Inhalt
Die Musterschülerin und Amateurharfenistin Meg plant eine vollständige musikalische Nachstellung des Amoklaufs, der sich vor 10 Jahren an ihrer High School ereignete.
Kritik
Es ist eine jener kuriosen inszenatorischen Parallelen, die sich auf Film Festivals regelmäßig finden, dass dieses Jahr gleich zwei Beiträge auf Sundance von Musical Schul-Aufführungen handeln, deren untypisch gewaltvoller Inhalt für einen Eklat sorgt. Die gute Nachricht bezüglich NB Magers (Nobody Loves Alice) engagierten Spielfilm-Debüts ist, dass die tragikomische Story eindeutig der bessere Kino-Kandidat ist. Coming-of-Age ist mehr Coming-to-Terms in der ungelenken Story um die jugendliche Meg (Newcomerin Alyssa Marvin) die in einer Theater-Aufführung die tragischen Folgen eines Amoklaufs verarbeiten will.
Wie zu erwarten freuen sich nicht alle über den herausfordernden Plan, der das mühsam verdrängte Ereignis wieder wachruft. Zum 10. Gedenktag der Schießerei, bei der ein Schüler drei Klassenkameraden und Megs als Lehrerin arbeitende Mutter tötete, will sie das Ganze als Musical auf die Bühne bringen. Musiklehrer Mr. Shelby (Patrick Wilson, Cape Fear) liefert das Libretto, ihre Cousine Penny (Sophia Torres, Pulse) übernimmt die Hauptrolle. Direktorin Linda (Margaret Cho, I Want Your Sex) indes ist empört über das Vorhaben, dessen grimmige Gesellschaftskritik ihrem euphemistischen Ansatz diametral entgegensteht.
“Hit Me Baby One More Time”, “Killing Me Softly” und “Amazing Grace” erhalten eine makabere Mehrdeutigkeit innerhalb der innerfilmischen Bühnen-Inszenierung. Mager arrangiert ihre Gags um die Reaktionen auf das Projekt, aber niemals über dieses selbst. Megs Absicht behandelt die bittersüße Story mit seltenem Ernst, dessen narzisstische Untertöne Selbstironie und Sarkasmus aushebeln. Bezeichnenderweise mangelt es dem ungelenken Szenario ausgerechnet an der Courage, die seine Protagonistin auszeichnet. Megs Tante Val (Molly Ringwald, Bad Things) und Onkel Dan (Yul Vazquez, The Lost Bus) sind wie die meisten Figuren nur Personifikationen statt Persönlichkeiten und der Plot stagnierende Prämisse.
Fazit
Musikalische Selbstfindung, Systemkritik und Satire ergeben eine unausgegorene Mischung in NB Magers Spielfilm-Fassung ihre gleichnamigen Kurzfilms. Alyssa Marvins überzeugende Verkörperung einer Heranwachsenden zwischen Traum und Tauma wird zum emotionalen Zentrum der didaktischen Story. Deren sichtbar begrenztes Budget hemmt zusätzlich die Entfaltung der mit pädagogischen Botschaften überfrachteten Handlung. Jene wagt weder bissigen Humor, noch die Konfrontation der als dramatisches Momentum fungierenden Tragödie. Pathetische Phrasen, verkrampfte Versöhnung und hohle Hoffnungsappelle werden oberflächlich kritisiert und postwendend inszenatorisch selbst praktiziert. Das fiktive Musical scheint da sehenswerter als der Film drumherum.
Autor: Lida Bach