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Frank Barnes (Denzel Washington), ein erfahrener und abgeklärter Lokführer, ist mit seinem neuen Kollegen, dem jungen Will Colson (Chris Pine) unterwegs, als ihn eine Nachricht ereilt, die ihn vor eine schwere Entscheidung stellt. Auf seiner Strecke befindet sich ein Zug, der unbemannt und beladen mit hochgiftigen Chemikalien durch ein dicht besiedeltes Gebiet rast. Der Zug ist aufgrund defekter Bremsen nicht nur ein unaufhaltsames Gefährt, sondern seine Ladung macht ihn zu einer Bombe von der Größe des Chrysler Buildings. Alle Versuche ihn zu stoppen schlugen bereits fehl, so dass Frank und der unerfahrene Neuling Will die Einzigen sind, die die drohende Katastrophe noch stoppen könnten. Ein atemberaubender Wettlauf mit der Zeit beginnt in Unstoppable – Ausser Kontrolle.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Man blickt inzwischen mit Wehmut auf „Unstoppable – Außer Kontrolle“, dem letzten Film von Tony Scott („Mann unter Feuer“), bevor er sich im Jahre 2012 tragisch durch einen Sprung von der Vincent Thomas Bridge das Leben genommen hat. Für ein Vermächtnis fehlt es „Unstoppable – Außer Kontrolle“ selbstverständlich an Glanz und Grandezza, definitiv ist dies kein Film, der eine Karriere wohl wissentlich finalisieren sollte. Und Tony Scotts Schaffen ist schließlich kein unscheinbares, sondern gepickt mit größeren und kleineren Genre-Perlen („Begierde“ mit David Bowie darf sich an dieser Stelle rubriziert und besonders hervorgehoben fühlen), die noch heute verzücken, die packen und rütteln, weil sie es lieben, im Inferno der Leinwand ihre Katharsis zu finden. „Unstoppable – Außer Kontrolle“ ist jedoch natürlich kein „True Romance“, und ebenso wenig ist er ein „Der Staatsfeind Nr. 1“.

Kultstatus blieb ihm mit Ansage verwehrt, aber es steht dennoch außer Frage, dass es sich auch hierbei um einen Film handelt, der im angenehmen Sinne der Solidität Dampf zu machen versteht. Wir müssen uns indes nicht damit beschäftigten, physikalische Gesetzmäßigkeiten auf ihre logische Akkuratesse und Warscheinlichkeit abzuklopfen, wenn wir hören, dass ein führerloser Güterzug („Die Entführung der Pelham 123“ klingelt leise im Hinterkopf) zum Antagonisten in „Unstoppable – Außer Kontrolle“ erhoben wird. Und beinahe noch müßiger ist es im nächsten Schritt, Verknüpfungen zwischen „Unstoppable – Außer Kontrolle“ und Andrei Konchalovskys Meisterwerk „Express in die Hölle“ zu forcieren – dafür geht Tony Scotts letztem Streich schlicht und ergreifend die philosophisch-existenzialistische Grundierung ab. Als permanent nach vorne ausgerichtetes Blockbuster-Hochgeschwindigkeits-Format macht sich „Unstoppable – Außer Kontrolle“ aber partiell verdient.

Wenn der stählerne – und aus dramaturgischen Gründen selbstverständlich auch mit toxischen Chemikalien beladene – Koloss losbricht, um sich zusehends in einen regelrechten Todesrausch auf Gleisen zu eifern, wird „Unstoppable – Außer Kontrolle“ zur formalästhetischen Hymne auf die Energie, die Kraft, die Geschwindigkeit. Auch hier sind es wieder die typisch spezifischen Manierismen und Trademarks des Regisseurs, die unvermittelten Reißschwenks, das impulsive Schnittgewitter, die hektischen Zooms, die die Dichotomie zwischen Form und Inhalt sichtbar auseinanderklaffen lassen. Wo inszenatorisch elektromagnetische Felder wabern, fällt die Charakterdynamik in der Handlungstechnik müden Buddy-Movie-Allgemeinplätzen zum Opfer: Zwei herzensgute Vertreter unterschiedlicher Blue-Collar-Generationen treffen da aufeinander.

Denzel Washington („Training Day“) darf gewohnt charismatisch den rational-abgeklärten alten Hasen geben, während Chris Pine („Stark Trek Into Darkness“) den Frischling mimt, der den hiesigen Job als Assistent des Lokführers vor allem dank ausgewogener Vitamin-B-Kondition erhalten hat – ganz zum Unmut der anderen Mitarbeiter. Washington und Pine sind namhafte Hülle, die vom Spiel auf der Affekt-Klaviatur dirigiert und funktionalisiert werden und gleichwohl als Ankerpunkte der Narration herhalten, was „Unstoppable – Außer Kontrolle“ ermöglicht, von ihrem Standpunkt aus die entschiedenen Sets anzusteuern (wie zum Beispiel die Rangierzentrale, in der Medienberichte das Spektakel auch noch einmal rekapitulieren dürfen). Die Entwicklung der beiden Working-Class-Heroes scheint der überhasteten Taktung des Films in Gänze abträglich, was den Film zwar schnell, aber infolge nicht erinnerungswürdig macht.

Fazit

Mit „Unstoppable – Außer Kontrolle“ verabschiedet sich Tony Scott unversehens von der großen Bühne. Der enegergetriebene Actionfilm gefällt durch seine kraftstrotzende Montage, während ihm inhaltlich die klare Pointierung seiner beiden gut besetzten Hauptcharaktere schmerzlich abgeht. Ein solider Blockbuster, jedenfalls inszenatorisch, aber ein doch unbefriedigendes Vermächtnis.

Autor: Pascal Reis

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