Überraschungen bleiben kraftlos. Spätestens im letzten Drittel verliert die Handlung deutlich an Zugkraft. Der dritte Akt zieht sich, statt zu eskalieren. Was früher in einem furiosen Finale kulminierte, verläuft hier seltsam schal und unerquicklich.

Ein Grund dafür liegt in den Figuren. Noch nie wirkten die Nebencharaktere so blass.  (1883) als Sidneys Tochter bringt zumindest Ansätze von Profil mit, verleiht ihrer Rolle Glaubwürdigkeit und einen Hauch emotionaler Erdung. Doch das Ensemble um die Prescotts bleibt austauschbar. Verdächtige ohne Kontur, Opfer ohne Nachhall. Auch  als Gale Weathers wirkt inzwischen eher wie ein Relikt vergangener Tage als wie eine notwendige Erzählinstanz. Ihre Auftritte erfüllen eine Pflicht, aber keinen dramaturgischen Zweck.

Fade Rückkehrer, statt Zeitgeist und Schrecken

Ähnliches gilt für andere Rückkehrer. Was offenbar eingefügt wurde, um Fans zu begeistern, gerät letztlich zum Schaulaufen der Ideenlosigkeit. Dabei liegen in einzelnen Ansätzen durchaus Möglichkeiten, Scream 7 zu jenem Film zu machen, der das fortführt, was die frühen Teile auszeichnete: ein wacher, zeitgeistiger Kommentar auf das eigene Genre – zugleich spöttische Kritik und aufrichtige Liebeserklärung. Doch genau diese Zuneigung zum Horrorfilm ist hier ebenso wenig zu spüren wie wirklich neue Einfälle.

Stattdessen dominiert vor allem die Verbundenheit zu Campbell und Cox, zu Sidney und Gale. So sehr man ihre Figuren schätzt – sie sollten die Bühne nun tatsächlich freigeben. Die eigentlichen Stars von Scream waren immer Ghostface und das selbstreflexive Spiel mit Horror-Identität. Beides kommt im neuesten Teil erschreckend kurz, was durchaus ironisch anmutet, bedenkt man, dass dieser Auftritt weder als Satire noch als Slasher Schrecken evoziert, sondern lediglich gähnende Stagnation hinterlässt.

Fazit

Als Slasher funktioniert "Scream 7" nur stark eingeschränkt, als Satire gar nicht mehr. Ein Sequel, das mehr verwaltet als wirklich gestaltet – und hoffentlich für niemanden zum Lieblingshorrorfilm avanciert.

Autor: Sebastian Groß
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