MB-Kritik

Molière, Cyrano and the Young King 2026

Artus
Julia Piaton
Franck Dubosc
Némo Schiffman
Xavier Robic
Doria Tillier
Nils Hamel Brochen
Suzanne de Baecque
Damien Jouillerot
Noam Morgensztern

Inhalt

Im Jahr 1651, als im Königreich Frankreich Bürgerkriege drohen, bittet Anna von Österreich D’Artagnan, ihren Sohn in Sicherheit zu bringen. Daraufhin vertraut D’Artagnan den künftigen Ludwig XIV. Cyrano an, der ihn in der Theatergruppe des jungen Molière verbirgt.

Kritik

„Die Kaprizen des alten Michel Leclerc“ wäre ein treffenderer Titel für den konfusen Kostümschinken, den der französische Regisseur (Tele gaucho) nach eigener Aussage bei der Premiere in Cannes als ein im 17. Jahrhundert angelegtes Pendant der Avengers betrachtet. Der megalomanische Vergleich weckt eine Ahnung von der Kombination narzisstischer Verstiegenheit und penetranter Protzigkeit der pseudo-historischen Klamotte. Selbige beschwört vergeblich den Namen eines großen Theater-Autoren und seiner bekanntesten Figuren bei dem ungelenken Versuch, die zeitspezifischen Pointen in gegenwartstaugliche Gags zu übersetzen.

Der fadenscheinige Ansatz einer Modernisierung ist amüsanter als die eigentlichen Witze, scheint doch der reaktionäre Humor Leclercs mäßig erfolgreicher Beziehungskomödie geneigt, das Publikum in eine maximal verklemmte Vergangenheit zu transportieren. Ein historischer Stoff scheint somit nur folgerichtig, doch auch dafür fehlt dem Regisseur und Co-Drehbuchautor jegliches Gespür. Nicht besser verhält es sich mit den biografischen und Bühnenstück-Elementen, die den Mantel-und-Degen-Plot um gefährliche Intrigen im Königshaus aufbessern sollen. Die biedere Burleske belebt nicht mal ein halbes Dutzend prominenter Charaktere. 

Deren relevanteste sind Cyrano de Bergerac (Artus, Was ist schon normal?), der zukünftige König Louis XIV (Niels Hameln-Brochen), den er auf einer aberwitzigen Inkognito-Mission beschützen soll, ein betagter D‘Artagnan (Franck Dubosc, How to make a Killing), Molière (Nemo Schiffman, Die jüngste Tochter) sowie dessen Zukünftige Madeleine Béjart (Julia Piaton, Die Farben der Zeit) und die Königin (Doria Tillier, Bolero). Slapstick-Kämpfe und krampfige Sex-Witzchen lassen die karnevaleske Typen-Parade noch veralteter wirken als die generische Story. Deren infantile Inszenierung bagatellisiert den latenten Klassismus des seichten Plots so beiläufig, wie sie ihre historischen Figuren glattbügelt.

Fazit

„Eine wahre Geschichte - abgesehen von den historischen Teilen“ verspricht ein einleitender Text. Der beginnt die abgedroschenen Pointen Michel Leclercs kakophoner Komposition aus Literaturverfilmung, Abenteuerromanze und Historienstück und Verwechslungskomödie. Zahlreiche Genres und bekannte Personen steigern weder Tempo noch Dramatik der ermüdend einfallslosen Burleske. Deren Ensemble, teils todernst, teils grell überzeichnet, zeigt kaum darstellerische Chemie. Molières problematische Sexualität wird komplett ausgeblendet und Kämpfe verlaufen buchstäblich blutleer in den theaterhaften Kulissen. Mutlos, blasiert und hinter der modernistischen Maske ermüdend verstaubt. 

Autor: Lida Bach
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