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Obwohl er angibt, gar nicht zu wissen, wie man komisch ist, reißt Andy Kaufman nach einigen Anlaufschwierigkeiten in kleinen Clubs das Publikum zu Lachstürmen hin. Doch ihm geht es darum, lediglich eine Reaktion vom Publikum zu erhalten, es zu stimulieren, sei es nun positiv oder negativ. Mit dieser Einstellung verblüfft und verstört er immer wieder Zuschauer, Manager und Verantwortliche...

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

If you believed they put a man on the moon...

Kürzlich stellte der Streamingdienst Netflix die wundervolle Dokumentation Jim & Andy: The Great Beyond zur Verfügung, in der sich Regisseur Chris Smith äußerst ausführlich damit beschäftigte, in welchem Verhältnis Jim Carrey (Die Truman Show) mit dem (Nicht-)Komiker Andy Kaufman (Taxi) stand. Herausgekommen ist dabei nicht nur ein Blick in die Extreme des Method Acting, sondern auch ein Diskurs über die Fesseln der eigenen Starpersona und ein berührendes wie bedrückendes Psychogramm, welches einen Jim Carrey dokumentierte, der durch einen umfassenden Persönlichkeitswechsel versuchte, sein wahres Ich vollständig auszulöschen. Aber entsprechen jene Bilder auch der Wahrheit, die uns Jim & Andy: The Great Beyond präsentierte? Oder lebt der Geist des Andy Kaufman auch hier im erzählerischen Konzept weiter, indem die Täuschung gezielt keiner Auflösung entgegenarbeitet?

Eine Vermutung, die, hat man sich weitreichend mit dem kontrovers rezipierten Andy Kaufman auseinandergesetzt, natürlich auf der Hand liegt. Und ein Konzept, welches sich ja auch als diskussionswürdiger Meta-Kommentar anbietet. Kein Wunder also, dass sich der famose Der Mondmann von Milos Forman (Einer flog über das Kuckucksnest) bereits im Jahre 1999 diesem mal mehr, mal weniger offensichtlich bediente. Die großen Pointen der Irreführung warten hier indes im letzten Drittel des Films, wenn sich die mehr als nur kinotaugliche Geschichte ihrem Ende neigt. Wenn Andy, der von einer herausragenden Performance seitens Jim Carrey zurück ins Leben geholt wird, seinen Freunden die Hiobsbotschaft überbringen muss, an einer seltenen Form von Krebs erkrankt zu sein. Schon hier stellt sich die Frage: Stimmt das? Oder erklimmt seine (künstlerische) Rücksichtlosigkeit eine neue Ebene?

Bis wir an diesen Punkt gelangen, erweist sich Der Mondmann als hervorragendes, aber niemals altbackenes Erzählkino. Den traditionellen Erzählprinzipien der Leinwand-Biographie durchaus zugewandt, gelingt es Milos Forman dennoch, seinen Stoff niemals als steifes, lexikalisches Abklappern von Fakten und Lebensstationen zu verkaufen. Was letztlich vermutlich schon in der Natur der Sache begraben liegt, erweist sich Andy Kaufman doch als eines der letzten großen Mysterien innerhalb einer Branche, die sich so gläsern gibt, dass Geheimnisse, Spekulationen und Mutmaßungen hier überhaupt keinen Platz mehr für sich beanspruchen können. Oder beanspruchen dürfen. Das Unerklärliche, welches immer im Programm von Andy Kaufman mitschwingen sollte, ebenso wie das Unerwartete, ist ein Reiz, den Kaufman verstand, erfolgreich als Marke zu verkaufen. Ob es seinem Publikum letztlich gefallen hat, sei dahingestellt. Herausgefordert allerdings wurde es nach Strich und Faden.

Legendäre Auftritte von Kaufman, wie zum Beispiel seine Wrestling-Kämpfe gegen Frauen, komplette Buchvorlesungen auf der Bühne oder Wiederbelebungen von Damen älteren Semesters, die während seiner Darbietungen an Herzversagen zusammenklappen, mögen ihren künstlerischen Wert erst einmal verschließen, Der Mondmann allerdings erweist sich als Appell an die Freiheit der Kunst und findet im Anti-Humor des Andy Kaufman eine zutiefst subversive Vision, die Mechanismen der Unterhaltungsmaschinerie gegen den Strich zu bürsten. Andy Kaufman vertrieb sein Publikum aus der eigenen Berieselungskomfortzone. Er hielt seinem Publikum den Spiegel vor, erzwang Reaktionen, nötigt sie zum Handeln. Das muss man nicht befürworten, Andy Kaufman war, ist und wird immer gewöhnungsbedürftig sein, ihn und sein Schaffen jedoch als hirnrissige Zuschauerverachtung darzustellen, ist ein fehlgeleiteter Ansatz.

Glücklicherweise arbeitet sich Der Mondmann nicht daran ab, das Mysterium Andy Kaufman zu entschlüsseln. Psychologisierungen verlaufen subtil und zurückhaltend, man merkt Milos Forman durchaus an, dass sein Respekt vor der Vorlagen-gebenden Persönlichkeit immens war. Der Mondmann gesteht seiner Hauptfigur jedwede Ambivalenzen zu, er scheut sich nicht davor, die inneren Dämonen des Andy Kaufman anzusprechen, gibt dem Charakter aber den nötigen Freiraum, den dieser braucht, um sich und seine Eigenarten vollends zu entfalten. Und dort kommen wir wieder auf Jim Carrey zu sprechen, seinerzeit im Abgrund des Method Acting versunken. Seine Darstellung gehört, zweifelsohne, zu den besten Darstellungen seiner Karriere sowie den eindrucksvollsten Performances der 1990er Jahre. Mit welcher Pointierung Carrey es gelingt, vollends hinter Andy Kaufman zu verschwinden, mit ihm zu verschmelzen, und seinen Facettenreichtum zu wahren. Imponierend und berührend.

Fazit

"Der Mondmann" zählt nicht nur zu den besten Auftritten von Jim Carrey, er darf sich auch gerne als einer der besten Filme der 1990er Jahre beschreiben lassen. Wie es Milos Forman hier gelingt, nicht nur Andy Kaufman ein Denkmal zu setzen, sondern auch eine Hymne auf die freie Kunst anzustimmen, die sich gleichwohl nicht in verklärte Bahnen lenkt, ist eine Wohltat. Ohnehin bleibt "Der Mondmann" letzten Endes ein wunderbarer Diskurs darüber, inwiefern es dem Konzept der Komik erlaubt ist, den Witz in die Stille zu verlagern. In jedem Fall ist der Film es wert, über ihn nachgedacht zu werden.

Autor: Pascal Reis

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