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27. Juni 1976 - eine Gruppe palästinensischer und deutscher Terroristen kapert die Air France Maschine 139 auf ihrem Flug von Tel Aviv nach Paris und erzwingt eine Landung in Entebbe, Uganda. Die israelischen Geiseln an Bord sollen gegen palästinensische Gefangene ausgetauscht werden. Mit einem Ultimatum von nur einer Woche muss die Regierung in Israel eine schwerwiegende Entscheidung treffen - durchbricht sie ihre bisherige Maxime, mit Terroristen nicht zu verhandeln? Es folgen 7 Tage in Entebbe, die sowohl die Politiker als auch die Kidnapper ans Äußerste bringen...

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

„Wenn du glaubst, du hast keine Wahl, dann bist du auch eine Geisel.“

Nachdem Israel 1947 von den Vereinigten Nationen zu einem eigenen Staat ernannt wurde, riefen Palästinenser auf der ganzen Welt den Kampf um den Rückerhalt ihres Landes aus. Linksrevolutionäre aus aller Herren Länder schlossen sich ihnen an, verübten Anschläge auf die israelische Zivilbevölkerung und nannten sich selbst Freiheitskämpfer, obwohl sie ganz offenkundig nach terroristischen Statuten operierten. So auch Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann, zwei Gründungsmitglieder der linksextremistischen Terrorgruppe Revolutionäre Zellen, die im Juni 1976 zusammen mit zwei Palästinensern eine vollbesetzte Passagiermaschine der Air France in Athen entführten und dieses schließlich in Ugandas Hauptstadt Entebbe zur Landung zwangen, wo die Terroristen mit freundlicher Unterstützung von Diktator Idi Amin ihre Forderungen an Israel stellten: 53 Gesinnungsgenossen sollen aus der Haft entlassen werden (darunter auch RAF-Bombenleger), ansonsten werden alle Geiseln sterben.

Der brasilianische Filmemacher José Padilha (Tropa de Elite, Narcos) rekonstruiert in seinem ersten historischen Spielfilm nun dieses düstere Kapitel der 1970er Jahre Zeitgeschichte. Dass 7 Tage in Entebbe jedoch weniger an einer steifen, mit lexikalischem Wissen hausieren gehenden Umsetzung der Vorfälle interessiert ist, akzentuiert bereits die Exposition, in der sich eine moderne israelische Tanzgruppe mitten in den Proben einer Choreographie befindet, die unter der Verwendung des traditionellen Pessach-Liebes Echad Mi Yodea vonstattengeht. Dieser Handlungsstrang wird von größter Bedeutung für die Wirkung des Filmes werden, findet im Kreise der Tänzer doch auch eine junge Frau Platz, die als Partnerin von einem der Soldaten in Erscheinung tritt, die von der israelischen Regierung als Teil der spektakulären Befreiungsmission am 4. Juli nach Entebbe entsandt wurden.

7 Tage in Entebbe versteht sich in seiner nicht einmal zweistündigen Laufzeit fortan als vor Gruppendynamik schwelende Parallelerzählung, die sich aus drei expliziten Perspektiven zusammensetzt: Der Interaktion von Geiseln und Entführern, dem Krisenstab der israelischen Regierung und der Tanzgruppe, in der die Tänzerin immer wieder auf den Boden herabstürzt und sich kaum in der Lage sieht, aus eigener Kraft wieder auf die Beine zu kommen. Ihrer Person wird eine gar allegorische Bewandtnis zugesprochen, die nicht nur auf die Position Israels hinweist, diesem jungen Staat, entwachsen aus einem absonderlichen Blutbad, sondern auch in Relation mit den anderen Gruppen steht, in dem das Stürzen, das Aus-der-Reihe-Fallen gleichwohl mit Befindlichkeiten des Haderns, der allgemeinen Verunsicherung, des Zweifels und des Sträuben vor Entscheidungen zu übersetzen ist.

Die israelische Regierung sieht sich zum ersten Mal mit der Gegebenheit konfrontiert, ihre Grundsätze zu übergehen, scheinen sie sich nämlich bereitzuerklären, mit den Terroristen eine Verhandlungsbasis zu schaffen. Wie uns die Realität gelehrt hat, war dem nicht so, es ging letztlich nur darum, eine praktikablere Ausgangssituation für einen Militärangriff zu bemühen – was ebenfalls Tote gefordert hat. Die Terroristen, allen voran Böse (Daniel Brühl, Inglourious Basterds) und Kuhlmann (Rosamund Pike, Gone Girl – Das perfekte Opfer) befinden sich in zermürbenden Konflikten dahingehend, ihre radikalen Überzeugungen nicht über ihre Menschlichkeit hinauswachsen zu lassen. Wenn die Passagiere allerdings im Flughafenterminal von Entebbe zwischen Juden und Nicht-Juden selektiert werden, findet die deutsche Vergangenheit in all ihrer Widerwärtigkeit eine verstörende Fortschreibung. Gerade Daniel Brühl brilliert, wenn er seinen Idealismus auf den Prüfstand stellt.

Ungeahnte Intensitäten legt 7 Tage in Entebbe dann frei, wenn im letzten Akt alle Standpunkte und Blickwinkel miteinander verschmelzen; wenn der Militärangriff durchgeführt wird und die Tanzchoreographie ihr symbolisches Temperament als Bühnenperformance veranschaulicht: Der immer wieder auf den Boden sinkende Körper der Tänzerin ist die Versinnbildlichung von Ängsten, von Zweifel, Vertrauen und dem Verlust dieses. Der Seelenstriptease steht dem Schusswechsel gegenüber, auf beiden Seiten sind die Bewegungsabläufe gleichermaßen durchstrukturiert – und auf beiden Seiten wird es im Wettstreit um Stärke und Schwäche Opfer geben. Allein dafür hat sich 7 Tage in Entebbe einen besonderen Platz in der diesjährigen Kinolandschaft verdient, geht er doch letztlich darüber hinaus, sich als reines Geiseldrama, welches sich dem Kolorit des 1970er Jahre Politkinos bedient, zu artikulieren. José Padilha hat vielmehr die Abstraktion all dessen entworfen.

Fazit

Es gibt kein Richtig und kein Falsch, sondern nur den Kompromiss. Am Beispiel der historischen Operation Entebbe wird dieser Kompromiss besonders deutlich gemacht. José Padilha zeigt sich für einen nicht zuletzt beeindruckend intensiven Eintrag in das moderne Politkino verantwortlich, weil er "7 Tage in Entebbe" nicht nur als schwelende Replik auf das 70er Jahre Kino an sich versteht, sondern vielmehr dessen Abstraktion forciert. Herausgekommen ist dabei eine packende Auseinandersetzung mit Gruppendynamiken, mit der Gefahr von Idealen und der Angst, Entscheidungen zu fällen.

Autor: Pascal Reis

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