6.3

MB-Kritik

Other - Beautiful Monster 2025

Horror, Drama, Thriller

6.3

Olga Kurylenko
Jean Schatz
Lola Bonaventure
Jacqueline Ghaye
Sacha Nugent
Philip Schurer
Ange Dialot Nawasadio
Julie Maes
Milton Riche
Anne-Pascale Clairembourg
Karin Birge
Briana Stuart

Inhalt

Nach dem plötzlichen und grausamen Tod ihrer tyrannischen Mutter kehrt Alice zurück in das leer stehende Elternhaus. Seit ihrer Flucht als Teenagerin hat sich hier nichts verändert. Außer, dass nun ein ausgeklügeltes Überwachungssystem jeden ihrer Schritte verfolgt und sie nach Belieben ein- oder aussperrt. Seltsame Krabbelgeräusche, eine mechanische Stimme und bedrohliche Schatten verstärken Alices beklemmendes Gefühl, nicht allein zu sein.

Kritik

Manche Horrorfilme setzen auf Jumpscares, die anderen wiederum auf psychologischen Horror und so manche ausschließlich auf gruselige Geräusche, verwackelte Kamera und völlige Dunkelheit. Zu den letzteren gehört Other und dieser ganz besonderer Horrorfilm erschafft mit seiner Geräuschintensität und Lichteffekten einen durchaus sehenswerten Vertreter seines Genres. Etwas Böses lauert in einem verlassenen Haus im Wald und man ist sich stets dieser bösen Präsenz bewusst. Atmosphärisch funktioniert der Film definitiv einwandfrei, auch wenn sich die Spezialeffekte nach einer Weile abnutzen. Die Spannung lässt etwas nach, wenn die Hauptfigur zum hundertsten Mal im Dunkeln durchs Haus irrt und irgendwelche gruseligen Geräusche hört. Es kommt einfach zu keiner wirklichen Steigerung und alle Vorkommnisse bewegen sich immer auf demselben Spannungslevel und wenn doch etwas geschieht, dann ist es ziemlich vorhersehbar.

Doch eins kann man Other lassen: Dieser Film besticht durch seine Kreativität und das Besondere daran ist, dass alle Nebenfiguren ihre Gesichter verhüllen und die Einzige, die ihr Gesicht zeigen darf, ist die Hauptfigur Alice  (Olga Kurylenko, The Room). Die anderen sind hinter Bettlaken, Masken und lustigen Filtern versteckt. Das erhebt diesen Film in gewisser Weise zu einem Kunstwerk, was als positiv zu bewerten ist. Glücklicherweise schafft es Olga Kurylenko den Film fast ausschließlich allein zu tragen. Sie spielt eine tragische Figur, die in das Haus ihrer Kindheit zurückkehrt und in Erinnerungen an ihre schreckliche Kindheit und tyrannische Mutter schwelgt. Schon bald bemerkt sie, dass sie nicht allein in diesem gruseligen Haus ist. Das alles bildet die Ausgangslage für einen guten Horrorfilm, aber Other spielt seine Karten leider nicht richtig aus. Wenn man diesen Film beispielsweise mit dem Horrorfilm Barbarian vergleicht, der eine ähnliche Ausgangslage hat, dann bemerkt man, dass Barbarian in der ersten Liga spielt und Other im Vergleich dazu geradezu durchschnittlich erscheint.

Während Barbarian einen dauerhaft unter Strom setzt und nicht damit aufhören kann das Publikum zu überraschen, spielt Other mit ein paar gleichen Akkorden und das nicht nur im übertragenen Sinne. Gruselige Geräusche sind schön und gut, aber mehr überraschende Wendungen hätten dem Film definitiv nicht geschadet. Die größte Stärke des Films ist gleichzeitig seine größte Schwäche, denn das Stilmittel der versteckten Gesichter führt dazu, dass man keine Empathie für die Figuren empfindet, ergo sie sind einem vollkommen egal und wenn es nicht einmal gezeigt wird, wie sie getötet werden, dann nimmt Other einem auch noch das Vergnügen dabei zuzusehen, wie sie verrecken. Und dabei zuzusehen ist so ziemlich das Wichtigste in Horrorfilmen. Trotz interessanter Einfälle nimmt Other die Zuschauer nie völlig mit und kann auch am Ende seine konstante Ereignislosigkeit nicht wiedergutmachen. Das Ende vermag zwar zu überraschen, hinterlässt das Publikum, aber auch mit einem seltsamen Gefühl von „What a fuck?“

Fazit

Ein geräuschintensiver Horrorfilm, der mit seinen interessanten Einfällen und Stilmitteln zwar zu unterhalten vermag, aber einem nie das Gefühl gibt, sich tatsächlich zu erschrecken. Und sollte das nicht die höchste Priorität bei den Horrorfilmen sein? Wer vor flackernden Lichtern und intensivem Sound Angst bekommt, ist bei "Other" genau richtig. Es handelt sich hierbei um einen unter Umständen sehenswerten, aber nicht wirklich spannenden Vertreter seines Genres.

Autor: Yuliya Mieland
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