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Eine typische amerikanische Familie ist in ihrem Wohnwagen auf dem Weg durch die Wüste. Alles scheint friedlich, bis man sich in ein Ödland verirrt, welches von der Regierung zu Tests mit chemischen und atomaren Waffen missbraucht wurde. Doch die Familie muss bald bemerken, dass sie nicht alleine ist, denn dort lebt eine kannibalische Familie missratener Freaks und bald heißt es: Glück hat, wer zuerst stirbt...
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Kritik

Um in den allgemeinen Tenor einzustimmen, der sich bei Rezensionen zu einem beliebigen Remake zu Anfang erst einmal demonstrativ darauf einschießt, über den Sinn und Unsinn solcher Projekte zu sinnieren, darf man „The Hills Have Eyes“ von 2006 durchaus attestieren, ein sinniger Vertreter seines doch in erster Linie eher Unmut bereitenden Trends zu sein. Ein gutes Remakes zeichnet sich dadurch aus, den Geist der Vorlage zu wahren, ihn aber nicht sklavisch nachzuäffen, sondern eigene Facetten anzuheften, wenn man den Stoff denn dann schon aus seinem zeitlichen Kontext in die Gegenwart transferiert. Da ist es dann auch erst einmal vollkommen irrelevant, welche Qualitäten das Original auch heute noch vorzuweisen hat, wenn es sich ein Remake zu Herzen genommen, jenem höchsten Respekt zu zollen, ihn aber an manchen Ecken und Ende noch ein Stück weiter- respektive umzudenken und dem heutigen Publikum, welches den Sehgewohnheiten vergangener Tage nicht gewachsen ist, schmackhaft zu machen. Und Alexandre Aja schafft das in famosem Ausmaß.

Der heftige Trash-Einschlag, mit dem Wes Cravens wunderbarer Klassiker „Hügel der blutigen Augen“ heute aufwartet, verleiht dem Film nachträglich einen ganz urigen Charme, während die Kollision der zwei amerikanischen Familien, die zivilisierten Konservativen, aus dessen Reihen sich nicht der reaktionäre Republikaner, sondern der eigentlich pazifistisch eingestellte Demokrat zum Retter aufbäumte, und die degenerierten Mutanten, die in der deutschen Synchronfassung kurzerhand zu Außerirdischen erklärt wurden, die ein starker Groll auf die Menschheit antrieb, eine ganz und gar native Tragik zugesprochen wurde. „Hügel der blutigen Augen“ ist aber nicht nur reines Terror-Kino gewesen, sondern ein allegorisches Zeitdokument, das sich getraut hat, Kritik an der amerikanischen Politik zu äußern und zeichnete den animalischen Gestus der Mutanten nicht als willkürliche Bösartigkeit, sondern als gezwungenen Gegenstand ihrer Vernachlässigung: Amerika hat diese Menschen zu „Monstern“ gemacht, hat sie „geboren“, sich dann aber geweigert, den nächsten Schritt zu gehen und sich um diese zu kümmern.

Alexandre Aja setzt mit seinem Remake glücklicherweise genau da an, legt die Geschichte zwar in das Hier und Jetzt, erzählt aber im Kern noch einmal die Geschichte nach, wie sie Wes Craven in den 1970er Jahren schon erzählte. Dass „The Hills Have Eyes“ jedoch kein müdes Plagiat ist, zeigt sich daran, dass Aja die Handlung akzentuiert, die Systemkritik um einiges deutlicher formuliert und den Terror in noch schärfere Illustrationen bannt. Gleich zu Anfang, wenn eine Gruppe Wissenschaftler mit Geigerzählern die Radioaktivität des Wassers innerhalb der Wüste von New Mexiko untersuchen, bekommen sie die Verbrechen an der Menschheit am eigenen Leibe zu spüren und eine Spitzhacke hämmert sich einer hervorragend gefilmten und geschnittenen Sequenz in die Köpfe der Wissenschaftler. Der einführende Schriftzug „Between 1945 and 1962 the United States conducted 331 atmospheric nuclear tests. Today, the Government still denies the genetic effects caused by the radioactive fallout.“, wird auf seine ganz eigene Weise bestätigt, bevor wir in einer Montage aus Archivmaterial Zeuge der Atomtests werden. In Ajas Version wird der politische wie zeitkritische Subtext um eigenes extremer ausgebaut, bis Amerika die Nationalflagge mitten in verlogene Fresse gerammt wird.

