3.5

MB-Kritik

Fabian und die mörderische Hochzeit 2026

Mystery, Comedy, Crime

3.5

Bastian Pastewka
Ercan Durmaz
Barbara Philipp
Taneshia Abt
Bernhard Schütz
Mira Partecke
Lena Dörrie
Nicole Beutler
Knud Riepen
Daniel Rodic
Rabea Lüthi
Magnus Krepper
Marta Kizyma
Tamara Romera Ginés
Anton Dreger
Georg Paluza

Inhalt

Hochstapler Fabian landet auf der Flucht vor seinen Verfolgern auf einer winterlichen Hochzeit, wo er eine wertvolle Statue stehlen will. Doch dann durchkreuzt ein Mord seine Pläne.

Ab dem 06. Februar exklusiv bei Prime Video

Kritik

Obwohl Bastian Pastewka (Der Wixxer) seit inzwischen 30 Jahren zu den beliebtesten Ulknudeln des Landes zählt (und sich im Gegensatz zu den meisten seiner Kollegen nicht schon viel zu lange außererzählt hat und dabei nur noch wirkt, wie der unangenehme und viel zu früh betrunkene Onkel auf einer Familienfeier), findet er doch überwiegend noch im TV statt. Kinofilme waren verhältnismäßig wenige dabei und genau genommen ist auch Fabian und die mörderische Hochzeit keiner, aber immerhin ein Streaming-Exklusiv-Title von MGM für Amazon Prime Video und so wie es den Anschein macht, soll dies kein Einzelfall bleiben. Der hier von ihm verkörperte Hochstapler Fabian Kurtz schreit förmlich nach einem heiminternen Dauerbrenner, nicht nur weil das Konzept eines Agatha-Christie-Lookalike-Krimis stark an eine einheimische Version der Knives Out-Reihe erinnert, mit dessen dritten TeilNetflix letzten Jahr einen seiner größten Erfolge bei Kritik und Publikum feierte. Oder sagen wir mal eher „würde gerne danach schreien“, denn dieser Start – so muss man es formulieren, mal schauen, ob daraus wirklich noch was wird -, gestaltet sich schon mal wenig erquickend und hätte exakt so schon vor 30 Jahren als Sat1-Eigenproduktion stattfinden können.

Fabian Kurtz ist in betrügerischer Absicht gerade in Vilnius unterwegs und hat dabei mehr Glück als Verstand. Ihm gelingt auf der Flucht vor dem bewaffneten Schergen eines frisch übers Ohr gehauenen „Kunden“ (in einem „Tempo“, das die Dynamik hat von Eierlaufen während einer Hüft-OP-Reha) das Kunststück, mitten in der litauischen Hauptstadt ausgerechnet auf eine rein deutsche Hochzeitsgesellschaft zu treffen und – wie es der dumme Zufall so will – mit dem engagierten Fotografen verwechselt zu werden. So entkommt der Glückspilz seinem völlig unfähigen Verfolger (der eh schon schnecken-lahme Fabian wird zwischendurch von sogar von einem Auto abgeräumt und trotzdem sieht sein Widersacher kein Land, wow…) und die vielleicht schon etwas älteren Zuschauenden haben bereits unangenehme Flashbacks an die Untiefen der deutschen Verwechslungskomödien der 60er und 70er Jahre, aber – zum Glück (?) – wird das eben dann „nur“ ein Whodunnit-Krimi-Stück nach bereits angesprochener Formel. Warum Betrüger Fabian sich seiner Rolle fügt und nicht sofort Leine zieht, begründet der Plot so schnell wie zweckmäßig und ist vielleicht sogar noch das schlüssigste, was die bis zum Anschlag konstruierte Handlung zu bieten hat.

Angekommen in einer schweinchenrosa Villa Kunterbunt der exzentrischen Kunstsammler-Tante lernen wir erstmal die (sehr überschaubare) Hochzeitsgesellschaft näher kennen – oder eher nicht. Denn genau genommen werden hier nur wandelnde Klischees präsentiert, wie bei Cluedo, nur zeitlich eben angepasst, wie beispielsweise einen Gen-Z-Esotherik-Influencer. Halt die üblich bucklige Verwandtschaft, bei der jeder aus diversen Gründen später mal verdächtig werden könnte, denn irgendwann gibt es natürlich einen Mord und der Halunke Fabian, der sich inzwischen als Polizist ausgibt, übernimmt die Ermittlungen. Warum? Nun, in erster Linie möchte er nur an das verschwundene Brautgeschenk, eine unglaublich wertvolle Figur, kommen. Eher nebenbei erweist er sich aber wirklich als wahrer Erbe von Hercule Poirot, denn obwohl hier alles nur auf zufälligen Beobachtungen, sehr vagen Kausalitätsketten und einer Aneinanderreihung von Plausibilitäten beruht, wie sie halt nur Geschichten dieser Art als „denkbar“ in den Raum werfen, löst er ganz nebenbei den Mordfall. 

