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Eine Stunde noch, dann neigt sich auch diese Nacht in Berlin wieder dem Ende zu. Vor einem Club lernt Victoria, eine junge Frau aus Madrid, vier Berliner Jungs kennen - Sonne, Boxer, Blinker und Fuß. Der Funke zwischen ihr und Sonne springt sofort über, aber Zeit füreinander haben die beiden nicht. Sonne und seine Kumpels haben noch etwas vor. Um eine Schuld zu begleichen, haben sie sich auf eine krumme Sache eingelassen. Als einer von ihnen unerwartet ausfällt, soll Victoria als Fahrerin einspringen. Was für sie wie ein großes Abenteuer beginnt, entwickelt sich zunächst zu einem verrückten euphorischen Tanz - und dann schnell zum Albtraum. Während der Tag langsam anbricht, geht es für Victoria und Sonne auf einmal um Alles oder Nichts...

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Kritik

Ungefähr eine Stunde lang ist "Victoria" einer der besten deutschen Filme seit langer Zeit. Wir beobachten die titelgebende Protagonistin (Laia Costa) dabei, wie sie sich nach dem Verlassen eines Berliner Techno-Clubs einer Bande junger Männer anschließt. Es wird getrunken, geraucht, in gebrochenem Englisch gelallt. Fremde Autos erklettert, ein Spätkauf besucht. Hin und wieder streift ein Polizeiauto vorbei. Die Kamera klebt an Victoria, wie sie zuerst unsicher und dann immer zuversichtlicher Teil einer eingespielten Gruppendynamik wird und mit "Sonne" (Frederick Lau) anbandelt. Was mit unbeholfenen Annäherungsversuchen in der Hoffnung auf einen möglichen One-Night-Stand beginnt, entwickelt sich von Minute zu Minute weiter - bis beide an einem Klavier landen und die Geschichte von "Victoria" (zumindest dieser erste Teil von ihr) ihren emotionalen Höhepunkt erreicht.

Bis zu diesem Zeitpunkt macht "Victoria" so gut wie alles richtig. Ein Umstand, der bemerkenswert ist, wenn man die im Grunde sehr schlichte Story bedenkt. Letztendlich beobachtet der Zuschauer nur eine Gruppe Berliner Schnauzen und ein schüchterndes Mädchen, die durch das nächtliche Berlin streifen – und eine in deren Mitte entstehende (oder eher: sich zart anbahnende) Liebesgeschichte. Das ist genau so simpel wie es klingt, entwickelt durch seine Authentizität aber einen faszinierenden und quasi unwiderstehlichen Sog. Der letzte Film, der mich in so einem Maße hat glauben lassen, dass diese Charaktere wirklich existieren, ist "Blair Witch Project" - ein Film, der zu lange zurückliegt und zu anders ist, als dass ich ihn weiterhin zum Vergleich heranziehen möchte. Aber beide Filme teilen sich dieselbe Stärke: Sie haben glaubwürdige, ehrliche, echte Charaktere, die nachvollziehbare Entscheidungen treffen. Kurz: Charaktere, die durch und durch menschlich sind.

Eine Tragikkomödie also? Ein Film, der einen unverfälschten, authentischen und am Ende sehr emotionalen Blick auf das Berliner Nachtleben wirft? Bis zu ebenjener Klavier-Szene ist "Victoria" genau dieser Film und er ist großartig. Aber dann passiert etwas. Ich weiß nicht, ob der/die Trailer diesen Twist bereits vorweggeben, da ich sie nicht gesehen habe. Vielleicht ist er ja neben der One-Take-Chose die eine große Angelegenheit ist, über die bereits jeder spricht, aber ich habe mich im Voraus von Details ferngehalten. Durch das was dann passiert, geht genau das verloren, was die erste Stunde von "Victoria" so hervorragend gemacht hat: Authentizität. Aus der sympathischen Tragikkomödie wird ein Crime-Thriller (oder besser: soll werden). Sämtliche Stirnen werden in Falten gelegt, der seichte Suff-Talk weicht finsteren, hyperseriösen Dialogen. Hinter dem Tresen eingeschlummerte Spätkauf-Inhaber werden von vulgären Gangster-Bossen abgelöst. In "Victoria" geht es nicht mehr um Alkohol und Liebe, sondern um Leben und Tod.

Ein harter, aber natürlich gewollter Stilbruch. Es gilt zu schocken und das Feel-Good-Thermostat auf niedrigste Stufe herunterzukühlen. Ob es nun die plötzliche Wendung, die zunehmend ausgelaugten Darsteller oder ganz einfach das Thriller-Genre an sich ist – plötzlich funktioniert der Film nicht mehr. In seinem Bemühen, die Story in todernste Gefilde zu manövrieren, verliert "Victoria" mit jeder verstreichenden Minute an Qualität. Von nun an gilt es auf jedes worst-case-Szenario immer noch einen draufzusetzen und dabei wird der Film immer lächerlicher, immer unbegreifbarer, immer blöder. Wo sich der Zuschauer im Rahmen des erstbehandelten Genres noch genügend mit den Charakteren identifizieren konnte, werden sie durch die folgenden Ereignisse immer weiter jeder Greif- und Nachvollziehbarkeit beraubt, bis am Ende grölende Lacher durch die Berliner Pressevorführung schallten.

Es ist unmöglich über "Victoria" zu schreiben, ohne dabei auf die Kameraführung einzugehen, wo sie doch schließlich der bemerkenswerte (wenngleich unangenehm ausgestellte) Trumpf des Films ist. In einer einzigen, 140 Minuten langen Einstellung wurde der Film gedreht und dabei rauscht er unbeirrt durch ganz Berlin: Clubs, Straßen, Einfahrten, Wohnhäuser, Dächer, Tiefgaragen, Hotels. Der mit dem Planen eines solchen Drehs verbundene Aufwand muss jedem Zuschauer, egal ob ihm der Film gefällt oder nicht, den höchstmöglichen Respekt abverlangen - gleichwohl für Regisseur, Kameramann und jegliche Darsteller. Letztere sind übrigens sehr überzeugend - abgesehen von André Hennicke, der als harter Gangster-Boss reichlich bemüht und hölzern wirkt. Und letztendlich machen sich auch ein paar Zweifel ob der Notwendigkeit eines One-Takes breit: Beinahe die ganze Zeit über klebt die Kamera an Victoria, scheinbar um ihre Perspektive spürbar zu machen – bis der Film am Ende in so lächerlichen Sphären angelangt, dass selbst den Drehbuchautoren (unter anderem auch Regisseur Sebastian Schipper) wohl keine nicht-lächerlich-klingende Erklärung mehr eingefallen ist und wir plötzlich ihren Point-Of-View verlassen (Stichwörter: "Ins Hotel einchecken").

Fazit

Kurz nach dem oben erwähnten Genre-Wechsel warf ich einen Blick auf die Uhrzeit – nicht weil "Victoria" mich langweilte, sondern weil ich bereits Böses ahnte und keineswegs wollte, dass der Film sich in irgendein Schlamassel manövriert. Aber genau das geschieht. Nach schier unzähligen (vermeintlichen) Schlussszenen endet "Victoria" irgendwo im Nichts und hinterlässt den bitteren Nachgeschmack eines missglückten Thriller-Dramas - der überaus gelungene Blick auf das feuchtfröhliche Berliner Nachtleben ist dann nicht viel mehr wert, als die schönen Gedanken, die man sich macht, bevor man in einen tiefen Albtraum fällt.

Autor: Nikolas Friedrich

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