7.1

MB-Kritik

Dust Bunny 2026

Horror, Drama, Thriller

7.1

Mads Mikkelsen
Sophie Sloan
Sigourney Weaver
David Dastmalchian
Sheila Atim
Caspar Phillipson
Line Kruse
Rebecca Henderson
Nóra Trokán
Narantsogt Tsogtsaikhan
Bence Ferenczi
Ákos Szalai
Rea Milla
Sute Zhao
Armond Willis
Roland Szóka

Inhalt

In DUST BUNNY, dem fantasievollen und hintergründig-einfallsreichen Regiedebüt des visionären Serienschöpfers Bryan Fuller (Hannibal, Pushing Daisies), verbündet sich ein zehnjähriges Mädchen mit ihrem Nachbarn, gespielt von Mads Mikkelsen, um sich gemeinsam ihren inneren und äußeren Monstern zu stellen.Aurora ist überzeugt: Ein Monster hat ihre Familie verschlungen. Ihre letzte Hoffnung ruht auf dem unheimlichen Mann von nebenan – von dem es heißt, er töte „echte“ Monster. In Wahrheit ist er ein abgebrühter Auftragsmörder. Was als skurrile Geschichte beginnt, entwickelt sich rasch zu einem düsteren Geflecht aus Gewalt, Schuld und kindlicher Vorstellungskraft. Realität und Illusion verschwimmen – und am Ende bleibt die Frage: Wer sind die wahren Monster?DUST BUNNY ist eine fesselnde Reise in die dunklen Winkel der Fantasie, ein gnadenloser Rachefeldzug – voller schwarzem Humor, bizarrer Kreaturen und brutaler Konsequenzen.Ein düsteres Märchen voller Vorstellungskraft, Witz -und einem ganz besonderen Monsterhasen.

Kritik

Filme permanent mit anderen Filmen zu vergleichen, ist oft eine etwas ermüdende Übung. Im Fall von Dust Bunny, dem Spielfilmdebüt von Bryan Fuller, lässt sich dieser Reflex jedoch kaum vermeiden. Die Einflüsse liegen offen zutage, sie sind zahlreich und so deutlich erkennbar, dass sie beinahe Teil des Konzepts werden. Man spürt unübersehbar die Nähe zu Jean-Pierre Jeunet, insbesondere zu Delicatessen (1991) und Die fabelhafte Welt der Amélie (2001). Dazu gesellen sich Anklänge an Pans Labyrinth (2006), ein Schuss Matilda (1996), große Spuren von Léon – Der Profi und sogar eine abgeschwächte Variante der stilisierten Unterwelt aus den John Wick-Filmen. Man könnte von Wes Anderson auch etwas in die Waagschale legen, aber wozu, wenn dort schon genügend Jeunet liegt?

Diese Mischung ist üppig und nicht immer fein austariert. Fuller wirft seine Referenzen mitunter recht frei zusammen, was dem Film gelegentlich eine leicht willkürliche Note verleiht. Dennoch entsteht daraus kein bloßes Zitatenkabinett, sondern ein eigenständiges Gebilde. Dust Bunny entfaltet sich als bunt-düsteres Märchen, das seine Geschichte geradlinig aber ein wenig zu redselig vorantreibt und im Hintergrund ein detailverliebtes Panoptikum errichtet, das zum Entdecken einlädt. Gerade diese Gleichzeitigkeit aus narrativer Einfachheit und visueller Überfülle macht den Reiz des Films aus. Fuller scheint weniger an realistischer Abbildung interessiert zu sein als daran, eine in sich geschlossene Welt zu erschaffen, die eigenen Regeln folgt und sich bewusst von Alltagslogik löst.

Das Monster unter dem Bett

Besonders spannend ist der Umgang mit der titelgebenden Bedrohung. Das Dust Bunny wirkt wie die direkte Ausgeburt kindlicher Fantasie: unförmig, unheimlich und klar an einfache Regeln gebunden. „Berühre nicht den Boden“ ist eine dieser Maximen, die sofort verständlich sind und dennoch ein latentes Unbehagen erzeugen. Das Monster funktioniert nicht über komplexe Mythologie, sondern über intuitive Angstbilder, die jeder kennt.

Natürlich lädt diese Figur zu Deutungen ein. Man kann Traumata, Einsamkeit oder kindliche Überforderung hineinlesen, und vieles davon passt erstaunlich gut. Fuller lässt solche Lesarten zu, drängt sie aber nicht auf. Mit bemerkenswerter Kaltschnäuzigkeit verankert er sein Monster schlicht in der erzählten Welt, ohne es psychologisch zu zerreden oder symbolisch zu überfrachten. Gerade diese Nüchternheit verleiht dem Konzept eine gewisse Stärke.

Die Handlung selbst ließe sich denkbar knapp zusammenfassen: Die Eltern eines kleinen Mädchens werden von dem Wesen unter ihrem Bett gefressen. Der Nachbar entpuppt sich als Auftragskiller, und das Kind engagiert ihn, um das Monster zu beseitigen. Diese Idee ist ebenso simpel wie einfallsreich. Sie erlaubt es, Märchenlogik mit Elementen des Actionkinos zu verschränken, ohne sich in komplizierten Erklärungen zu verlieren.

Die Handschrift von Bryan Fuller

Bryan Fuller ist vor allem durch Serien wie Pushing Daisies, Hannibal und American Gods bekannt geworden. Seine Stärke liegt seit jeher in der Gestaltung außergewöhnlicher Bilderwelten, in einem ausgeprägten Sinn für Komposition, Farbe und Atmosphäre. Gleichzeitig haftet seinen Arbeiten der Ruf an, erzählerisch nicht immer konsequent zu Ende gedacht zu sein oder sich in ästhetischer Selbstverliebtheit zu verlieren. Dust Bunny trägt beide Seiten dieser Handschrift deutlich in sich.

Gedreht im ungewöhnlichen 3.00:1-Format, wirken die Bilder auf der großen Leinwand bewusst künstlich. Wo andere Filme Nähe zur Realität suchen, baut sich dieser hier eine eigene Wirklichkeit. Der cleane, oft digitale Look wird nicht jede*n überzeugen, doch Fuller beweist ein feines Gespür für visuelle Arrangements, die auch ohne Dialog oder Handlung funktionieren. Viele Einstellungen erzählen allein durch ihre Gestaltung, durch Licht, Raum und Bewegung.

In dieses Setting fügt sich Hannibal-Star  nahezu mühelos ein. Er demonstriert einmal mehr, wie stark seine bloße Präsenz wirken kann - auch wenn in Nebenrollen  (The Gorge) und  (Dexter: Wiedererwachen) ebenfalls um Aufmerksamkeit buhlen. Besonders gelungen ist die leise Entwicklung der Beziehung zwischen seinem Killer und dem Mädchen Aurora (). Was zunächst wie eine bizarre Zweckgemeinschaft beginnt, wächst behutsam zu etwas Väterlichem heran, ohne je ins Sentimentale abzurutschen. Auch wenn die Actionszenen nicht immer die erhoffte Wucht entfalten, bleibt Dust Bunny als Gesamtwerk ein eigenwilliges Märchen, das mehr durch Atmosphäre und Ideenreichtum trägt als durch Perfektion – und genau darin seinen Charme entfaltet.

Fazit

Ein verspieltes, schräges Märchen, dem nicht alles gelingt, aber genug Charme versprüht, um zu verzaubern. "Dust Bunny" stolpert hier und da, bleibt dabei jedoch eigenwillig, ideenreich und sehenswert.

Autor: Sebastian Groß
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