Inhalt
Eine Fernsehmeteorologin (Emily Blunt) wird live während eines TV-Auftritts plötzlich von einem unerklärlichen Phänomen heimgesucht. Während die Behörden zu vertuschen versuchen, dass Außerirdische dahinter stecken könnten, will ein Aktivist (Josh O'Connor) mit allen Mitteln die Weltöffentlichkeit über die Wahrheit informieren.
Kritik
Wenn Steven Spielberg einen neuen Film ins Kino bringt, ist das noch immer ein Ereignis. Zwar löst sein Name längst nicht mehr jene bedingungslose Euphorie aus wie in den 1980er- und 1990er-Jahren, doch die Erwartung bleibt bestehen. Schließlich hat kaum ein anderer Regisseur das moderne Blockbusterkino so nachhaltig geprägt wie er. Mit Disclosure Day kehrt Spielberg nun erneut in jenes Science-Fiction-Terrain zurück, das ihm bereits einige seiner bekanntesten Werke beschert hat. Die Voraussetzungen für großes Kino sind also gegeben.
Und tatsächlich macht der Film schnell deutlich, dass Spielberg als Regisseur nichts von seinem Können eingebüßt hat. Gleichzeitig offenbart Disclosure Day aber auch, warum viele seiner neueren Arbeiten zwar respektiert werden, jedoch selten dieselbe Begeisterung auslösen wie seine Klassiker.
Steven Spielberg inszeniert weiterhin auf höchstem Niveau
Handwerklich gibt es an Disclosure Day kaum etwas auszusetzen. Spielberg beweist einmal mehr, weshalb er zu den prägendsten Filmemacher*innen der vergangenen Jahrzehnte gehört. Seine Inszenierung wirkt mühelos, präzise und bemerkenswert selbstsicher. Immer wieder finden sich kleine visuelle Einfälle, die selbst unscheinbare Dialogszenen aufwerten. Kamerafahrten gleiten elegant durch Räume, Figuren werden mit großer Sorgfalt im Bild positioniert und selbst beiläufige Momente erhalten eine Dynamik, die vielen aktuellen Produktionen abgeht.
Dabei entsteht nie der Eindruck, Spielberg wolle sein Können demonstrativ zur Schau stellen. Die technische Raffinesse wirkt selbstverständlich, fast beiläufig. Gerade darin liegt ihre Wirkung. Wo andere Regisseur*innen auf spektakuläre Schauwerte setzen, vertraut Spielberg auf Erfahrung und handwerkliche Präzision.
Dazu kommt die gewohnt starke Arbeit seiner langjährigen kreativen Partner. Die Bilder besitzen eine angenehme Klarheit, der Schnitt hält das Geschehen stets übersichtlich und John Williams liefert einen Score, der viele Szenen emotional trägt. Seine Musik erinnert daran, wie eng Spielbergs Kino seit Jahrzehnten mit einem Gefühl von Staunen und Abenteuer verbunden ist. Mehrfach entsteht dadurch jene wohlige Atmosphäre, die an die großen Science-Fiction-Filme vergangener Jahrzehnte erinnert.
Allein deshalb bleibt Disclosure Day über weite Strecken ein angenehmes Kinoerlebnis. Selbst wenn die Geschichte ins Stocken gerät, sorgt die Inszenierung dafür, dass man dem Film gerne folgt. Genau hier beginnt allerdings auch das zentrale Problem des Films. Denn so überzeugend die Inszenierung ausfällt, so überraschend blass bleibt vieles auf erzählerischer Ebene.
Warum die Geschichte von „Disclosure Day“ nicht richtig zündet
Die Figuren sind keineswegs schlecht geschrieben oder schwach gespielt. Im Gegenteil: Das Ensemble (darunter Emily Blunt, Josh O'Connor, Colin Firth und Colman Domingo) liefert durchweg solide Leistungen ab. Dennoch fehlt den meisten Charakteren jene Tiefe, die sie wirklich greifbar machen würde. Viele Rollen erfüllen ihre Funktion innerhalb der Handlung, entwickeln darüber hinaus aber kaum Eigenleben. Man versteht, welche Aufgabe sie erfüllen sollen, fühlt jedoch selten eine echte Bindung zu ihnen.
Ähnlich verhält es sich mit den Konflikten. Der Film bemüht sich um Spannung, erzeugt jedoch nur selten das Gefühl echter Dringlichkeit. Die Bedrohungen bleiben erstaunlich abstrakt, die Gegenspieler entwickeln kaum die notwendige Präsenz, um die Handlung wirklich voranzutreiben. Dadurch entsteht ein merkwürdiger Schwebezustand: Es passiert durchaus einiges, doch erstaunlich wenig davon entfaltet nachhaltige Wirkung.
