4.0

MB-Kritik

Shelby Oaks 2025

Horror, Thriller

4.0

Keith David
Brendan Sexton III
Michael Beach
Camille Sullivan
Derek Mears
Robin Bartlett
Rick Montgomery Jr.
Charlie Talbert
Phuong Kubacki
Sam Liz
Sarah Voigt
Sarah Durn
Emily Bennett
Roger Conners
Cody Steele
Eric Francis Melaragni

Inhalt

Im Zentrum der Handlung steht Mia, deren jüngere Schwester Riley vor zwölf Jahren spurlos verschwand. Riley war Teil des Online-Formats „Paranormal Paranoids“ und verschwand gemeinsam mit drei Co-Hosts während einer Reise in die titelgebende Geisterstadt Shelby Oaks im US-Bundesstaat Ohio. Als Mia unerwartet neue Hinweise erhält, begibt sie sich auf eine gefährliche Spurensuche, um das Rätsel um das mysteriöse Verschwinden aufzuklären.

Kritik

Wer jahrelang Filme analysiert, bewertet und damit öffentliche Aufmerksamkeit erlangt, muss damit rechnen, dass der eigene Schritt hinter die Kamera besonders genau beobachtet wird.  kennt diese Mechanik besser als die meisten. Umso wenig überraschend ist es, dass sein Regiedebüt Shelby Oaks nach der Premiere weniger wohlwollend aufgenommen wurde, als man es ihm vielleicht gewünscht hätte. Trotz Unterstützung durch Indie-Darlings von Neon und Horror-Veteran Mike Flanagan (Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen)  überwog vielerorts Ernüchterung. Das also soll der Film von Stuckman sein? Ja, genau das ist er. Und allein die Tatsache, dass dieser Film existiert, verdient Anerkennung.

Respekt vor dem Schritt – nicht vor dem Ergebnis

Shelby Oaks ist eine Mischung aus Found Footage, okkultem Horror und Familiendrama. Eine ambitionierte Kombination, die zeigt, dass Stuckman mehr wollte, als bloß bekannte Genre-Mechaniken abzuhaken. Dass er diesen Film realisieren konnte, hängt zweifellos auch mit seiner Reichweite zusammen. Gleichzeitig bedeutete genau diese Bekanntheit eine zusätzliche Bürde: Jeder Fehler wiegt schwerer, jede Schwäche fällt stärker ins Gewicht. Und leider offenbart der Film davon einige.

Das größte Problem liegt nicht in einzelnen Entscheidungen, sondern im Gesamtgefühl. Selbst wenn die Atmosphäre punktuell funktioniert, stellt sich weder nachhaltiger Grusel noch echte Beklemmung ein. Es gibt Jump Scares, Wendungen und emotionale Ansätze – doch sie verhallen schnell. Die Handlung wirkt dabei widersprüchlich: Einerseits erstaunlich schlicht, andererseits ständig bemüht, neue Ideen anzureißen, ohne sie konsequent auszuarbeiten. Ob die Bedrohung letztlich menschlicher oder übernatürlicher Natur ist, spielt kaum eine Rolle, weil sich alles gleich anfühlt.

Dabei wäre mehr drin gewesen. Immer wieder blitzen Momente auf, die zeigen, dass Stuckman ein gutes Gespür für Stimmung besitzt. Besonders eine Szene, in der Protagonistin Mia nachts ein verlassenes Gefängnis mit einer Taschenlampe erkundet, bleibt positiv im Gedächtnis. Hier entsteht für kurze Zeit das Gefühl von Unsicherheit und Erwartung. Man spürt den Wunsch, nicht nur zu erschrecken, sondern ein unangenehmes Gefühl im Zuschauer zu verankern. Leider bleiben solche Augenblicke Ausnahmen.

Ein weiteres Hindernis ist das Tempo. Shelby Oaks wirkt gehetzt, fast ungeduldig. Statt Szenen Raum zu geben, um sich zu entfalten, hetzt der Film von Moment zu Moment. Große Vorbilder sind klar erkennbar, doch ihnen fehlt hier das Entscheidende: Zeit. Horror braucht Pausen, Stille, Leerräume. Stuckman hingegen scheint Angst zu haben, das Publikum allein zu lassen, und überfrachtet den Film lieber mit bekannten Gesichtern wie  (Das Ding aus einer anderen Welt) oder mit Genre-Versatzstücken, die Eindruck machen sollen, aber wenig nachhallen.

Stuckman ist gescheitert, aber aus Fehlern lernt man

Hinzu kommt das unstete Pendeln zwischen klassischem Horrorfilm und Found Footage. Diese Hybridform wirkt nicht wie eine bewusste Entscheidung, sondern eher wie ein Kompromiss, der keiner Seite gerecht wird. Die Geschichte leidet darunter spürbar. Entwicklungen fühlen sich nicht organisch an, sondern erzwungen, als müssten sie einem vorgefertigten Plan folgen, statt sich natürlich zu ergeben.

Die Erkenntnis: Ein Film, der nicht gruselt, hat im Horror-Genre einen schweren Stand hat. Das allein reicht schon aus, um keine Empfehlung auszusprechen. Und doch wäre es falsch, Shelby Oaks als völliges Scheitern abzutun. Dafür gibt es zu viele ehrliche Ansätze, zu viele kurze, gelungene Momente.

Chris Stuckman hat den Sprung gewagt, den viele Kritiker nie gehen. Allein dafür verdient er Respekt. Vielleicht liegt seine Zukunft eher in der Regie als im Schreiben, vielleicht braucht es stärkere Partner*innen für das Drehbuch. Sollte ein weiterer Film folgen, wäre man bereit, ihm wieder eine Chance zu geben. Und selbst wenn nicht: Stolz darf Stuckman auf dieses Debüt trotzdem sein. Nicht wegen des Ergebnisses, sondern wegen des Mutes, es überhaupt versucht zu haben. Wer tollen Kino-Horror von YouTube-Legenden sehen will, wird 2025/2026 eher bei den Jungs von RakkaRakka fündig oder bei Markiplier.

Fazit

"Shelby Oaks" zeigt ehrliche Ambitionen und vereinzelt stimmige Momente, scheitert jedoch an fehlender Wirkung, überhastetem Erzählen und unausgereiften Ideen. Ein respektabler Versuch, der als Horrorfilm leider kaum trägt.

Autor: Sebastian Groß
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