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Tombstone/Arizona 1880: Auf der Suche nach einem Viehdieb kommt der US-Marshal Griff Bonnell (Barry Sullivan) mit seine Brüdern Wes (Gene Barry) und Chico (Robert Dix) nach Cochise County. Beherrscht wird das Land von der mächtigen Großgrundbesitzerin Jessica Drummond (Barbara Stanwyck), die sich von vierzig schwer bewaffneten Männern beschützen lässt. Jessicas Bruder Brockie (John Ericson) terrorisiert mit seinen Männern die Stadt. Als er den alten Marshal John Chisum (Hank Worden) anschießt, wirft ihn Griff Bonnell kurzerhand ins Gefängnis. Doch seine Schwester Jessica sorgt dafür, dass ihr Bruder bald wieder frei ist. Bei einem Erkundungsritt trifft Griff zufällig auf Jessica. Beide fühlen sich schnell zueinander hingezogen, doch eine Liebesgeschichte zwischen den beiden erscheint bei dieser Vorgeschichte schier unmöglich...

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Der amerikanische Western ist ein Genre, das von Anbeginn der (Kino-)Zeit existierte und bis heute seinen besonderen Bann nicht verloren hat - auch wenn die Hochphasen sicherlich vorbei sind. Seit 1903 mit Der große Eisenbahnraub der erste Western in die Kinos kam, werden die Filme mit den reitenden Männern und Schurken, knallenden Pistolen und staubigen Städten immer wieder gerne gesehen. Der Western gilt als das amerikanischste aller Genres und wurde in in seiner „unbefleckten“ Zeit den Vereinigten Staaten als Heimatfilm verehrt. Zumindest bis Menschen wie eben Samuel Fuller (Polizei greift ein) alles kaputtmachten und dem Spätwestern eine Blütezeit verschaffte. Diese Westernepoche zeichnet sich durch die Demontage der etablierten Werte aus. Die Helden folgen nun keinem moralisch aalglatten Kodex mehr, sondern oft einfach nur ihrer blinden Rache.

Natürlich ist der Spätwestern vor allem durch die Genrevertreter aus Italien gezeichnet; Sergio Leone und seine Dollar-Trilogie machten dabei den Anfang, Sergio Corbucci (Django) und zahlreiche andere Regisseure taten es ihm gleich. Doch ironischerweise, glücklicherweise, kam auch der Anstoß zur absoluten Demaskierung des amerikanischen Ur-Mythos „Western“ aus dem Land der unendlichen Freiheit. Samuel Fuller, der sich durch viele B-Movies einen Namen machte, die Erwartungen unterlaufen oder mit einem krachenden Schlag zerschmettern. Er war ein Regisseur, der seine Bücher schrieb, inszenierte und manchmal - so wie hier - sogar eigens produzieren konnte. Das Ergebnis ist, wie so oft, wenn man fähigen Künstlern freie Hand lässt, äußerst sehenswert. Nicht nur das, es ist vor allem einflussreich; so lassen sich mehrere Eigenschaften des Films im späteren Italo-Western wiederfinden. Die „italienische“ Einstellung der Augen findet hier ihren Anfang.

Doch nicht nur in diesen - mehrfach vorkommenden - extremen Detailaufnahmen erschafft Fuller eine Meisterklasse der Bildregie. Visuell ist dieser Film eine Augenweide. Jede einzelne Einstellung ist aufregend gestaltet, perfekt getimt und arbeitet kreativ mit dem Breitbildformat - für damalige Zeiten keine Selbstverständlichkeit. Durch seine Bilder gibt Fuller den meisten Subtext mit auf den Weg - denn während der Regisseur durchaus für grobe Striche bekannt ist, findet er hier immer wieder grandiose Details in seinen Bildern. So werden aus den männlichen Männern plötzlich kleine Schachfiguren (und dann nicht einmal Reiter, sondern Bauern). Oder die vielleicht memorabelste Einstellung des Films; der Cowboy, der durch den Gewehrlauf sein Herzblatt anschaut. Da klingeln nicht nur unmittelbar James Bond und Jean-Luc Godard (Außer Atem) mit ihren Referenzen, da wird auch ein direkter Bezug zwischen Liebe und Gewalt hergestellt - ein Themenkonstrukt, das in diesem Film führend ist.

