MB-Kritik

Shame and Money 2026

Drama

Astrit Kabashi
Flonja Kodheli
Kumrije Hoxha
Fiona Gllavica
Alban Ukaj
Tristan Halilaj
Refet Abazi
Besnik Krapi

Inhalt

Nachdem sie in ihrem Dorf ihre Lebensgrundlage verloren haben, ist eine kosovarische Familie gezwungen, in die Hauptstadt zu ziehen, um in einer hyperkapitalistischen Gesellschaft Fuß zu fassen.

Kritik

Weniger interessiert an sentimentaler Sympathie für seine geplagten Figuren als an der systemischen Analyse ihrer prekären Situation, entwirft Visar Morina eine Sozialstudie von kontrollierter Kälte und desillusionierter Determination. Unterkühlte Ästhetik und eine von Starre und Beengung bestimmte Bildsprache vermitteln die ökonomische Bedrängnis und sozialstrukturelle Ausweglosigkeit des kosovarischen Paares im stillen Zentrum der sozialrealistischen Story. Deren nüchterner Blick auf die perfiden Fallstricke administrativer Institutionen und die korrosiven Auswirkungen sukzessiver Verarmung schafft einen herben Gegenentwurf zum Märchen von wirtschaftlichem Wachstum und sozialer Stabilität.  

Milchbauer Shaban (Astrit Kabashi, Hivesteht abrupt vor dem Existenzverlust, als sein impulsiver Bruder Liridon (Tristan Halilaj) mit geliehenem Geld verschwindet. Der alternde Protagonist und seine Gattin Hatixhe (Flonja Kodheli, Exilsind gezwungen, den kleinen Hof zu verkaufen und in Pristina nach Arbeit zu suchen. Hatixhes wohlhabende Schwester Lina (Fiona Gllavica) und ihr Mann Alban (Alban Ukaj, Tori and Lokita) nutzen die Notlage des Paares, das für Shabans alte Mutter und die Kinder sorgen muss, gezielt aus, um sie in unterbezahlte Anstellungen und moralische Abhängigkeit zu drängen. 

Die eisernen Klassenhierarchien im Fokus der beobachtenden Inszenierung ziehen sich bis in den engsten Kreis der Familie. Strategische Erniedrigungen und die skrupellose Ausbeutung unverschuldeter Not zeigen materielle Macht als ein Werkzeug psychologischer und soziologischer Gewalt. Während der stille Protagonist sich mit schlecht bezahlten Gelegenheitsjobs und bürokratischen Herden herumschlägt, zersetzt der ständige finanzielle Druck sukzessive Selbstrespekt und Integrität der Familie. Die korrupten Mechanismen manifestieren sich ebenso brutal wie die körperlichen und psychischen Auswirkungen der schleichenden Erosion menschlicher Würde. Der private Abstieg wird zum Synonym des humanitären Bankrotts einer Gesellschaft. 

Fazit

Zwischenmenschliche Beziehungen, gesellschaftlicher Status und ethische Prinzipien deformiert der unentrinnbare Druck von Armut und Abhängigkeit in Visar Morinas karger Sozialstudie. In gedeckten Farben erfasst der kosovarische Regisseur und Drehbuchautor bleierne Bilder. Deren dumpfe Tristesse die Chancenlosigkeit der zentralen Figuren, deren seelische und körperliche Erschöpfung Astrid Kabashi und Flonja Kodheli bedrückend greifbar machen. Pflichtgefühl und familiärer Verantwortung weichen müder Resignation vor einem System, dessen vermeintliche Unterstützung taktische Manipulation tarnt. Fixierende Einstellungen, fahles Licht und formale Reduktion zeigen ein demaskierendes Bild kapitalistischer Versprechen, die in Zynismus umschlagen. 

Autor: Lida Bach
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