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Auch nach der Flucht in die BRD lassen dem jungen Künstler Kurt Barnert seine Kindheits- und Jugenderlebnisse aus NS- und SED-Zeit keine Ruhe. Als er in der Studentin Ellie die Liebe seines Lebens trifft, gelingt es ihm, Bilder zu schaffen, die nicht nur sein eigenes Schicksal widerspiegeln, sondern die Traumata einer ganzen Generation.
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Kritik

Nachdem sein Abstecher in den USA The Tourist sowohl bei Kritikern, als auch beim Publikum, fast einstimmig durchfiel, kehrt Florian Henckel von Donnersmarck in sein Heimatland Deutschland zurück. Wie schon in seinem Oscargekrönten Debütfilm Das Leben der Anderen arbeitet er wieder die deutsche Geschichte ab und schlägt mit Werk ohne Autor nun einen weitaus größeren Bogen. Sein Film beginnt in der NS-Zeit, zeigt die Bombardierung von Dresden, führt über die Nachkriegsepoche, streift die DDR samt Wendezeit und endet schließlich irgendwann in den 70er Jahren. Angelehnt an das Leben des Malers, Bildhauers und Fotografen Gerhard Richter kreiert von Donnersmark eine große Künstlerbiographie in der er versucht, den Einfluss von Geschichte und dem aus ihr entstandenen Trauma auf den künstlerischen Prozess zu verarbeiten. Das Augenmerk liegt auf „versucht“, denn außer seiner Ambition bietet Werk ohne Autor nichts von Gehalt, geschweige denn Substanz. 

Seinen Fokus macht der Film von Anfang an klar: Im nationalsozialistischen Dresden besucht der fünfjährige Kurt (Cai Cohrs, Ein Weg) mit seiner Tante Elisabeth (Saskia Rosendahl, Wild) eine Ausstellung zum Thema entartete Kunst. Ein Museumsführer (Lars Eidinger, Personal Shopper) spottet über die abstrakte Kunst, denunziert ihren Wert und beugt sich sogar zu Kurt runter und verkündet hämisch über ein Gemälde „Das könntest du auch“. Noch bevor Kurt über diese Aussage genügend nachdenken kann schwärmt die engelsgleiche Elisabeth über selbiges Gemälde „Also, ich finds schön“. Ungefähr auf diesem verbalen wie substanziellen Niveau bewegt sich der gesamte Film, inklusive seines Kunstdiskurses. Die Kindheitsidylle von Kurt wird schließlich gestört, Elisabeth wird Schizophrenie vorgeworfen, weshalb sie der SS-Obersturmbannführer und Frauenarzt Proffessor Carl Seeband (Sebastian Koch, Bridge of Spies) sterilisieren und schließlich im Konzentrationslager ermorden lässt. Ein Trauma, welches Kurt bis ins Erwachsenenalter (nun: Tom Schilling, Oh Boy) mit sich trägt und das seine spätere Malerei weitgehend beeinflussen wird. 

Dazwischen werden sämtliche Stationen in Kurt´s Leben abgeklappert. Mal driftet der Film ins theatralische Familiendrama ab, mal geht er ins Komödiantische, ansonsten hangelt er sich von einem historischen Fakt zum nächsten. Die Biografie Kurts wirkt dabei wie entsprungen aus einem mittelmäßigen, überlangen Roman aus dem Deutschunterricht. In seiner Summe fühlt sich Werk ohne Autor in seinen 188 Minuten wahnsinnig aufgebläht und dennoch inhaltslos an. Ständig geben die Figuren für sich selbst stehende Statements über Kunst und Künstlerdasein ab, Tom Schilling darf durch goldene Wiesen rennen und Sebastian Koch wird das grummelige Gesicht inklusive seiner „mit Kunst lässt sich kein Geld verdienen“-Haltung nicht los. Sämtliche Plotelemente führt der Film nie zu Ende oder löst sie zutiefst unbefriedigend. Von Donnersmark will beweisen, wie schwer Kunst von persönlichen Schicksalsschlägen geprägt ist und dafür ist ihm, neben sämtlichen narrativen Inkohärenzen, auch jedes andere Mittel recht. 

Um das Trauma vom Verlust der geliebten Tante zu verdeutlichen zeigt von Donnersmark ihre Ermordung in der Gaskammer des Konzentrationslagers, inmitten sämtlicher anderer Gefangenen. Ein Moment, den der Film fast desinteressiert abhandelt, was ihn fast umso abstoßender macht. Der, sich seinen Bedacht auf deutsche Historie sonst arrogant auf die Stirn schreibende Film, zeigt hier sein wahres, hässliches Gesicht. Die instrumentalisierenden Bilder dieses eigentlich undarstellbaren Genozides nimmt von Donnersmark in Kauf und schneidet sie sogar parallel zur Bombardierung von Dresden. Fast noch fehlgeleiteter ist der Film in seinem eigenen, selbstbesoffenen Kunstanspruch. Als nach zahlreichen Malerei-Experimenten der, an Joseph Beuys angelehnte, Dozent van Verten (Oliver Masucci, Er ist wieder da) zu Kurt heran tritt formuliert er nur ablehnend „Das bist nicht du“. In dieser Aussage kulminiert das gesamte missratene Kunstverständnis des Filmes: Für Werk ohne Autor ist Kunst nichts weiter, als eine zu Leinwand und Farbe gewordene Biographie. Nie eröffnet der Film sein Blickfeld dafür, dass Kunst schaffen auch abstrahieren bedeutet. Nie zieht er irgendeine Form von Ambivalenz in Erwägung. 

Wie der Film inhaltlich fehlgeleitet ist, so wertlos ist auch seine Ästhetik. Zwar spürt man in Szenenbild und Kameraführung durchaus sein Budget, aber von Donnersmark nutzt nichts davon zufriedenstellend. Nie eröffnet er eine Ebene abseits des Ausformulierten. Ein weiterer Punkt des Filmes, der seine Diskurse im Vakuum ersticken lässt. So mutet der Film über seine gesamte Laufzeit über wie ein Zweiteiler fürs Fernsehen an. Die Schauspieler, von Schilling, über Koch bis hin zu der grandios verschenkten Paula Beer (Transit), wirken wie Gefangen in ihren Abziehbildern, übertroffen werden sie nur von Masucci, dessen Beuys Interpretation sich an der Grenze des Aushaltbaren bewegt. Einzig und allein Max Richters (Waltz with Bashir) betörende Musik hüllt das Ganze in einen schönen Klangteppich, welcher den Film nach einem Inhalt abzuklopfen versucht, der schlichtweg nicht da ist.

Fazit

Sowohl inhaltlich, als auch filmisch ist "Werk ohne Autor" ein Totalausfall. Seine Kunstdiskurse und seine Analogien an deutsche Geschichte verkommen unter den belanglosen Phrasen des Drehbuchs und unter den unschönen Bildern zur reinen Behauptung. In seiner fehlgeleiteten Ambition wirkt der Film fast amüsant, würde er nicht seinen selbstgeschaffenen Anspruch arrogant vor sich her tragen. Gerhard Richter selbst, der sich von dem Film distanzierte, hat den Film nach Angaben nie gesehen. Sollte dem so sein, hat er das einzig richtige getan.

Autor: Jakob Jurisch

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