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Inhalt

Frank (Elijah Wood) ist Besitzer eines Ladens für Schaufensterpuppen. In dem Geschäft, das seiner Familie seit Generation gehört, restauriert er Puppen aus verschiedensten Epochen und lebt ein eher zurückhaltendes und verschlossenes Leben. Doch das ändert sich, als die junge und hübsche Fotografin Anna (Nora Arnezeder) in sein Leben tritt. Auf der Suche nach einer Idee für ihre neue Ausstellung stolpert sie über Franks Laden und die Puppen darin. Aus diesem Treffen entwickelt sich schon bald eine Beziehung, doch Anna kennt Franks dunkle Seite nicht, denn seit seiner äußerst schwierigen Kindheit leidet er unter psychotischen Störungen: Frank lauert nachts jungen Frauen auf, tötet und skalpiert sie auf brutale Art und Weise, nur um anschließend ihnen nachgeahmte Schaufensterpuppen in seiner Wohnung aufzustellen und sie so für immer an seiner Seite zu behalten.

Kritik

Schlimme Kindheiten machen Menschen zu bösen Menschen. Alltagspsychologisch ist dieser Schluss schnell gefasst, doch die Faktoren für die eine oder andere Entwicklung sind natürlich vielfältiger. „Maniac“ sieht das weniger kompliziert und führt ein paar Vergangenheitssequenzen als Beweislage für die gestörte Psyche der Hauptfigur an. Nicht, dass man hier eine komplexe Charakterstudie erwartet, doch angesichts der mageren Spielzeit war die Möglichkeit allemal vorhanden, noch mehr in die Tiefe zu gehen. Und das wäre nötig gewesen, um einen guten Film abzuliefern.

Alexandre Aja! In Sachen herrlich grausamer Unterhaltung ist er zu einem Garant geworden. Sein „Hills Have Eyes“-Remake ist eine der wenigen Nachverfilmungen, die besser als das Original sind. Sein „Mirrors“ war vielleicht kein Hit, lehrte das Gruseln aber dennoch besser als die meisten anderen aktuellen Genrefilme. Sein „High Tension“ ist so gut, dass man locker über die inhaltlichen Logikprobleme hinwegsehen kann. Und „Piranha 3D“ ist einfach purer, mit vielen Litern Blut optimierter Spaß.

Bei „Maniac“ (seit 21.05. auf DVD/BD zu erhalten) trat Aja wieder mehr in den Hintergrund und fungierte als Produzent und Drehbuchautor. Die Regie überließ er Franck Khalfoun, mit dem er schon für „P2“ und „High Tension“ zusammengearbeitet hat. Das Duo, so viel kann vorweggenommen werden, bietet mit der Neuauflage des 1980er-Kults kein zeitgenössisch typisches Remake. Die Schaufensterpuppen in „Maniac“ sind echte Puppen, keine kaum halbgaren Schauspielerinnen, deren größtes Talent hüpfende Brüste während der Flucht vor dem Killer sind. Nicht selten erinnert der Film an „Drive“, womit die stilistische (und musikalische) Ausrichtung klar ist. Damit kann der Film punkten. Dass dies nur die Oberfläche ist, vergisst manch überschwängliche Kritik scheinbar, denn darunter ist nicht mehr allzu viel. Der Inhalt ist zu starr, zu geradlinig, zu … ja, zu einfältig. Ein Film muss in erster Linie unterhalten, doch Unterhaltung kann auch von Emotionen getragen werden und das ist die große Schwäche von „Maniac“.

Durch die stilistische Ausrichtung entsteht eine Art Erwartungshaltung. Da es sich hier nicht um leichte Kost im Sinne des reinen Fun-Genres handelt, wird in der Regel irgendwann ein Anspruch auf Tiefe geweckt. Keine Arthouse-Tiefe, sondern lediglich so viel sinnvolle Geschichte, dass das, was man sieht, aufgefangen und in einen zufriedenstellenden Kontext gebettet wird. Im Idealfall schließt sich dann am Ende des Films ein Kreis, der das Ganze quasi abrundet. Rein inhaltlich betrachtet. Aber genau diese Genugtuung fehlt. Das Gesehene ist auch nach dem Abspann noch linear, wobei der Anfang alles andere als gut beleuchtet ist, denn wie bereits erwähnt werden nur vereinzelt Szenen aus der Vergangenheit des Protagonisten gezeigt, die aus den Augen eines kleinen Jungen betrachtet zu zermürbend sind, um einfach so stehen gelassen zu werden, und das Ende ist zwar nicht offen, aber trotz eines furiosen Finales nicht befriedigend. Zwischenfazit: „Maniac“ wirft nur ein kurzes Licht auf eine kranke Psyche, erklärt sie fadenscheinig und liefert unzureichend Stoff für eine „runde Sache“.

Die fehlende Emotionalität überrascht jedoch am meisten. Der Film kann in keiner Weise ergreifen, ist auf der Gefühlsebene kaum intensiv. Bis auf leichtes Mitgefühl für die Hauptfigur, die augenscheinlich mit den Dämonen ihrer gestörten Psycho hadert und deren Töten keineswegs von Lust motiviert wird, kam da nicht viel auf. Das lässt sich gut mit dem erklären, was schon kritisiert wurde, doch die Enttäuschung bleibt.

Elijah Wood ist nicht nur Frodo Beutlin, sondern ein guter Schauspieler, der in „Maniac“ jedoch meist nur als Spiegelbild zu sehen ist. Dafür kann er natürlich nichts und einigen wird dieses Stilmittel (Ich-Perspektive) sicher gefallen, irgendwann erscheint es jedoch als überreizt und man wünscht sich, ihn häufiger in normalen Einstellungen zu sehen. Nora Arnezeder war die richtige Wahl für den weiblichen Hauptpart.

Ja, so eine Skalpierung sieht schon fies aus. Und „Maniac“ hält es bei den Gewaltdarstellungen wie ein Splatterfilm: rein in die Nahaufnahme und voll draufhalten. Das ist kein Kritikpunkt, aber eine Warnung an all diejenigen, die mit Filmblut und dergleichen nicht so richtig gut können. Für alle anderen: Rein technisch gesehen, also in Bezug auf die Effekte, ist das zum Teil schon sehr beeindruckend.

Fazit

50

Gelungene stilistische Umsetzung, die in den inhaltlichen Schwächen untergeht – das mündet leider nur in Durchschnitt.

Autor: André Gabriel Userwertung: 5.8 von 10 basierend auf 19.845 Wertungen.

Kommentare

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