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Inhalt

1638 brechen Pater Sebastião Rodrigues und Pater Francisco Garrpe von Portugal ins für die westliche Welt völlig abgeschottete Japan auf, um der Wahrheit hinter den undenkbaren Gerüchten nachzugehen, dass ihr berühmter Lehrer Cristóvão Ferreira seinem Glauben abgeschworen habe. Nach ihrer Ankunft erleben sie die brutale und unmenschliche Verfolgung der Christen durch die japanischen Machthaber. Angesichts der Ereignisse in einer Gesellschaft, die keine Toleranz kennt und in der der Tod an der Tagesordnung ist, stellt sich Sebastião auf seiner Reise durch das von der Gewaltherrschaft der Shogune zerrissene Land die immerwährende Frage: Wie kann Gott zu all dem schweigen?
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Kritik

Auf die Umsetzung seines jahrzehntelangen Herzensprojekts hat Martin Scorsese sich bestens vorbereitet. Als ihm 1988 ein Erzbischof eine Ausgabe von Endō Shūsakus Roman "Chinmoku" (deutsch: Schweigen) in die Hand drückte, begann für den Meisterregisseur ein langer Leidensweg zur Realisierung des Films: Probleme bei der Finanzierung, unzählige verworfene Drehbuchfassungen und die ewige Suche nach einer Besetzung für die Hauptfigur, aus deren anvisiertem Alter die Kandidaten aufgrund der andauernden Verzögerungen immer wieder herauswuchsen. Aber je mehr Komplikationen die Umsetzung des Films mit sich brachte, desto inniger wurde Scorseses Wunsch ihn zu realisieren - als streng katholisch erzogener Mensch, der zugibt sein Leben lang mit seinem Glauben gerungen zu haben (und das immer noch tut), sprach die Geschichte zu ihm wie keine andere und würde ihn nicht rasten und ruhen lassen, bis er den Film auf die Beine gestellt hätte.

Ein Vorhaben, das nun endlich geglückt ist. Und dass es sich bei Silence um ein Prestigeprojekt handelt, spricht dem Film aus jedem Bild, jeder Zeile und jedem Ausstattungsdetail. Gleich in der Eröffnungsszene, in der Pater Ferreira (Liam Neeson) dabei zusehen muss, wie japanische Christen gefoltert werden, damit er seinem Glauben abschwört, legt sich eine urgewaltige Schwere über das Geschehen. Als Historiendrama erfüllt der Film seinen Anspruch an eine gewisse Form der Authentizität mit atemberaubenden Aufnahmen (was ihm seine einzige Oscar-Nominierung für Cinematography eingebracht hat), unendlichen Landschaftspanoramen und einem präzisen Gespür für Atmosphäre. Alleine schon formal ist dies ein meisterhaft gefertigter Film, dessen inszenatorisches Genie dem erzählerischen in nichts nachsteht. Ein weiterer Segen für das Projekt ist die Besetzung von Andrew Garfield, der trotz seines jungen Alters der Komplexität und Zerrissenheit des jungen Paters Rodrigues gewachsen ist. Die White-Washing-Vorwürfe (alle portugiesischen Priester werden im Film von amerikanischen Darstellern verkörpert), ist dabei wie so oft Teil einer ganz anderen Diskussion.

Das Herz des Films und der entscheidende Beitrag zu dessen Gelingen, ist aber erst das von Scorsese und Co-Autor Jay Cocks verfasste Drehbuch. Eine so komplexe Geschichte mit so unendlichen Dimensionen, droht nichts als eine rein lehrfilmhafte Qualität auf die große Leinwand zu bringen. Und ja, Silence ist durchaus ein Film, der das Akzeptieren einer gewissen Langatmigkeit als Teil der Filmerfahrung voraussetzt. Wem dies aber gelingt, der wird mit einem mitreißenden, thematisch hochspannenden Epos entlohnt, das ganz im Sinne eines Scorsese-Films bereits heftige Diskussionen losgetreten hat. Der Aufschrei ist groß: Silence ist ein Film, der sich nur für seine weiße Hauptfigur interessiert! Das Leiden der japanischen Christen um Pater Rodrigues herum ist nie nur deren Leiden allein, sondern muss immer auf ihn zurückprojiziert werden, um einen tobenden Gewissenskampf zu rechtfertigen. Und für den Horror des portugiesischen Kolonialismus scheren Scorsese und Cocks sich erst recht nicht.

Nicht aber, weil Silence seinen Protagonisten zu einem white savior machen möchte, sondern weil er wie viele Scorsese-Filme vor ihm dessen meisterhafter Strategie des subjektiven Erzählens unterliegt. Die Welt des Films, wie wir sie in ausladenden 162 Minuten zu sehen bekommen, ist auf den Blick einer Figur beschränkt, deren Hingabe zu ihrer Mission eine absolute und daher im höchsten Maße engstirnige ist. Alles was wir sehen, sehen wir durch die Augen von Rodrigues, und da dies ein eingeengter, unsachlicher Blick ist, aber nicht zwingend der eines Bösewichts, werden wir einmal mehr von Scorsese dazu verführt, die Abbildung dieser Welt zugleich als Befürwortung ihrer selbst zu verstehen - nur um dann am Ende genau wie Rodrigues unsere Arroganz vor Augen geführt zu bekommen. Es ist eine brillante Form des Erzählkinos, eben weil sie so zutiefst unbehaglich ist und uns zu einer Auseinandersetzung mit der eigenen Wahrnehmung zwingt. Anders als noch bei The Wolf of Wall Street, der den Zuschauer mit reichlich energetischem Witz auf die Seite seiner schurkischen Figuren ziehen wollte, ist es dieses Mal unser emotionaler Einsatz in das Geschehen, den Scorsese für falsche Zwecke in­s­t­ru­men­ta­li­sie­rt - und damit klare Archetypen von Gut und Böse erschafft, die er später noch unterlaufen wird.

Fazit

Mutig, zermürbend, im bestmöglichen Sinne anstrengend: "Silence" ist ein gewaltiger und großartiger Film, der schwere Fragen stellt und keine einfachen Antworten gibt. Mit Martin Scorsese ist also auch im Jahr 2017 noch zu rechnen.

Autor: Nikolas Friedrich

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