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Inhalt

McMurphy ist ein krimineller gesellschaftlicher Außenseiter. Mitte dreißig, ehemaliger Korea-Kämpfer, wegen Ungehorsam aus der Armee entlassen, wird er wegen Schlägereien, Notzucht und Trunksucht in eine Strafanstalt eingeliefert. Von dort aus läßt er sich mit einem Trick zur Beobachtung in eine psychiatrische Anstalt überweisen. In die graue Welt einer anonymen Heilanstalt wird McMurphy eines Tages eingeliefert. Er findet dort ein unmenschliches System vor, das seine hilf- und willenlosen Patienten in "Chronische" (schwere Fälle) und "Akute" (leichte Fälle) aufteilt. Eine despotische Oberschwester unterdrückt mit einer Schar brutaler Wärter jede individualistische Regung. Der Zustand der Kranken wird mit pharmazeutischen Mitteln oder Elektroschock-Therapie "behandelt" und dadurch noch weiter verschlechtert. In diesem System muß McMurphy wie ein Katalysator wirken ... er stellt das System der Irrenanstalt in Frage und wiegelt die Insassen auf.

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Kritik

Einer flog über das Kuckucksnest“. Jack Nicholson. Oscar für Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller, Beste Hauptdarstellerin und Bestes Adaptiertes Drehbuch. Big Five. Das sind alles Dinge, die man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen muss, bevor man sich an diesen Film heranwagt. Der einzigartige Nicholson erwähnt immer mal wieder gerne mit seinem ikonischen Lächeln, dass der Film zudem damals der erfolgreichste Streifen an den Kinokassen war. Klar freut der Mann mit der Sonnenbrille sich da, schließlich hat er durch seinen prozentualen Anteil am Einspielergebnis ordentlich abgeräumt. Man möchte durch all diese Fakten beinahe glauben, dieser Film wäre einfach zu konsumieren, glatt, rund, unterhaltsam. 

Und auch wenn der Film unterhaltsam ist, glatt oder gar leicht bekömmlich ist hier gar nichts. McMurphy (Jack Nicholson, "Shining") möchte sich in eine psychiatrische Einrichtung einliefern lassen, um dem Zuchthaus zu entgehen. Er ist immer wieder durch Ungehorsam und unmoralische Delikte aufgefallen. Er ist ein fauler Sack, ein Tunichtgut, ein Räuber, aber psychisch krank, das ist er nicht. Und vor allem ist er, sicherlich auch bedingt durch seine Zeit als Soldat im Koreakrieg, zunächst ohne Verständnis für die Behandlung der Patienten in der Anstalt. Ihnen wird Persönlichkeit, Recht und Würde entzogen. Sie existieren, aber sie leben nicht. Sie schwelgen in einer Routine, in der sie für die Aufseher möglichst wenig Probleme darstellen. Auf die Bedürfnisse der Patienten wird kein Wert gelegt und den Patienten selber damit kein Wert zugestanden. 

Die Patienten werden als „minderbemittelt“ und damit „minderwertig“ angesehen, sie werden bevormundet und von oben herab behandelt; etwas, wogegen sich Regisseur Milos Forman („Amadeus“) klar ausspricht. McMurphy wird ebenso wie der Zuschauer behutsam an die Thematik herangebracht. Damalige gesellschaftliche Vorstellungen, wie eine derartige Einrichtung wohl bevölkert ist und aussieht, werden entlarvt und mit einem Bild der Ehrlichkeit, des Respekts und der Menschlichkeit ersetzt. Die Kritik, die Forman in den Film einfließen lässt, ist gerade in ihrer feinfühligen und unaufdringlichen Art so wirkungsvoll und überwältigend. Das Gesundheitssystem wird geschmeidig auf den Kopf gestellt, wenn McMurphy, der sich so selbstsicher war und stets als der „Normalo“ in der Irrenanstalt durchging, plötzlich zum verrücktesten Patienten gemacht wird. 

Spricht man über Filme, die nicht an Wirkung eingebüßt haben und damals wie heute ihren Standpunkt geltend machen können, so muss das Gespräch zwangsweise irgendwann auf dieses Werk gelenkt werden. Zwar hatte der Film damals einen enormen gesellschaftlichen Einfluss; er führte zu einer Debatte über die behandelte Thematik in dessen Folge unter anderem die Lobotomie als Praktik abgeschafft wurde. Aber wenn man diesen Film schaut und sich glücklich denkt, dass man in aufgeklärteren Zeiten lebt, dann muss man noch ein paar Schritte weiterdenken. Es ist noch heute so, dass man über psychische Erkrankungen eigentlich nicht reden kann. Sie sind immer noch tabuisiert. Sie werden nicht als behandelbare Krankheit angesehen, sondern als abstoßendes Etwas und der Leidtragende wird zum doppelten Opfer, weil er seinen sozialen Status verliert.

Diese Angst, der gesellschaftliche Druck wird noch auf das eigentliche Leiden gestapelt. Die reine Perversion. Über psychische Erkrankungen mit dem Arbeitgeber sprechen? Undenkbar. Der Mensch sieht sie immer noch als einzige Zutat zum Wahnsinn an. Zu schnell bekommt der Erkrankte das Stigma des Freaks, des Verrrückten auf die Stirn gepresst. Hätte Robin Williams („Good Will Hunting“) weiterhin Angebote bekommen, wäre seine Depression kein Geheimnis gewesen? Hätte ein kürzlich bekannt gewordener Pilot seinen Job behalten oder wäre er sang- und klanglos abgeschrieben worden? Die Thematik ist noch immer ein Problem und „Einer flog über das Kuckucksnest“ führt sie einem schmerzhaft vor Augen.

Fazit

Mit „Einer flog über das Kuckucksnest“ hat Jack Nicholson nicht nur finanziell ordentlich abgesahnt (woraufhin er karrieretechnisch nur noch seiner Nase nach gegangen zu sein scheint), er ist auch der Dreh- und Wendepunkt in einem gefühlvollen Meisterstück von Drama. Der tschechische Regisseur Milos Forman zeigt, wie Menschen die Identität und Emotionalität und damit die Menschlichkeit genommen wird und das alles so unaufgeregt und aufrichtig, dass die Gedanken an den Film auch nach dem Abspann noch zu Tränen rühren können. Damals wie heute brandaktuell, hat der Film nichts an Kraft einbüßen müssen und wird zurecht immer wieder als einer der besten Werke der Filmgeschichte genannt. Ganz groß.

Autor: Levin Günther

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