Die Vierzig Gewehre des Titels beziehen sich nämlich einerseits auf das Gefolge der einflussreichen und mächtigen Großgrundbesitzerin Jessica Drummond (sehr zufrieden: Barbara Stanwyck, Frau ohne Gewissen) und andererseits, laut Fuller selbst, auf die vierzig baumelnden Genitalien, die dieses Gefolge zwischen achtzig Beinen hat. Die Waffen waren schon immer Schwanzverlängerung. Und Fuller inszeniert seine männlichen Figuren entweder schwitzend als wilde Jungs mit zu viel Druck auf dem Sack, als verletzte Kinder, die wie ein Häufchen Elend aus dem Bild verschwinden, oder - im Falle des Protagonisten - als tragische Figuren, die sich selbst ins Bein schießen müssen, um davonzukommen. Fuller verbindet Liebe mit dieser Gewalt, mit der Zerstörung der Herzen und Zerstörung der Kugeln. Worte werden zu Geschossen, Kugeln zu Botschaften. Er liebt sie und deshalb muss sie leiden. Und umgekehrt.

Im Western gibt es klassischerweise zwei Frauentypen, die auftreten. Salopp genannt die Heilige und die Hure. Erstere zeichnet sich oft durch blondes Haar, tugendhaftes Benehmen und reine Liebe zum Helden aus. Letztere hat oft dunkles Haar, triebhaft und derb erotisch. Sie mag zwar einen Impuls des Helden wecken, muss aber tabu bleiben oder sterben. Da haben wir das Grundkonstrukt, vor dem Fuller mit reibenden Händen gestanden haben muss, bevor er es genüsslich gegen die Wand klatschte. In Vierzig Gewehre gibt es zwei wichtige Frauenfiguren. Beide sind blond. Die brave tugendhafte Tochter des Waffenladenbesitzers ist jene, die durch den Gewehrlauf betrachtet wird. Und die „Hure“ ist hier einfach nur eine eigenständige Frau, die ein Heer von Männern hinter sich stehen hat, loyal und angriffslustig. Die „Hure“ ist einfach eine Frau, die sich erdreistet, die Geschäfte ihres Vaters übernommen zu haben und erfolgreich zu führen. Es ist beinahe so, als würde Fuller den festgefahrenen Genre-Mechanismen ins Gesicht spucken.

„Ich brauche einen starken Mann, der meine Befehle ausführen kann.“

Der Film ist gespickt von solchen Zitaten, die einerseits die Stärke von Drummond verdeutlichen und andererseits die triebhafte Natur des Mannes herauskehren. Die Frauen dominieren die Welt in Vierzig Gewehre. Intellektuell und körperlich. Allen voran natürlich Jessica Drummond. Eine Frau, die ihren Widersachern und Kollegen stets einen Schritt voraus ist. Nicht, weil sie etwa besondere Superkräfte hätte, sondern einfach, weil sie genug Menschenkenntnis besitzt, um sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Eine Frau, die aber, wenn sie aufgebracht ist, die Hölle über Erden einbrechen lassen kann. Dann jagen die Steppenläufer durch die Gegend, dann beschwört sich ein tornadohafter Sandsturm über der Wüste und jagt über alle hinweg, die nicht bei drei Unterschlupf gefunden haben. Ebenso fegt Fuller mit Vierzig Gewehre einmal über das Genre, zerstört, was endlich zerstört werden muss und lässt auferstehen, was des Lebens würdig ist.

Fazit

Mit „Vierzig Gewehre“ ist Samuel Fuller ein grandioser Western gelungen, der die altbackenen Prinzipien des Genres mit derbem Humor persifliert und geraderückt. Er zersetzt den Westernmythos und dazugehörende Klischees mit wütender Stringenz und zeigt jenen Werken, die Gewalt ehrenhaften inszenierten den ausgestreckten Mittelfinger. Mit einer wunderbaren Noir-Visualität bringt Fuller die Figuren an den Rand der pechschwarzen Dunkelheit und lässt selbst die markigsten Männer zu kleinen Jungs werden. Fuller hatte viele Möglichkeiten und Freiheiten, nur das obligatorische Happy-End, das durfte er nicht zerstampfen.

Autor: Levin Günther

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