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Berlin. 80er Jahre, vor Fall der Mauer. Die Insel der Glückseligkeit - alles ist möglich: Hippies, Rock 'n Roll und vor allem Punk. Der junge Robert flieht aus der Muffigkeit der Kleinstadt und vor dem Hippie-Wahn seiner Lehrer, rein in die Welt der Freiheit, des Sexes, der Drogen und der schrägen Gestalten, eben nach West-Berlin.

Kritik

Die 80er Jahre waren in Deutschland eine durchaus spannende Zeit. Regisseur Oskar Roehler („Jud Süß - Film ohne Gewissen“ (der Teil hinter dem Bindestrich ist wichtig!)) weiß das; er war dabei. Die Teilung Deutschlands neigte sich ihrem Ende zu, Tschernobyl brachte eine komplett neue Form der Aufmerksamkeit auf die Energiegewinnung und Umweltzerstörung (was Roehler in der letzten Szene lakonisch karikiert, dazu später mehr), die Menschen trugen Klamotten, für die sie sich heute noch schämen und formten allerhand Bewegungen bei, um ihre Selbstverwirklichung abseits des Staates, diesem ollen Fascho-Regime, durchzusetzen. Es war spannend, weil viel los war und man dem Leben viel vorwerfen konnte, nicht aber etwa Langsamkeit oder Steife. Das sieht mittlerweile ein wenig anders aus.

In seinem nunmehr dreizehnten Spielfilm versucht Roehler sich dieser vergangenen Zeit zu nähern, die auf die Jugend, die später geboren ist, immer mit einer gewissen Faszination und Verachtung auf diese Dekade blickt - es mag das gleiche bei den Menschen sein, die damals schon gelebt, geliebt und gelitten haben. Roehlers Film mag auch beide Komponenten in sich vereinen, jedoch bloß sekundär. Primär nämlich scheint der Film als ein Bindeglied zwischen Satire und Groteske funktionieren, der sein Sujet wie eine durchzechte Nacht angeht, bei der man allerhand verrückte Sachen gemacht hat und leider nicht genug gesoffen hat, um sich nicht mehr daran zu erinnern. Hauptsächlich scheint er sich nämlich über die Zeit und all ihre Erscheinungen lustig zu machen.

Tod den Hippies!! Es lebe der Punk“ nimmt sich der Verwirrung, der blinden Radikalität und der blinden Verachtung gegen alles und jeden an und steckt die Thematik in ein teilweise grotesk übertriebenes Korsett des geschmacksübertretenden Humors. Auch wenn der Film ansatzweise zeigt, dass die blinde Wut, der Exzess, der radiative Hass eben wegen seiner vagen Richtung irgendwann zurückstrahlt und sich gegen den Menschen selbst richtet, scheitert er letztendlich an der Hürde, derartigen Inhalt zu vertiefen und den Ernst mit dem absurden Humor einiger Szenen in Einklang zu bringen. Es gibt nämlich grenzenlos unnötige Szenen und dann gibt es wieder diese Momente, die an Genialität grenzen. Zum Beispiel, es wurde oben angedeutet, wenn in Ägypten mehrere Behälter radioaktiven Mülls achtlos in die Wüste geschmissen werden und Schwarz sagt, wie schön das Leben doch sei. Ein Gleichgewicht findet der Film jedoch nie und so führt die Mische dazu, dass entweder die ruhigen oder die spaßig gedachten Szenen stets als störend empfunden werden, weil durch das Hinundher nie ein Profil entsteht, das dem Film so richtig stehen mag.

Mal ist der Humor da, wenn zum Beispiel Hiebe auf die Popkultur ausgeteilt werden und selbst deutsches Kunst-Kulturgut wie Rainer Werner Fassbinder ("Die Ehe der Maria Braun") sein Fett weg kriegt oder de facto jede gesellschaftliche Gruppierung in einem Rundumschlag als eigentlich bescheuert dargelegt wird. Der eigentlich stets faszinierende Frederick Lau („Victoria“) schreit hier eigentlich bloß Obszönitäten in das Mikrofon. Tom Schilling, der mit „Oh Boy“ einen durchschlagenden Erfolg verbuchen konnte, beschränkt sich auf den gleichen Blick des Verlorenseins, den er auch in genanntem Film schon vorweisen konnte und Ochsenknecht offspringWilson Gonzalez ist so schrecklich, dass die anderen Kandidaten mehr als solide wirken. Das hilflose Gebrüll von Laus Figur und der hilflose Versuch der Schauspielerei von Ochsenknecht sind aber doch irgendwie bezeichnend für diesen Film, der zwar laut und grell ist und seine Klappe oft weit aufreißt, aber dann, wenn es ans Eingemachte geht, etwas kleinlaut in eine dunkle Ecke geht, um nicht weiter aufzufallen.

Fazit

Mit „Tod den Hippies!! Es lebe der Punk“ hat Oskar Roehler sicherlich einen irgendwie anderen Film abgeliefert, der vorlauter, brachialer, ja, mutiger als der normale deutsche Auswurf der Kino-Landschaft daherkommt. Die Frage, ob der Film auffalle, kann man also getrost mit „ja“ beantworten. Sobald die Frage sich jedoch darauf bezieht, ob der Inhalt dem Vordergrund gerecht wird, muss man „nein“ sagen. Die Sehnsucht der Jugend findet oft Anklang und ist de facto auch Thema des Films, aber wirklich behandelt wird dies nicht. Dazu fällt der oftmals aufgezwungene Humor negativ auf, weil er den Rhythmus des Films teilweise massiv stört und mit der Zeit keinerlei Steigerung erfährt, sodass der Streifen auch immer weiter an Esprit verliert. Schade eigentlich.

Autor: Levin Günther

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