Inhalt
Noch als Kind strandet Prinz Adam mit seinem Raumschiff auf der Erde. Bei dem Absturz wird er von seinem magischen Schwert getrennt – jenem Artefakt, das ihn untrennbar mit seiner Heimat Eternia verbindet. Jahre vergehen, das Leben zieht weiter, bis Adam fast zwei Jahrzehnte später unverhofft wieder auf die verlorene Waffe stößt. Mit dem Wiedererwachen ihrer Macht wird er durch Raum und Zeit zurück nach Eternia geschleudert, wo ein erbitterter Kampf um die Vorherrschaft tobt. Der skrupellose Skeletor hat das Gleichgewicht des Planeten ins Wanken gebracht und bedroht dessen Zukunft. Um sich dem Bösen entgegenstellen zu können, muss Adam jedoch mehr tun, als nur ein Schwert zu führen. Er ist gezwungen, sich seiner eigenen Herkunft zu stellen, verdrängte Erinnerungen freizulegen und seine wahre Bestimmung anzunehmen – erst dann kann er zu He-Man werden, dem mächtigsten Mann des Universums.
Kritik
Der Verfasser dieser und der folgenden Zeilen ist seit zwölf Jahren Teil der Moviebreak-Redaktion. In dieser Zeit sind unzählige Texte entstanden, und bei manchen Hollywood-Projekten hatte man das Gefühl, sie würden ihn seine gesamte Laufbahn begleiten. Immer wieder tauchten sie in den Schlagzeilen auf, verschwanden wieder und kehrten Monate oder Jahre später zurück. Viele davon wurden irgendwann zum Running Gag. Und doch schafften sie es am Ende auf die große Leinwand.
Der Power Rangers-Film von STUDIOCANAL wurde tatsächlich gedreht. Ein fünfter Indiana Jones kam ebenfalls zustande. Selbst Fortsetzungen zu Achtzigerjahre-Klassikern wie Top Gun und Beetlejuice fanden nach gefühlten Ewigkeiten in der Entwicklungshölle ihren Weg ins Kino – und wurden obendrein große Publikumserfolge. Sogar das lange angekündigte Remake von The Crow erblickte schließlich das Licht der Welt.
Damit schien nur noch ein einziger Kandidat übrig zu bleiben: die Live-Action-Verfilmung von Masters of the Universe. Ein Projekt, das sich über Jahrzehnte hinweg jeder Realisierung widersetzte und längst den Ruf eines Hollywood-Mythos angenommen hatte. Seit 2007 werkelten verschiedene Studios daran herum. Sony versuchte sich daran, später übernahm Netflix das Ruder, investierte Berichten zufolge Millionen in die Entwicklung und gab die Rechte schließlich wieder ab. Irgendwann wanderte das Vorhaben zu Amazon MGM Studios weiter. Und nun, nach zahllosen Drehbuchfassungen, Regiewechseln und Neustarts, ist es tatsächlich passiert: Masters of the Universe steht kurz davor, die Kinos zu erreichen.
Zwischen Fantasy-Spaß und Ironie-Zwang
Ob daraus auch ein Erfolg wird, ist allerdings eine andere Frage. Die Marke He-Man besitzt zweifellos noch immer einen hohen Wiedererkennungswert. Gleichzeitig hat Hollywood in den vergangenen Jahren oft genug bewiesen, dass selbst bekannte Franchises keine Garantie für volle Kinosäle sind. Das musste zuletzt sogar das ausgesprochen unterhaltsame Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben erfahren. Genau mit diesem Film wird Masters of the Universe laut ersten Reaktionen immer wieder verglichen. Die entscheidende Frage lautet also: Ist dieser Vergleich berechtigt?
Die Antwort auf diese Frage lautet: ein klares Jein. Die Parallelen zu Dungeons & Dragons sind unverkennbar, reichen aber letztlich nicht aus, um beide Produktionen auf eine Stufe zu stellen. Das Fantasy-Abenteuer von Paramount besaß eine bemerkenswerte Leichtigkeit, mit der es seine Vorlage zugleich respektvoll und augenzwinkernd behandelte. Travis Knights Masters of the Universe verfolgt einen ähnlichen Ansatz, wirkt dabei jedoch deutlich angestrengter. Wo der eine Film Charme aus seiner Selbstverständlichkeit schöpfte, bemüht sich der andere sichtbar darum, modern, selbstironisch und zugleich ehrfürchtig gegenüber seinem Ursprung zu erscheinen.
Gerade darin liegt eine der größten Schwächen. Zwar nimmt die Verfilmung ihre Welt grundsätzlich ernst, doch gleichzeitig scheint sie dem Publikum nicht vollständig zu vertrauen. Immer wieder werden Momente, die für sich stehen könnten, durch einen ironischen Kommentar, einen sarkastischen Einwurf oder einen Gag relativiert. Anfangs funktioniert das durchaus. Mit zunehmender Laufzeit entsteht jedoch der Eindruck einer routinierten Pflichterfüllung, als müsse jede Szene vorsorglich signalisieren, dass man sich der Absurditäten des Stoffes bewusst sei. Dadurch verliert die Geschichte an Eigenständigkeit und verspielt manche Gelegenheit, echte emotionale Wirkung zu entfalten.
