MB-Kritik

Elon Musk Unveiled: The Tesla Experiment 2026

Documentary

Elon Musk

Inhalt

Elon Musk will das Rennen um die Entwicklung selbstfahrender Autos anführen, doch das hat seinen Preis.Ein Dokumentarfilm über Teslas fatalen Sicherheitsverstoß und die dahinterstehende Denkweise.

Kritik

Der zweigeteilte Titel Andreas Pichlers determinierten Dokumentarfilms, der nach seiner Premiere auf Amsterdams International Documentary Film Festival nun in der Science Sektion von CPH:DOX läuft, verrät indirekt deren divergierenden Fokus. Jenen lenkt der deutsche Regisseur im Wechsel auf den umstrittenen Über-Tech-Bro Elon Musk, der sein laut Forbes weltweit größtes Kapital unter anderem in Rechtspopulismus für Trump und die Mars-Kolonialisierung investiert, sowie auf die beunruhigende Unzuverlässigkeit Teslas Autopiloten, gezielte Unterdrückung alarmierender Daten und systematische Schikane von Mitarbeitenden, die auf die Sicherheitsmängel des AI-gesteuerten Wagens hinwiesen. 

Einer dieser Whistleblower ist Lukasz Krupski. Der ehemalige Tesla-Angestellte berichtet vor der Kamera von seiner anfänglichen Begeisterung für die Tesla-Technologie, deren Fehlfunktionen ihn in Simulationen schon mehrfach umgebracht hätten. Auf seine Warnungen vor den technischen Problemen, die den hochtrabenden Behauptungen Teslas Promotion-Maschine entgegenstehen, reagierte Tesla erst mit Gleichgültigkeit, dann internem Druck und kurz darauf Kündigung. Krupski wandte sich a das Handelsblatt, das seine umfassenden Insider-Kenntnisse 2023 veröffentlichte. Der Artikel lieferte die Basis Pichlers Doku, die weniger selbst investigiert, als bereits bekannte Enthüllungen zusammenträgt. 

Spannung und Brisanz einer klassischen Investigativ-Dokumentation fehlt dem konzisen Kompendiums somit. Dennoch besitzen die vorgestellten Fälle wie jener der Angehörigen des 22-jährigen Naibel Benvenides, die im April 2019 bei einem durch einen Tesla verursachten Unfall zu Tode kam eine erschütternde Kraft. Anders als vorige Betroffene lehnte Naibels Familie eine außergerichtliche Einigung ab. Wie viele solcher außergerichtlicher Zahlungen es tatsächlich gab, bleibt einer der essenziellen Leerstellen. Füllen sollen diese eine charakterliche Demontage Musks, dessen Megalomanie, monetäre Macht und Medien-Monopol ihm einen gefährlichen Einfluss verleihen. 

Interviews, öffentliche Auftritte, Archivmaterial und Social Media Reaktionen zeichnen das beunruhigende, doch keineswegs neue Bild eines fanatischen Futuristen, dessen Zukunftsvision Menschenleben als Kollateralschaden und ethische Grundsätze als hinderlich betrachtet. Präzision und vor allem Hintergründigkeit fehlt jedoch auch diesem Schnelldurchlauf einer scheinbaren politischen und persönlichen Transformation, die womöglich eher die Neuausrichtung eines öffentlichen Images ist. Eine nuancierte psychologische Profilierung Musks bleibt ebenso aus wie eine transparente Analyse Musks selbstgeschaffenen Mythos sowie der bedenklichen Verflechtung von Ideologie und Technologie, und der darauf aufbauenden politischen Allianzen.

Fazit

Die Enthüllung, die Andreas Pichlers unilaterale Reportage verspricht, bleibt letztlich ebenso aus wie umfassende Rekapitulation der mangelhaften Technik und buchstäblich fatalen Marketing-Strategien Teslas und ihres Begründers. Dessen umstrittene Person erscheint ständig auf archivarischen Ausschnitten, die indes nicht davon ablenken können, dass Tesla selbst in keiner Form repräsentiert. Diese Einseitigkeit verstärkt das Argumentationsmuster, dass defensive Behauptungen eher ausblendet statt entkräftet. Die zwei Aspekte des dokumentarischen Diptychs, der einerseits Wirtschaftsthriller, andererseits karrieristische Charakterstudie sein will, fügen sich nie zu einer schlüssigen Sektion des Systems, das komplexer ist als Musk oder Tesla. 

Autor: Lida Bach
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