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Jiro Horikoshi sehnt sich schon als kleiner Junge nach luftigen Höhen. Der sensible Träumer möchte am liebsten in selbst entworfenen Flugzeugen durch den Himmel gleiten, wie sein großes Vorbild, der italienische Ingenieur Caproni. Seine Kurzsichtigkeit hindert Jiro aber an einer Karriere als Pilot. Stattdessen steigt er 1927 bei einem großen japanischen Ingenieursbüro ein und revolutioniert mit seinen innovativen Ideen und Designs den Flugzeugbau weltweit. Während einer Zugfahrt begegnet er der hübschen Nahoko, mit der er sich Jahre später nach einem zufälligen Wiedersehen verlobt. Während Jiko über die Jahre als Chefentwickler für mehrere Unternehmen Kriegsflugzeuge baut, hat Nahoko mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen...
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Kritik

Das letzte Werk von einem der größten Filmemacher aller Zeiten. Hayao Miyazaki verabschiedet sich – vorerst – aus dem Filmgeschäft und tritt seinen wohlverdienten Ruhestand an. Mit „Kaze Tachinu“ kehrt er zu seinen Wurzeln zurück und erzählt die vielleicht persönlichste Geschichte seiner Karriere.

Jiro Horikoshi ist seit seiner Schulzeit von Flugzeugen fasziniert. Am liebsten würde er Pilot werden, doch aufgrund seiner Kurzsichtigkeit bleibt ihm dieser Traum verwehrt und er beginnt eine Karriere als Flugzeugkonstrukteur. Schon sehr früh wird der italienische Flugzeugbauer Gianni Caproni zu seinem Vorbild, dem er in seinen Träumen begegnet. Seine jungen Jahre sind von großen Unglücken und gravierenden Veränderungen geprägt. Er muss das Kanto-Erbeben 1923 miterleben, gefolgt von der Wirtschaftskrise und dem Aufstieg des Imperialismus im Kaiserreich Japan. Später beginnt er für Mitsubishi Jagdflugzeuge zu entwerfen, die ihren Einsatz im zweiten Weltkrieg haben werden. Während der ganzen Zeit begleitet ihn seine Freundin und spätere Frau Naoko Satomi, die jedoch an Tuberkulose leidet. Jiro steht zwischen der Pflege seiner Frau und der Konstruktion seiner Flugzeugen.

Basierend auf dem japanischen Flugzeugkonstrukteur Jiro Horikoshi entwarf Hayao Miyazaki selbst 2009 die Geschichte und veröffentlichte sie in Form eines Mangas im Modellbaumagazin Model Graphix des Verlags Dainihon Kaiga. Trotz des historischen Vorbilds ist der Großteil der Geschichte fiktiv. Aber wie auch im Film entwarf der reale Jiro Horikoshi für Mitsubishi die Jagdflugzeuge A5M und A6M – letztere ging als „Zero“ in die Geschichte ein und zählte zusammen mit dem amerikanischen B-17 Bomber zu den modernsten Flugzeugen im zweiten Weltkrieg. Deswegen begegnete man dem Projekt anfangs mit Skepsis und auch Miyazaki selbst war sich nicht sicher, ob er die Geschichte eines Entwicklers von Kriegsmaschinen erzählen wolle. Doch eine Aussage Horikoshis bestärkte ihn in seinem Vorhaben. Demnach soll er nicht am Krieg interessiert gewesen sein, sondern wollte bloß etwas wundervolles erschaffen. Und das hat Miyazaki überzeugend im Film dargestellt.

Neben der Lebensgeschichte des Protagonisten verbaut Miyazaki auch einige sehr persönliche Elemente in diesem Film. So widmet er nach „Porco Rosso“ einen zweiten Film komplett dem Thema Flugmaschinen. Seine Faszination für die Fliegerei wurde ihm wahrscheinlich schon ins Kinderbett gelegt, denn sein Vater Katsuji Miyazaki war ein Flugzeugkonstrukteur während des zweiten Weltkriegs. Dieses Motiv lässt sich in vielen seiner Filme wiederfinden, so beispielsweise auch in „Nausicaä aus dem Tal der Winde“ oder „Das Schloss im Himmel“. Manchmal werden seine fantasievollen Flugmaschinen auch in das Genre des Steampunks gezählt. Noch persönlicher ist die an Tuberkulose erkrankte Naoko im Film. Denn auch Hayaos Mutter Dola Miyazaki litt nach dem Krieg acht Jahre an der Erkrankung, erholte sich aber durch eine Behandlung zuhause und starb 1980 eines natürlichen Todes.

Um abschließend noch auf die technischen Eigenschaften des Films einzugehen: Perfekt. Der Film erstrahlt in wunderschönen handgezeichneten Bildern, wie man es von der Traumfabrik Ghibli erwartet. Hier ist Miyazaki sich während seiner gesamten Karriere treu geblieben und ist nicht Opfer der neuen CGI-Techniken geworden wie viele andere Anime-Regisseure, sondern setzt computergestützte Animationen nur sehr sparsam ein. Die Figuren tragen seine unverkennbare Handschrift, das Bild ist gestochen scharf und sehr lebendig. Eine zu statische leblose Animation ist auch ein Fehler den viele andere Regisseure – vielleicht aus Faulheit oder Zeitdruck?  machen, obwohl sie seit über 50 Jahren vom Altmeister lernen könnten. Musikalisch passend, aber niemals aufdringlich untermalt und auch der Sound ist beeindruckend.

Fazit

Hayao Miyazaki verabschiedet sich mit einem sehr persönlichen Meisterwerk. Vielleicht hat er sich mit „Kaze Tachinu“ nochmal den eigenen Traum vom Fliegen erfüllt, jedenfalls merkt man dem Film die Leidenschaft seines Schöpfers deutlich an. Bleibt nur zu hoffen, dass Miyazaki einen ähnlichen Ruhestand antritt wie die Rolling Stones.

Autor: Tobias Kiwitt

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