Sorgfalt in glattpolierten Digital-Welten
Dabei lässt sich den Verantwortlichen keineswegs mangelnde Hingabe vorwerfen. Im Gegenteil: Die ikonischen Figuren wurden mit großer Sorgfalt ins Live-Action-Format übertragen. Fans der Mattel-Spielzeuge werden zahlreiche bekannte Gesichter sofort wiedererkennen. Gleichzeitig offenbart sich hier ein weiteres Problem. Viele Schauplätze und Kreaturen wirken künstlicher als die Kunststoffvorbilder, auf denen sie basieren. Die digitale Ästhetik von Eternia präsentiert sich bunt, detailreich und ambitioniert, erreicht jedoch nur selten jene Greifbarkeit, die fantastische Welten glaubwürdig erscheinen lässt. Stattdessen erinnert vieles an eine aufwendig produzierte Computergrafik, deren technische Perfektion nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass ihr häufig die notwendige Haptik fehlt.
Besonders bemerkbar macht sich das während der zahlreichen Dialogpassagen. Mit einer Laufzeit von deutlich über zwei Stunden gönnt sich der Film immer wieder längere Verschnaufpausen, die nicht jede davon rechtfertigen können. Einige Charaktermomente funktionieren, andere bremsen den Erzählfluss unnötig aus. Gerade deshalb fällt positiv auf, dass Nicholas Galitzine die Doppelrolle als Prinz Adam und He-Man mit einer sympathischen Präsenz ausfüllt. Als Adam überzeugt er sogar noch etwas mehr als in seiner heroischen Gestalt. Er verleiht der Figur eine gewisse Nahbarkeit, die dem Film an anderer Stelle gelegentlich abgeht.
Mehr als nur Nostalgie? Action, Achtzigerjahre-Flair und Charme
Die Actionsequenzen hinterlassen einen ähnlich zwiespältigen Eindruck. Zwar fehlt es ihnen an den ganz großen Höhepunkten, doch mangelt es keineswegs an Einfallsreichtum. Viele Auseinandersetzungen besitzen ausreichend Tempo und Fantasie, um über kleinere Schwächen hinwegzutragen. Gegen Ende gelingt Knight sogar eine überraschend eindrucksvolle Traumsequenz, die das Finale vorbereitet und der Geschichte für kurze Zeit eine visuelle Eigenständigkeit verleiht. Überhaupt schöpft der Regisseur immer dann sein größtes Potenzial aus, wenn er den Stoff nicht als Franchise-Baustein, sondern als moderne Fantasy-Sage begreift. Die Handlung orientiert sich unverkennbar an klassischen Superman-Motiven und verbindet diese mit einer Liebeserklärung an die Popkultur der Achtzigerjahre. Eine Kür, die der Regisseur bereits mit Bumblebee absolvierte.
Diese Hommage spiegelt sich auch im Soundtrack wider. Songs von Queen und The Cure verleihen mehreren Szenen eine nostalgische Note. Sogar Brian May steuert einen eigenen Titel bei. Die musikalische Auswahl macht deutlich, welches Gefühl die Produktion hervorrufen möchte: jene Erinnerung an eine Ära, in der Actionfiguren, Zeichentrickserien und fantastische Abenteuer ganze Kinderzimmer beherrschten. Nur gelingt es dem Film leider nicht immer, dieses Lebensgefühl auch visuell einzufangen. Zu oft bleibt der Eindruck einer glattpolierten Nachbildung zurück.
Also für die Lachnummer Skeletor hat sich das Warten zumindest nicht gelohnt
Davon bleibt selbst Skeletor nicht verschont. Während Frank Langella der Figur 1987 eine überraschende Präsenz verlieh, wirkt die aktuelle Version deutlich weniger bedrohlich. Statt eines furchteinflößenden Widersachers entsteht stellenweise der Eindruck einer überzeichneten Karikatur. Sicherlich wird diese Interpretation ihre Anhänger*innen finden, doch die nötige Gravitas eines großen Gegenspielers erreicht sie nur selten.
Ähnlich verhält es sich mit den berüchtigten Namen vieler Eternia-Bewohner. Dass der Film versucht zu erklären, warum Krieger Figurenbezeichnungen wie Fisto oder Ram Man tragen, ist durchaus sympathisch. Die Umsetzung setzt jedoch erneut auf ironische Brechungen und selbstreflexiven Humor. Das sorgt für einige Schmunzler, verdeutlicht aber zugleich die grundsätzliche Unsicherheit der Produktion zwischen Ernsthaftigkeit und Parodie.
Hat sich das lange Warten also gelohnt? Auch hier lautet die Antwort: Jein, mit Hang zum Ja. Masters of the Universe schwankt beständig zwischen aufrichtigem Charme und kalkulierter Franchise-Mechanik. Immer dann, wenn der Film seiner eigenen Welt vertraut, entsteht ein unterhaltsames Fantasy-Abenteuer mit Herz für seine Vorlage. Sobald jedoch die nächste ironische Absicherung dazwischengrätscht, verliert die Reise an Kraft. Am Ende bleibt eine Verfilmung, die weder Triumph noch Enttäuschung ist, sondern ein ordentliches, stellenweise liebenswertes Spektakel, das seinen Mythos nicht vollständig einlösen kann, ihm aber immerhin gerecht genug wird, um die Tür nach Eternia offen zu halten.
Fazit
Nach Jahrzehnten in der Entwicklungshölle erreicht "Masters of the Universe" endlich die Leinwand. Das He-Man-Abenteuer punktet mit Herz und Charme für die Vorlage (und deren populärste Ära), verliert sich jedoch zu oft in aufgezwungener Ironie, unnötigen Längen und wenig überzeugenden digitalen Kulissen.
Autor: Sebastian Groß