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Inhalt

Wortkarg, gesetzestreu, unbesiegbar. In Mega City One, einem sich von Boston bis Washington erstreckenden Ballungsgebiet inmitten karger Landschaft, gilt Dredd als loyaler Diener der letzten aufrechten Instanz: den „Judges“. Als Richter und Vollstrecker in Personalunion stellt er sich im Peach Tree Wohnkomplex seiner bisher härtesten Mission. Es gilt die mächtige Drogenbaronin Ma-Ma dem Gesetz – also quasi sich selbst – vorzuführen.

Kritik

Bereits 1995 flimmerte die fleischgewordene Staatsgewalt mit äußerst mäßigem Erfolg über die Leinwand. Silvester Stallone kämpfte gegen Roboter und bunte Freaks, während Sidekick Rob Schneider die düstere Comicvorlage vollends der Lächerlichkeit preisgab. „Judge Dredd“ verkam so zum Flop und bot maximal lockere Unterhaltung für Fans von versehentlich produziertem Trash. Drehbuchautor Alex Garland und Regisseur Pete Travis präsentieren nach einigen künstlerischen Differenzen und schwer nachzuvollziehenden Bitch-Fights in der Postproduktion eine deutlich entschlackte Version der Figur.

„Dredd“ ist ein Typ den eigentlich niemand mögen dürfte: Auch wenn der ultimative Slum Mega City One wenig Gnade zulässt, ist ein mit allen exekutiven Mitteln ausgestatteter Gerichtssaal auf zwei Beinen die Horrorvorstellung jedes demokratisch denkenden Menschen. Und so ist die von Karl Urban mit tief heruntergezogenen Mundwinkeln verkörperte und mit nur wenigen Textzeilen ausgestattete Karikatur weniger Held als doch vielmehr böse Satire. Der Beelzebub im Kampf gegen die Teufel – dreidimensional natürlich.

Fragen nach Dredds Motivation und Vergangenheit können in den dunklen Gängen des Peach Towers ebenso wenig aufkeimen wie eine anspruchsvolle Geschichte oder ambivalente Schurken. Ma-Ma (Lena Headey) sitzt in Etage 200. Also rein da und alles aus dem Weg ballern! Möglichst hübsch und vornehmlich in Super-Zeitlupe. Letztere ist das Resultat einer futuristischen Droge, für die „Dredd“ fast als Werbespot durchgehen könnte. Bei erhöhtem Konsum scheint die Zeit nur mühselig zu vergehen, jedes Detail der Umgebung wirkt unglaublich präsent und funkelnd. Dumm für die Junkies, wenn in diesem Zustand gerade ein recht einfältiger, aber umso schießwütigerer Gesetzeshüter zur Tür hereinkommt. Das Pech der Slo-Mo Zombies bedeutet visuellen Augenschmaus für 3D-bebrillte Zuschauer und Fans blutiger Großaufnahmen.

Zerschossene Kiefer, gehäutete Handlanger und Zeitlupe fungieren zwar als effektives Alleinstellungsmerkmal gegenüber dem erzählerisch und inszenatorisch ähnlichen „The Raid“ (ebenfalls aus dem Jahr 2012), können aber nur in den ersten zwei Dritteln des Films darüber hinwegtäuschen, dass „Dredd“ insgesamt doch recht unkreativ gestaltet ist. Ein spitzer Einzeiler hier, eine rasante Kamerafahrt da, ein paar Kugeln in die unterm strich wenig bedrohlichen Gegner. Fertig ist der 90minütige Optik-Overkill ohne Substanz. Nach der schnörkellosen Einleitung und dem ersten Staunen würde sich ohne Karl Urbans Sidekick Olivia Thirlby schnell Ernüchterung breitmachen. Ihr Charakter, die mit  hellseherischen Fähigkeiten gerüstete Rekrutin Anderson, verleiht „Dredd“ über weite Strecken die dringend benötigte Menschlichkeit. Dass Sie dem Posterboy dabei glatt die Show stiehlt fällt allerdings nur positiv ins Gewicht. Denn ganz ehrlich: Niemand mag den Typen, der erst schießt und dann nachdenkt.

Fazit

50

„Dredd“ distanziert sich ganz bewusst von Danny Cannons Abenteuerspielplatz aus dem Jahr 1995, orientiert sich dabei aber zu sehr an einer nach CGI-Blut lechzenden Zielgruppe. So erweist sich Pete Travis Adaption unter seiner schicken Oberfläche als schnell abgenutztes und arg inhaltsloses Shooter-Spektakel für Hargesottene.

Autor: d kr Userwertung: 6.7 von 10 basierend auf 151.461 Wertungen.

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