Zwei Dinge, damit hier keine Missverständnisse aufkommen. Erstens: natürlich sind Filme dieser schon sehr eigene Bauart immer irgendwo Unsinn, aber das kann man durchaus charmant, spannend und vor allem unterhaltsam gestalten. Hier geht es nicht zwangsläufig um Logik & Glaubhaftigkeit, solange das Szenario seinen Entertainment-Anspruch erfüllt und das Publikum im Idealfall zum heiteren Miträtseln motiviert. Das hier hat aber mehr den Vibe eines drittklassigen Krimidiners, bei dem weder der Fall, noch die Figuren und erst recht nicht die Pointe irgendwie interessant wirken. Wenn wenigstens das Essen schmeckt, okay, aber hier gibt es leider nichts zu futtern und man muss mit dem Erzählten vorliebnehmen. Und davon wird man unmöglich satt. Das ist ganz weit weg von spannend und nichts an der Auflösung auch nur annährend mit einem echten Aha-Faktor versehen. Außer dass man sich darüber wundert, wie viele Figuren hier rückwirkend eigentlich nichts Relevantes besitzen. Ja, um falsche Fährten zu legen ist das vielleicht verständlich, aber viel sinnvoller wäre es doch, jeder Figur wirklich irgendetwas zu geben, anstatt so faul zu sein, sie schlicht ins komplette Leere laufen zu lassen. Als Krimi versagt das Ding somit schon mal auf ganzer Linie, aber vielleicht geht da was in Richtung Comedy?

Und damit wären wir bei Zweitens: Wenn man schon einen begnadeten Komiker wie Bastian Pastewka hat - der sich wie bereits erwähnt nachhaltig etabliert hat, indem er über echtes komödiantisches Talent verfügt und nachweißlich ein Fan klassischer Filmkomödien ist -, warum verheizt man ihn für eine Rolle, die praktisch jeder x-beliebige Hansel so verkörpern könnte? Pastewka ist kein Benoit Blanc, aber was für ein genialer Inspektor Clouseau könnte er sein? Verblüffend, dass man dieses Potential überhaupt nicht ausschöpft und bis auf ein paar wahrnehmbaren Nuancen von Situationskomik passiert hier auch praktisch nichts Komisches! Wie kann man das denn ernsthaft außenvorlassen? Es spricht für ein bedauerliches Maß an Fehlkalkulation, die wohl darauf ausgerichtet war, dass die halbherzige Variation der bekannten Schablone schon funktionieren würde. Wie kläglich das scheitert, ist spätestens beim sehr schwachen Showdown abzulesen. Aber wohl nicht das, sondern höchstens sehr geringe Aufrufzahlen oder übermäßig negatives Feedback (bitte, gerne geschehen) können uns noch vor einer Rückkehr von Fabian Kurtz bewahren. Grundsätzlich hat jeder eine zweite Chance verdient und mit den nötigen Anpassungen ist speziell Bastian Pastewka dieses Konzept durchaus zuzutrauen, aber bitte nicht wieder so.

Fazit

Hätte man die Knives Out-Blaupause bloß nicht so lahm, hanebüchen und lieblos auf TV-Krimi-Niveau vor die Füße gerotzt und hätte man nur annährend das komödiantische Talent seines Hauptdarstellers auch nur tangiert, vielleicht hätte (das dritte "Hätte" in diesem Satz, aber was soll man da auch machen?) das wirklich nicht nur ein netter Zeitvertreib, sondern sogar der vielversprechende Start eines ganzen Franchise werden können. Was nicht heißt, das und Folgefilme erspart bleiben. Aber wenn die nicht zwingend besser werden, steht uns jede Menge Zeitverschwendung ins Haus.

Autor: Jacko Kunze
Diese Seite verwendet Cookies. Akzeptieren.