MB-Kritik

Daughters of the Forest 2026

Sci-Fi, Documentary

Eliseete Ramírez Carbajal
Julieta Serafina Amaya Pérez

Inhalt

Tief in den pilzreichen Wäldern Mexikos trifft Science-Fiction auf uralte Praktiken: Zwei Mykologinnen aus den indigenen Völkern des Landes versuchen, Vergangenheit und Gegenwart über alle Lebensformen hinweg zu vereinen.

Kritik

Moderne Forschung und überliefertes Wissen zeigen sich symbolisch und buchstäblich als Verwandte in Otilia Portillos (Diario a Tres Voces) dokumentarischen Porträts einer Frauengemeinschaft, die ihre mykologische Expertise, Naturliebe und Familienbeziehungen aneinander binden. Die unwahrscheinlichen Titelheldinnen der visuell und narrativ gleichsam stimmungsvollen Reise durch die dichten Wälder Oxacas zu einem verborgenen Reich. Es ist das Reich der Pilze, die Eliseete Ramírez Carbajal und Julieta Serafina Amaya dort in faszinierender Vielfalt finden. Die jungen Protagonistinnen wollen sowohl die bedrohte Natur ihrer Heimatregion bewahren als auch das uralte Wissen über die Fungi. 

Deren Arten können alte Pilzsammlerinnen wie die Eliseete Großmutter allein nach dem Aussehen benennen und einordnen. Doch die Kenntnisse der Eigenschaften und Lebensgewohnheiten der rätselhaften Lebewesen droht mit den Frauen der alten Generation zu verschwinden. Zugleich verringern Entwaldung und Klimawandel den Lebensraum der Pilze und der Anwohnenden, die von ihrem Verkauf leben. Während Eliseete das über Jahrzehnte erlernte Wissen ihrer Großmutter in einem Buch festhält, ergründet Julieta beim Studium in der Hauptstadt im Labor die mykologischen Mysterien. Doch Akademismus und strukturelle Benachteiligung hindern ihr komplexe Mission.

Portillo begleitet ihre Protagonistinnen bei Expeditionen durch feuchte Waldlandschaften, lauscht bei Gesprächen mit Sammlerinnen lokaler Gemeinschaften und beobachtet Laboruntersuchungen. Die Idee eines myzelialen Denkens, nachdem alles Leben verbunden ist, wird zum übergreifenden Leitbild der experimentellen Inszenierung. Jene löst sich narrativ und optisch immer wieder von der Realitätsebene, um das Geschehen aus Pilz-Perspektive einzufangen. Poetische Naturerfahrung, wissenschaftliche Spekulation und kosmologische Traumbilder verwachsen zu einem evokativen Exkursion, die sich weniger mit konkreten Forschungsergebnissen und soziologischen Spezifika befasst als dem philosophischen Konzept hinter der Arbeit der Hauptfiguren.

Fazit

Animistisch inspirierte Aufnahmen transportieren das universelle Konzept einer indigenen Kosmologie in Otilia Portillos hybrider Naturdokumentation. Deren in gedeckte, üppige Farben getauchte Kameraaufnahmen machen den Wald als organisches Ökosystem erfahrbar. Extreme Nahaufnahmen von Pilzstrukturen, Nebelschwaden zwischen Baumstämmen und gedämpfte Lichtreflexe erzeugen eine immersive Atmosphäre, inspiriert von Science-Fiction und psychedelischen Phantasmen. Eine verstärkte Sound-Kulisse knisternder Blätter und unterirdischer Wachstumsprozesse verstärkt die metaphysische Aura. Ökologische Netzwerke spiegeln zwischenmenschliche Bindungen, die zur essenziellen Ader naturkundlicher Erkenntnisse werden. Eine feministische Würdigung indigenen Wissens, deren kosmische Visionen auf einen filmischen Pilz-Trip führen. 

Autor: Lida Bach
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