{{ tweet.login }}

{{{ tweet.body | format }}}

Wird geladen...

×
×

Erwähnungen

×

Benachrichtigungen

Verfügbar auf

Maxdome Netflix Amazon prime

Inhalt

Noch lange bevor die Gebrüder Nolan mit Filmbudgets nur so um sich werfen durften, machte Regisseur Christopher vorher nur mit seinem Debüt „Following“ von sich Reden. Beflügelt von guten Kritiken ging er schon sein nächstes Projekt an, das er dieses Mal zusammen mit seinem Bruder Jonathan realisierte, welcher in „Memento“ für das Drehbuch verantwortlich war. Im Grunde ist der Streifen ein solider Rachethriller, aber sehr ungewöhnlich in der Erzählweise und dem damit verbundenen Handicap, das auf der Hauptfigur lastet.

  • W780
  • W780
  • W780
  • W780
  • W780
  • W780
  • W780
  • W780
  • W780

Kritik

Leonard Shelby (Guy Pearce) war einst Versicherungsermittler, bis eine verhängnisvolle Nacht sein Leben grundlegend verändern sollte. Zwei Einbrecher vergewaltigen und ermordern seine Frau. Einen der beiden kann Leonard erschießen, der andere überrascht ihn jedoch und schlägt ihn nieder. Fortan hat Leonard mit dem Verlust des Kurzzeitgedächtnisses zu kämpfen. Er braucht Fotos, Notizen und Tattoos, um seinen Alltag zu beschreiten, und getrieben von Rache scheint sein Streifzug gegen den Mörder seiner Frau in diesem Zustand ein unmögliches Unterfangen zu werden…

Man nehme eine chronologische Linie, klappe sie in der Mitte um, schneide alles in gleiche Teile und baue daraus einen Reißverschluss. Ich weiß jetzt nicht, ob sich das gut anhört, aber anders kann man den Aufbau der Geschichte nicht beschreiben. Man wird jedenfalls eine sehr experimentelle Art des Erzählens erfahren. Die Aufspaltung der beiden Hälften in Farbe sowie Schwarz-Weiß hilft dabei sehr, dem Ablauf überhaupt noch folgen zu können. Während die farbigen Sequenzen ständig nach hinten springen und letztlich noch den Beginn der vorherigen zeigen, haben es die farblosen deutlich einfacher. Man wird in den ersten Minuten spürbar verwirrt sein, aber sobald sich das Muster zu erkennen gibt, entfacht das Werk eine neuartige Faszination.

Es ist dadurch äußerst interessant, wie der Handlungsstrang durch diesen Kniff seine Bedeutung verändert. Man sieht schon in der ersten Szene, dass Leonard seine Rache vollziehen kann, was die Vermutung nahelegt, dass die Spannung dadurch sofort verloren ginge. Aber kann „Memento“ in den Nebengeschichten seinen Überraschungseffekt auspacken. Der Zuschauer wird immer wieder auf Leonard´s vermeindlichen Kumpel Teddy oder die verwegene Natalie treffen, welche dafür sorgen, dass die Geschichtchen in der Geschichte gerade wegen der Erzählweise den ein oder anderen Aha-Effekt parat halten. Bleibt dann nur noch der Schluss übrig, der ziemlich genau mittendrin aufhört. Damit wird der Betrachter dann auch zurückgelassen und der Abspann rollt über den Bildschirm.

Genau hier fängt dann wohl die Fragerei an. Wollen wir einmal die außergewöhnliche Erzählung beiseite schieben und uns rein analytisch ranwagen, bleiben doch etliche Baustellen offen. Man weiß einfach nicht, wie Leonard in das Hotelzimmer gelangt ist, und die Zeit zwischen diesem und dem Moment der Ermordung seiner Frau wird kaum abgehandelt. Leonard scheint sich nicht mehr in San Francisco zu befinden, sondern in einer kleineren Stadt, und man fragt sich, ob er nur zufällig dorthin gelangte oder sich die Spur in seinen üblichen kleinen Häppchen zusammengebastelt hat. Warum sich Leonard den schwafelnden Teddy instinktiv als Ziel notiert, wird dabei auch nur am Rande erklärt, und so wird auch der Zuschauer schnell das Opfer von Leonards „Zustand“. Den wahren Beweis in Bildern oder Dialogzeilen bleibt das Nolan-Gespann durchgängig schuldig, aber vielleicht war genau dies so beabsichtigt. Also darf man sich berechtigterweise fragen, ob man nun nur Zeuge von Leonards verworrener Realität geworden ist, oder ob man respektvoll die Zunge schnalzen soll, dass der Rächer trotz seines Handicaps den Fall gelöst hätte. Handelt er also instinktiv, kann sich während seiner 15 Minuten Erinnerungsvermögen den Fall selbst zusammenfügen? Es bleibt jedenfalls immer diese Dualität offen und wird auch entsprechend kommentiert. Und als er den Abzug drückt, steht die Frage im Raum, ob Teddy nun der gesuchte Mörder seiner Frau ist oder wirklich der von ihm erwähnte Undercover-Polizist.

Ja, viel Stoff zum Diskutieren – aber zum Glück muss man das nicht auf die Schauspielerleistung ausweiten. Mit dem Cast wurde durchgängig alles richtig gemacht. Nachdem Guy Pearce in „LA Confidential“ schon ein dickes Ausrufezeichen setzen konnte, war „Memento“ ein weiterer ordentlicher Karriereschub für den gebürtigen Australier. Man lebt förmlich seinen Zustand mit, der auch drehbuchtechnisch darauf ausgelegt worden war. Er hatte also viel Verantwortung in dem Streifen zu tragen, die er aber locker stemmen konnte und seinem Chamäleon-Image alle Ehre machte. Auch die Nebenrollen sorgen für das gewisse Ambiente, so dass Joe Pantoliano den schmierigen Teddy toll verkörperte und Carrie-Ann Moss mal abseits der Matrix einen bodenständigen Eindruck hinterlassen konnte.

Wem dieser Film irgendwie zu wirr geworden ist, darf sich auf DVD/Blu-Ray über ein verstecktes Feature freuen. Wird dieses aktiviert, kann man sich den Film auch in chronologisch richtiger Reihenfolge anschauen, so dass die Handlung in klassischer Weise abläuft.

Fazit

„Memento“ macht keinen Hehl daraus, dass man sich auf ein zwiespältiges Ereignis einlassen muss. Der zerhackstückelte Aufbau und die vielen Fragen, die offen bleiben, bieten viel Grund zum Diskutieren, aber genau das will der Film auch damit erreichen. Mit einem genialen Guy Pearce wird man schnell in diese Welt des Vergessens hineingezogen. Somit war dem Nolan-Gespann ein Durchbruch gelungen, der klassische Erzählstrukturen fulminant durchbrach und Hollywood in neue Bahnen lenkte.

Autor: Sascha Wuttke

Wird geladen...

×