MB-Kritik

Wicker 2026

Comedy, Romance, Fantasy

Olivia Colman
Alexander Skarsgård
Peter Dinklage
Elizabeth Debicki
Marli Siu
Nabhaan Rizwan

Inhalt

Eine einsame Fischerin bittet einen Korbflechter, ihr einen Ehemann aus Weide zu flechten. Die Erfüllung ihres Wunsches weckt bei dem Bewohnern und Bewohnerinnen ihres Dorfes verdrängtes Verlangen. 

Kritik

Moral und Message Eleanor Wilson und Alex Huston Fischers (Save Yourselves!) ironischer Fantasy-Fabel mögen so schlicht und altbekannt sein wie die universellen Motive des parabolischen Plots. Doch diese zeitlose Zugänglichkeit ist Teil des kauzigen Charmes der magischen Metaphorik um Gefühls-Dynamiken, Gemeinschaftsstrukturen und Gender-Rollen. Alle drei verlaufen in - vermeintlich - klar festgeschriebenen Bahnen in dem scheinhistorischen Schauplatz eines mittelalterlichen Dorfs. Unter dessen Bewohnenden ist Olivia Colemans (Jimpa) Fischerin aufgrund ihres gewerblichen Geruchs und ihrer als „altjüngferlich“ abgewertete Autarkie eine ausgelachte Außenseiterin, deren Wunsch nach Respekt und Zuwendung weitreichende Folgen hat. 

Das ändert sich schlagartig, als ein Hochzeitsbrauch die verhärmte Waise als nächste Braut ankündigt. Um dem Spott der gehässigen Gemeinde, angeführt von Elizabeth Debickis (MaXXXine) eleganter Schneiders-Frau aka Doktoren-Tochter, etwas entgegenzusetzen, aber ebenso aus tiefer Einsamkeit heraus bestellt sie sich bei einem Meisterkorbflechter (Peter Dinklage, Der Hochstapler - Roofman) einen Ehemann aus Weidenkorb. Verwunderung über den geflochtenen Gatten (Alexander Skarsgård, The Moment) der seiner Fischerin ebenso zärtlich zugetan ist wie sie ihm, verwandelt sich bald in Neid. Die gleichberechtigte Beziehung des kuriosen Paares zeigt den Dorfbewohnenden einen Gegenentwurf zu ihren toxischen Traditionen. 

Die märchenhafte Selbstverständlichkeit, mit der übernatürliche Dinge geschehen, trägt ebenso zum eigenwilligen Zauber der burlesken Beziehungsgeschichte bei wie die humorvolle Verflechtung zeitgenössischer und klassischer Elemente. Im Geiste Chaucers Canterburry Tales verbindet die auf Ursula Wills-Jones Kurzgeschichte „The Wicker Husband“ basierende Handlung vulgären Humor mit gesellschaftskritischem Hintersinn. Mitgefühl, unvermittelte Brutalität und emotionale Ehrlichkeit balancieren die zahlreichen Momente voller Sex und schwarzem Humor. Colemans einfühlsame Darstellung einer im Grunde tragischen Figur wird zum humanistischen Kern einer filmischen Fabel über einen romantischen Funken, der Liebe entfachen kann, aber auch verbrennen.

Fazit

Buchstäblich zauberhafte Special Effekts, die dank einer Mischung plastischen Make-ups, Animatronics und Puppentrick eine lebensechte Haptik entfalten, wundervolle Kostüme und originelle Ausstattung schaffen eine ästhetisch und dramatisch gleichermaßen bestechende Filmwelt. Durch deren verspielte Phantastik blitzt ein rauer Realismus, der soziale Strukturen, psychische Widersprüche und patriarchale Konstrukte ironisch durchleuchtet. Zoten und Zärtlichkeit kombiniert Regie-Duo Eleanor Wilson und Alex Huston Fischer zu einer süffisanten Außenseiter-Story, die allegorisch abstrahiert, wie sinnliche, sexuelle und selbstbestimmende Bedürfnisse gesellschaftliche Gefüge formen oder unterwandern. Ein sarkastisches Sittenstück über Liebe als Konstrukt im Guten und Schlechten. 

Autor: Lida Bach
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