Hinzu kommt die Laufzeit von fast zweieinhalb Stunden. Spielberg nimmt sich viel Zeit für sein Mysterium und baut zahlreiche Fragen auf, liefert jedoch vergleichsweise wenige Antworten oder neue Perspektiven. Der Film bewegt sich oft von Szene zu Szene, ohne dabei ausreichend erzählerische Dynamik zu entwickeln. Viele interessante Ideen werden lediglich angerissen und anschließend nicht konsequent weiterverfolgt.
Das ist besonders schade, weil man spürt, welches Potenzial in dem Stoff steckt. Immer wieder öffnet Disclosure Day Türen zu spannenden philosophischen oder gesellschaftlichen Fragestellungen, entscheidet sich jedoch häufig dafür, diese nur kurz zu streifen, anstatt sie wirklich auszuloten. Dadurch entsteht stellenweise das Gefühl, dass der Film deutlich mehr sein möchte, als er letztlich wird.
Ein Science-Fiction-Film gegen den Zeitgeist
Vielleicht liegt gerade darin die eigentliche Besonderheit von Disclosure Day. Spielberg präsentiert keinen zynischen Thriller, keine düstere Zukunftsvision und auch keine bitterböse Abrechnung mit der Menschheit. Stattdessen erzählt er von Hoffnung, Verständnis und dem Glauben daran, dass Menschen im entscheidenden Moment das Richtige tun können.
In einer Gegenwart, die von Ironie, Misstrauen und gesellschaftlichen Spannungen geprägt ist, wirkt das beinahe ungewöhnlich. Spielberg bleibt ein Optimist. Mehr noch: Er bleibt ein Humanist. Während viele moderne Blockbuster ihre Emotionen hinter Sarkasmus verstecken oder jede Form von Idealismus sofort wieder relativieren, hält Disclosure Day unbeirrt an seinem Glauben an Menschlichkeit und Verständigung fest.
Darin liegt eine Qualität, die man nicht hoch genug schätzen kann. Spielberg zelebriert die Kraft des Kinos noch immer als etwas Verbindendes. Seine Filme wollen nicht nur unterhalten, sondern auch Hoffnung vermitteln. Sie möchten daran erinnern, dass Neugier, Mitgefühl und Empathie wichtige Triebfedern menschlichen Handelns sind. Gerade deshalb fühlt sich Disclosure Day wie ein bewusster Gegenentwurf zu vielen aktuellen Produktionen an.
Doch genau dieser Ansatz wird zugleich zur größten Schwäche des Films. Seine optimistische Weltsicht kollidiert immer wieder mit einer Gegenwart, die deutlich komplexer erscheint als die Antworten, die das Drehbuch anbietet. Vieles wirkt erstaunlich schlicht gedacht, manche Konflikte verlieren an Glaubwürdigkeit und einige Entwicklungen erscheinen fast märchenhaft. Dadurch entsteht der Eindruck eines Films, der zwar viel über unsere Welt sagen möchte, dabei aber gelegentlich an ihr vorbeiredet.
So bleibt Disclosure Day ein bemerkenswert widersprüchliches Werk. Einerseits steht hier ein Regisseur hinter der Kamera, dessen handwerkliche Klasse ungebrochen ist und dessen aufrichtiger Glaube an das Gute im Menschen beinahe erfrischend wirkt. Andererseits hinterlässt die Geschichte selbst ein seltsam unbefriedigendes Gefühl. Nicht, weil es ihr an Ambitionen mangelt, sondern weil sie aus ihren Ideen nie die emotionale oder dramaturgische Kraft entwickelt, die man sich erhofft.
Es bleibt vor allem die Erkenntnis, dass Spielberg noch immer einer der großen Träumer des amerikanischen Kinos ist. Disclosure Day zeigt eindrucksvoll, warum seine Filme über Jahrzehnte hinweg Generationen begeistert haben. Gleichzeitig macht er aber auch deutlich, wie schwer es geworden ist, mit dieser Form des unverstellten Optimismus im Hier und Jetzt dieselbe Wirkung zu erzielen. Das Ergebnis ist ein Film, den man aufrichtig mögen möchte, der jedoch trotz vieler Qualitäten nie ganz die emotionale Wucht entfaltet, die seine Themen eigentlich verdienen.
Fazit
"Disclosure Day" ist ein Film, der mehr durch seine Haltung als durch seine Geschichte in Erinnerung bleibt. Steven Spielberg hält unbeirrt an Menschlichkeit, Hoffnung und dem Glauben an das Gute fest – und erschafft damit einen bemerkenswerten Gegenentwurf zu einer zunehmend zynischen Welt. Gerade diese Aufrichtigkeit macht den Film sympathisch, lässt ihn zugleich aber seltsam aus der Zeit gefallen wirken. Handwerklich makellos und voller Überzeugung, erzählerisch jedoch überraschend kraftlos, bleibt am Ende ein Werk, das man respektiert, ohne sich ihm vollständig hinzugeben.
Autor: Sebastian Groß