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Auf den ersten Blick ist Patrick Bateman ein stinknormaler, egomanischer Wall-Street-Yuppie, doch hinter der Fassade des proper gewandeten Lebemannes verbirgt sich ein mörderischer Abgrund aus Hass und Sadismus. Um die Leere seines einzig von Statussymbolen erhellten Daseins auszufüllen, ist Patrick auf den Serienmord gekommen, insbesondere junge Frauen, aber auch der eine oder andere unvorsichtige Geschäftspartner zählen zu seinen Opfern. Als es ihm zunehmend schwerfällt, zwischen Phantasie und Realität zu unterscheiden, tritt die Polizei auf den Plan.
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Kritik

Die Welt, in die American Psycho uns entführt, ist eine bis ins letzte Detail durchgeplante: Der Ablauf des Trainingsplans. Der Ablauf des Pflegeprogramms. Der Ablauf des Sexuallebens. Nichts wird dem Zufall überlassen. Patrick Bateman (Christian Bale, The Dark Knight-Trilogie) legt großen Wert auf Kontrolle und Kontrollierbarkeit. Aus der Fassung gerät der vermögende Investmentbanker nur dann, wenn er unversehens übertrumpft wird – zum Beispiel, wenn ihm einer seiner gestriegelten Kollegen eine Visitenkarte unter die Nase hält, die, im Gegensatz zur eigenen, sogar über ein Wasserzeichen verfügt. Dass ausgerechnet dieser Patrick Bateman, der in der gleichnamigen Romanvorlage von Bret Easton Ellis seinen ersten Auftritt hatte, zur populärkulturellen Ikone heranreifte, möchte man auf den ersten Blick noch als bedenkliche Verklärung deklarieren. Der Mann nämlich ist alles, aber nicht verehrenswert.

Patrick Bateman ist vor allem eine Sache: Niemals wirklich anwesend. Nicht falsch verstehen, seine physische Präsenz ist, nicht zuletzt durch die formidable Performance seitens Christian Bale, der unter der Führung von Mary Harron (I Shot Andy Warhol) zur absoluten Höchstform aufläuft, wahrlich einschneidend. Allerdings muss man Patrick Bateman vielmehr als eine Entität sehen; als etwas Illusorisches. Er gleicht einem bitteren Prinzip, in dem sich keine klar identifizierbare Emotion abbildet, außer Gier und Abscheu. Und damit ist die Figur des Patrick Bateman natürlich auch figuraler Kommentar auf das moralisch ausgehungerte Tätigkeitsgebiet der Wall Street zu verstehen. Die Menschen hier sind darum bemüht, ein Leben in allumfassender Perfektion zu erreichen, haben aber de facto nie gelernt, wie man überhaupt lebt. Dass American Psycho nicht daran interessiert ist, Patrick Bateman einem horizonterweiternden Lernprozess unterzuordnen, versteht sich jedoch von allein.

Stattdessen versteht sich American Psycho als einziger, nie enden wollender und sich selbst bedienender Oberflächenreiz, in dem man kontinuierlich Statussymbole und somit auch sich selbst ausstellt. American Psycho ist eine gallige Bestandsaufnahme der Gegenwart und eine Analyse des vorherrschenden, gesellschaftlichen Wertesystems. Und natürlich bietet sich Patrick Bateman im Zuge dessen als vortreffliche Teststrecke an, weil er sich als so extreme wie grelle Erscheinung offenbart, dass seine wahre Persönlichkeit hinter all den Profilneurosen vollends verschwindet. Oder auch: Dass der Gedanke aufkommt, Patrick Bateman hat gar keine Persönlichkeit, sondern ist nur als menschliche Hülle existent, die sich bis zum Rand mit Perversion, Zynismus und Fetischismus füllt. Und auch hier muss noch einmal angesprochen werden: Wie Christian Bale den Inbegriff der Du bist, was du besitzt-Mentalität ausspielt, ist schlicht und ergreifend herausragend.

In einer Welt, in der Konformität und Verfügbarkeit alles dominieren, scheint sich in Patrick Batemans mörderischen Trieben die letzte Möglichkeit widerzuspiegeln, genau dieser festgeschriebenen, selbst-erzwungenen Gesetzmäßigkeit entgegenzuwirken. Eine Antwort darauf, woher der Wahnsinn rührt, den Bateman süffisant in bestialischen Gewaltexzessen herauslässt, beantwortet American Psycho nicht. Der Film unterwandert stattdessen unseren Anspruch, alles psychologisieren zu müssen, um es zu entschlüsseln, greifbar zu machen und im nächsten Schritt verarbeiten können. Genau das möchte American Psycho nicht. Alles, was er erzählt, funktioniert genaugenommen ohne Hintergründigkeit. Hier geht es ausschließlich darum, die Maske der Zurechnungsfähigkeit ad absurdum zu führen. Und dafür bieten sich diese millionenschweren Yuppie-Arschlöcher, die in ihrem Leben noch nie etwas geleistet haben, einfach wunderbar an. Ein Hoch auf den Nihilismus! Ein Hoch auf den Materialismus! Ein Hoch auf alles Kranke und auf die Gleichgültigkeit, die in eindringlicher Kälte Schächte in die Eingeweide bohrt.

Fazit

Längst schon ist es "American Psycho" gelungen, Kultstatus zu erlangen. Und das durchaus zu Recht! Mary Harrons Adaption des Skandalromans von Bret Easton Ellis offenbart sich nicht nur als eiskalte Gesellschaftsstudie, sondern auch als Affront an ein Kino, in dem immerzu jeder Schritt psychologisiert werden muss. "American Psycho" hingegen reißt sie herunter, die Maske der Zurechnungsfähigkeit und erzählt über Patrick Bateman von einem Schmerz, der die gesamte Welt überschwemmt: Dem Schmerz der ultimativen Gleichgültigkeit.

Autor: Pascal Reis

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