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Der Taschendieb Skip McCoy (Richard Widmark) erbeutet eine Damenhandtasche, die eine Geheimformel für die Herstellung von Atomwaffen auf Mikrofilm enthält. Damit gerät er zwischen mordende Gangster und die Polizei. Zum Lohn für seine Mithilfe gegen die Schwerverbrecher soll sein Vorstrafenregister gelöscht werden...

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Kritik

Und schon endet die zweite Kategorie von Moviebreaks Noirvember. Dass Polizei greift ein dabei die Geheimtipp-Kategorie abschließt, ist ganz besonders erfreulich. Schließlich steckt eine unglaubliche Geschichte hinter dem Werk. Samuel Fuller, seines Zeichens selbst B-Filmer, aber mit einem unbändigen Talent gesegnet, wurde damals nur belächelt, und doch immer wieder als solider Arbeiter eingestellt. Auch Pickup on South Street, wie Polizei greift ein im Original hieß, wurde nicht vollends ernst genommen - bis man ihn sah. Was Fuller hier nämlich leistet, ist nicht weniger als meisterlich.

So nahm der amerikanische Regisseur, dessen Gesamtwerk - wenn auch oft auf eine untergeordnete Art - dem Kriegsfilm zugeordnet wird, seinen Kritikern sehr schnell den Wind aus den Segeln, indem er so einige Szenen geradezu vorbildlich inszenierte. So zum Beispiel direkt die erste Szene des Films, der Einstieg in die dunkle Welt dieses wunderbaren Noirs. Ein Zug rast durch die Dunkelheit, ein lichtdurchströmter Strich im freien Raum. Viele Menschen stehen dicht gedrängt und beschäftigen sich damit, in sich hinein zu schweigen. Niemand kommuniziert, nur der Zug quietscht und ächzt, rast und klappert. Niemand spricht, nur die Blicke erzählen von den Leben der Figuren, von ihrer Leere, ihrer Hoffnung und der Trägheit berichten. Blicke, die mal auf ein Ziel und mal absichtlich davon weggerichtet sind. Außerhalb ist hier bedrückte Ruhe zu beobachten, innerlich jedoch brodelt es. Der hübschen Dame im Zug werden natürlich wichtige Dokumente gestohlen - und wenn sie dann am Zielort ist und alles auffällt, wird das leere weite Haus (vor der Realisierung) auf einmal überaus dicht bevölkert (nach der Realisierung). Von Männern in dunklen Anzügen und tiefen Hutkrempen.

So dauert es ganze dreieinhalb Minuten, bis in Pickup on South Street, wie der Film im Original heißt, das erste Wort gesprochen wird. Sobald dann gesprochen wird, sind die Worte und Sätze Noir-typisch ausgelegt. Die Kleinkriminellen lügen was das Zeug hält und geben keinen Zentimeter nach; sie sind zu gewieft, um sich einlullen zu lassen. Die Polizisten lassen sich schmieren und von den Informanten um den Finger wickeln; sie sind zu schlau, um sich an Regeln zu halten. Sie schlagen die Kleinkriminellen, wenn sie frech werden; sie sind zu schlau, um ihnen komplett das Ruder der Konversation zu überlassen. Es geht nicht nur um eine persönliche Zurechtweisung, es geht um die Macht, die die Polizisten noch ausstrahlen müssen. Das macht sie nicht gerade sympathischer. Fuller inszeniert die Polizei absichtlich als eher unsympathischen Haufen, als Teil eines Systems, dass vielen Menschen erschwert. Polizei greift ein ist ein durchaus politisch und gesellschaftlich brisanter Film geworden, der das Staatsklima während der McCarthy-Ära in Amerika einfängt und in all seiner manischen Widerwärtigkeit offenbart.

Die Finger eines Künstlers werden Skip McCoy bescheinigt (gespielt von Richard Widmark, der auch in Filmen von John Ford, Otto Preminger und Robert Wise zugegen war). Und als ein Künstler sieht Skip - dessen Name ebenso viel über sein Leben erzählt, wie seine Bretterbude am Rande der Stadt, nur durch zwei kleine Planken zu erreichen. Er ist ein Außenseiter, ein Tunichtgut, ein Kleinkrimineller eben. Ein Mann, der stiehlt, um zu überleben. Kunst und eine eher ehrlose Tätigkeit wie die von Skip sollten dabei nicht Hand in Hand gehen - und dennoch tun sie es. Vielleicht ist das aber der Kern des ganzen Films, den Fuller in dieser Szene genau in die Mitte des Werkes einbaut. Die Erkenntnis, dass Gut und Böse, bzw. Moralität und Amoralität ganz einfach ausgehebelt werden, wenn das System derart verrottet ist. Kunst und Diebstahl, oder Verbrechen im weiteren Sinne, haben beiderlei vielleicht nicht die primäre Aufgabe, aber den Effekt, auf Missstände hinzuweisen. Beide besetzen eine notwendige Position. Wenn dann ab der Hälfte des Films die Politik immer intensiver mitmischt, bekommt das Leben der Figuren eine neue Wendung - und damit eskaliert die Gewalt, die in Polizei greift ein omnipräsent ist, immer weiter.

Fazit

„You just talked yourself into an early grave.“ Fehler sind unverzeihlich in der South Street und der Regisseur Samuel Fuller bewegt sich in ihr so frei und mutig, als wäre ein Dämon hinter ihm her. Wahrscheinlich war er das auch. „Polizei greift ein“ oder auch „Pickup on South Street“ ist ein Werk über die Macht des Films, das Fullers Können mit Bravour unter Beweis stellt und mit einer wahnsinnig stringenten Dramaturgie gesegnet ist. Die großartigen Suspense-Szenen und vielschichtigen und intelligenten visuellen Mittel, derer Fuller sich bedient, fügen sich perfekt in die schummerige Atmosphäre des Films. Das, in Verbindung mit der rohen Energie, die der Regisseur in den Film bringt, die in ihrer Härte und Kompromisslosigkeit wahrlich überraschen, ist dann wohl das Rezept für einen nahezu perfekten Film Noir.

Autor: Levin Günther

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