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Joel Barish (Jim Carrey) und Clementine Kruczynski (Kate Winslet) sind ein äußerst gegensätzliches Paar. Er ist zurückhaltend und geordnet, sie ist das krasse Gegenteil. Doch trotzdem (oder gerade deshalb?) funktionierte diese Liaison über zwei Jahre lang mit kleineren Hochs und Tiefs wunderbar. Doch dann, eines Tages, trennt sich Clementine nach einem Streit plötzlich von Joel. Er verkraftet die Trennung nicht und beschließt kurzerhand, Clementine bei der Arbeit aufzusuchen, um sie um eine letzte Chance für die gemeinsame Zukunft zu bitten. Doch Clementine verhält sich bei Joels Besuch äußerst merkwürdig. Zunächst benimmt sie sich so, als würde sie ihn überhaupt nicht kennen und dann muss er noch beobachten, wie sie mit dem einige Jahre jüngeren Patrick (Elijah Wood) innige Küsse austauscht...
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Kritik

Es zu versuchen ist eine Form natürlicher Verarbeitungsprozesse, kurzfristig wünscht es sich sicher jeder akut Betroffene. Gelingen mag es niemals, zumindest nicht mittelfristig oder gar endgültig. Und das ist auch gut so. Doch was wäre wenn…? Wenn uns wie durch Zauberhand über Nacht der ganze Schmerz genommen werden könnte, weggewischt wie ein böser Traum, der mit dem Erwachen nach einem tiefen Schlaf maximal nur noch ein verblasstes, irreales Gefühl ist, das wir nicht mehr einordnen können? Nach spätestens 5 Minuten nicht mehr zu rekapitulieren wird es verschwinden. Hallo Welt, hier bin ich…aber wer war ich?

Eigentlich nur logisch, das Mitte Februar – pünktlich zum Valentinstag - die Praxis von Dr. Mierzwiak (Tom Wilkinson, Snowden) aus allen Nähten platzt, betrachtet man seine einzigartige Dienstleistung. Verwunderlich dennoch, denn durch Mund-zu-Mund-Propaganda kann sein florierender Betrieb nicht funktionieren. Wer hier erfolgreich „therapiert“ wurde, wird keine lobenden Worte darüber verlieren können, sonst wäre etwas gehörig schief gelaufen (Stammkunden gibt es offenbar trotzdem, aber gut, das System ist nicht lückenlos). Auf Wunsch werden hier Erinnerungen  - bevorzugt romantischer Natur - bis zum Ursprung komplett ausradiert. Der einst deprimierte Klient erwacht friedlich in den heimischen Federn und ist sich bei akkurater Ausführung nicht mal bewusst, dass irgendetwas geschehen ist. Im Idealfall nun glücklicher und bereit für eine neues Leben, mit für ihn unerklärlichen Gedächtnislücken, wenn es überhaupt auffällt. Eine feine, eine einfache Kiste, nur leider ohne Umtauschrecht. Sogar wenn es noch während der laufenden Behandlung zur Anwendung kommen soll. Ein Dreikampf mit ungewissem Ausgang: Technik vs. Humanität vs. Schicksal, wer wird obsiegen oder kommt es gar zum (nicht akzeptablen) Unentschieden?

Ausnahme-Autor Charlie Kaufmann (Synecdoche, New York) entwirft ein leicht philosophisches, in erster Linie jedoch einfach brillant konstruiertes und erzähltes Gedankenspiel über ein menschliches Bedürfnis, das plötzlich nicht mehr als eine Auftragsarbeit ist und liefert gleichzeitig den Beweis dafür, warum es nie dazu kommen darf. Jede Erinnerung ist kostbar, die Schmerzlichen vielleicht sogar mehr. Sie formen uns, sie prägen uns und lassen uns aus Fehlern lernen. Sollten sie verloren gehen, geht ein wichtiger Teil von uns auf Nimmerwiedersehen dahin. Die wichtigste Lehre daraus: Wenn wir etwas so verzweifelt versuchen zu vergessen, ist es meistens begründet auf viel schöneren Erfahrungen und nur behaftet von damit einhergehenden Enttäuschungen. Ändern würde bestimmt jeder gerne dieses oder jenes. Aber alles verwerfen, den feigen Weg des Reset-Schalters nutzen, das kann nicht die Lösung sein. Das begreift auch Joel Barish (Jim Carrey, Der Mondmann), nur leider zu spät bzw. mitten im laufenden, nicht mehr zu stoppenden Prozess. Es bleibt nur noch die verzweifelte Flucht nach vorn…oder zurück…oder kreuz und quer…Hauptsache in das Wurmloch des eigenen und ihren Geistes, dass ein letztes, spekulatives Hintertürchen lässt.

Das rührende wie spannende Memory-Mikado von Michel Gondry (Abgedreht) vereint verschiedenste Stilrichtungen und Einflüsse zu seinem ganz eigenen Konstrukt. Theoretisch ließen sich hier Parallelen von Uhrwerk Orange bis zu Memento (oder gar den viel später erschienenen Inception) ziehen, etwas Butterfly Effect und Blue Valentine (zeitgleich oder auch später veröffentlicht) lassen grüßen, die verschiedenen Genres kreuzt Vergiss mein nicht! trotz seines komplexen Scripts mit spielerischer Leichtigkeit, als wenn es ganz selbstverständlich wäre. Science-Fiction, Tragikomödie, Romanze und sogar eine Prise Film Noir-Thriller vermengen sich zu einem wagemutig erdachten und in seinem Wesen doch schlicht begriffenen und großartig umgesetzten Produkt: Einem Liebesfilm, wie er schöner, grundlegend wichtiger und reflektierter kaum sein könnte. Die Höhen und Tiefen im verschwurbelten Gefühls-und-Erinnerungs-Chaos schaffen ein Plädoyer gegen das Vergessen und den Glauben an das, was oft so hoffnungslos romantisch-kitschig erscheint. Richtig angepackt nennt sich so was: Vergiss mein nicht!

Fazit

Eine kreative, praktisch wie theoretisch clever umgesetzte Idee für Herz und Hirn. Vergiss mein nicht! kann wohl nur nicht wirken, wenn man nie geliebt hat, nie vergessen wollte und es nicht bereut hätte, die hier praktikable Option zu ziehen. Wir wären nicht so wie wir sind. Verlust und der Umgang damit gehören dazu, sind wichtig, sogar unabdingbar. Sollte es so was wie Schicksal oder wahre Liebe geben, dann findet sie eh ihren Weg. Was jetzt total kitschig klingt, ist im Kontext dieses Films eine herzlich durchdachte und formidable umgesetzte Quintessenz.

Autor: Jacko Kunze

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