Das ist alles nicht subtil gestaltet, klar, aber es ist ehrlich und effektiv. Dass „The Hills Have Eyes“ in seinem gnadenlosen Terror so blendend funktioniert, liegt daran, dass sich Aja in der Etablierung seiner Charaktere viel Zeit nimmt, er zieht Rollenbilder auf, jongliert mit Prototypen und möchte den Zuschauer in eine Position drängen, die der der Protagonisten überlegen ist, bis er nicht nur seine Charaktere bricht, ihre festgefahrenen Muster durchkreuzt, sondern auch das Szenario in einer erdrückenden Massivität explodieren lässt. Der patriarchische Republikaner, der seinen Sohn bei der Autopanne erst mal mit einer Handfeuerwaffe bestückt, bevor seine Frau zum gemeinsamen Gebet pfeift, bleibt schnell auf der Strecke, was den emotionalen Konflikt von „The Hills Have Eyes“ einlöst und ausgerechnet Doug (Aaron Stanford), der Waffengewalt verabscheut und ständig von Big Bob (Ted Levine) in die Pfanne gehauen wird, wächst heran zum Rächer der Familienehre – Von Aja orgiastisch zum Westernhelden stilisiert, dass man sich wünschen würde, die Trompeten eines Ennio Morricone würden endlich aus dem Off erklingen. „The Hills Have Eyes“ versteht es, den Zuschauer mitgehen zu lassen, Doug auf seiner Suche nach Erlösung durchgehend zu unterstützen.

Wenn die menschenfressende Gefahr in allen erdenklichen Räumlichkeiten zugeschlagen hat, ob im Freien oder auch im Auto und im Wohnwagen, verfestigt „The Hills Have Eyes“ das unwohle Gefühl nachhaltig, das es nirgendwo Sicherheit gibt und die Natur sich vehement über die Kultur labt. Zieht Doug mit dem Schäferhund Beauty ein in die staubige Geisterstadt, ein zurückgebliebenes Dorf der Atomtests, wo die mutierten Kannibalen hausen und das Baby Dougs womöglich hin entführt haben, wandelt sich „The Hills Have Eyes“ endgültig zum garstigen Terror-Manifest. Die schroffe Bildsprache unterstreicht das nach und nach mit Blut verkrustete Geschehen, während ausgereizte E-Gitarren-Riffs und repetitives Dröhnen von der Tonspur die bedrängende Atmosphäre betonieren. Und nach all dem Gekröse, dem Schrecken und der Tortur, richtet sich der Blick wieder auf die Führungsetagen der Vereinigten Staaten, die Verantwortlichen der zerstörerischen Atompolitik, die ihre Augen vor der Wahrheit verschließen, das Grauen eingekesselten in den Bergen verharren lassen und sich selber keiner Schuld bewusst sind. Zu Recht, möchte man sagen, wird die Nationalhymne hier falsch vorgetragen.

Fazit

Alexandre Aja beweist mit „The Hills Have Eyes“, dass der heutige Filmmarkt durchaus mehr als gelungene Remakes zu Tage fördern kann – Wenn man sich denn mit dem richtigen Engagement an die Sache heranwagt. Sicherlich hat Produzent Wes Craven auch noch ein Wörtchen Mitspracherecht bekommen, doch was Aja hier letzten Endes auf die Beine gestellt hat, ist kritisches, durch und durch atmosphärisches und ultrahartes Terror-Kino in Reinform. Da verzeiht man selbstredend den ein oder anderen Logikschnitzer. So muss Genre-Kino nun mal sein.

Autor: Pascal Reis

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