MB-Kritik

Troublemaker: The Story Behind the Mandela Tapes 2026

Documentary

Nelson Mandela
Mac Maharaj

Inhalt

Der Kampf gegen die Apartheid wird aus der Perspektive Nelson Mandelas selbst geschildert, anhand von Aufnahmen, die er während des Schreibens seiner Autobiografie „Der lange Weg zur Freiheit“ anfertigte.

Kritik

Von seinen Action-Thrillern und Blockbuster-Produktionen unternimmt Antoine Fuqua (Michael) einen ambitionierten Ausflug ins dokumentarische Sujet, dessen Muster und Mechanismen er makellos in seiner biographischen Annäherung adaptiert. Historisches Panorama und differenzierte Persönlichkeitsstudie fügen sich zu einer homogenen Hochglanz-Hommage. Deren formvollendeter Konformismus steht in kuriosem Kontrast zum aufrührerischen Titel. Troublemaker war der Spitzname Nelson Mandelas (LOLA) der sich im Einklang mit der Bedeutung seines aus Xhosa übersetzten Namens dem notwendigen Konflikt stellte. Über 70 Stunden teils ungekannten Tonmaterials bilden die Grundlage der formativen Würdigung.

Jene reibt sich merklich an den formalen Grenzen dokumentarischer Konvention, ohne sie je auszuloten. Politische Abhandlung und Lebenslauf greifen fest ineinander, während der Regisseur und sein Drehbuchautor Michael Toomey Mann das Rad der Geschichte zurückdrehen, um Mandelas Laufbahn neu abzurollen. Das Audio-Archivmaterial, das Mandel während der Arbeit a seiner Autobiographie “Long Walk to Freedom” aufnahm, lässt das Publikum an seinem inneren Monolog teilhaben. Von seiner Kindheit im Eastern Cap über die politischen Anfänge und die langjährige Haft bis zur Präsidentschaft bildet der originale Off-Kommentar das emotionale Fundament. 

Traditionelle Interview-Sequenzen scheinen somit redundant. Stattdessen folgt Fuqua in zeichnerischen Animation des lokalen Künstlers Thabang Lehobye, deren unstete Linienführung an Kohlestift und Gemäldevorlagen erinnert, seinem Drang zur klassischen Dramatisierung. Neben dem traditionellen Archivmaterial entfalten die animierten Sequenzen, die dort ansetzen, wo es keine Filmaufzeichnungen gibt, eine angespannte Dynamik. Äußere und innere Konflikte überlagern sich in den expressiven Zeichnungen, die zwischen politischer Realität und gesellschaftlicher Vision oszillieren. Nüchterne Faktizität der chronologischen Handlung und die impressionistischen Vignetten bleiben schaffen ein unruhiges Pendant eines bewegten Lebens. 

Fazit

Ein strenger struktureller Rahmen mit unerwartet impulsivem Innenleben: Antoine Fuquas kondensierte Doku schafft es in sporadischen Momenten symbolischer Klarheit sich organisch mit Mandelas Off-Stimme zu verbinden. Sounddesign und rhythmischer Schnitt verpacken das authentische Material in die Ästhetik eines Leinwand-Biopics. So interessant die Unmittelbarkeit Nelson Mandelas eigener Worte ist, wirkt sie doch seltsam isoliert und und absolut. Ergänzende und revidierende Positionen sind nahezu abwesend. Mandelas Entwicklung vom pazifistischen Widerstand zum resoluten Rebellen bleibt ähnlich schemenhaft wie der zeitpolitische Kontext. Menschliche Nähe wird in dem prägnanten Doku-Essay zum ambivalenten Ersatz hintergründiger Aufarbeitung.

Autor: Lida Bach
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