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Clarence feiert seinen Geburtstag – allein im Kino. Doch dann setzt sich die sexy Blondine Alabama neben ihn, und keine 24 Stunden später sind die beiden verheiratet. Dass Alabama als Callgirl anschafft, stört Clarence wenig. Kurzerhand legt er Alabamas brutalen Zuhälter um. Und mit dem zufällig erbeuteten Rauschgiftgeld machen sich die beiden auf Hochzeitsreise – im Schlepptau Mafia, Polizei und die Leibwächter eines ziemlich angepissten Filmproduzenten.
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Kritik

„Ich wette, du hast geglaubt, heute ist dein Tag.“

Bevor Quentin Tarantino (Inglourious Basterds) zu einem der größten Pastiche-Auteure unserer Zeit aufstiegt, verdiente sich der Mann mit der markanten Kinnpartie sein Geld als Drehbuchautor. Faszinierend erweist sich anhand dieser, recht alltäglichen, Information der Umstand, dass die Filme, die sich einem Skript von Tarantino bedienten, letztlich auch immer nach Tarantino schmeckten, obgleich der Kult-Regisseur selbst auf dem Regie nie Platz genommen hat, um seine exzentrische Vision in Szene zu gießen. Führt man sich nun True Romance zu Gemüte – und der Film gehört inzwischen zir cineastischen Allgemeinbildung -, steckt der künstlerische Geist des Quentin Tarantino in jedem einzelnen Frame, was zum einen auf die ausgesprochen empathische Schreibe des Meisters der Aneignung zurückzuführen ist, auf der anderen Seite aber natürlich Regisseur Tony Scott (Last Boy Scout) auf den Plan ruft.

Der Mann, der sich im Jahre 2012 mit einem Sprung von der Vincent Thomas Bridge von Los Angeles suizidierte, schien offenbar der absolut Richtige gewesen zu sein, um den vorlagengebenden (Wunsch-)Vorstellungen Tarantinos gerecht zu werden. Wenn man so möchte, dann lässt sich in True Romance die formvollendete Verschmelzung zweier Filmschaffender beobachten. Clarence Worley (Christian Slater, Hard Rain) ist ein Charakter, wie man ihn sich wohl nur von Tarantino vorstellen kann: Ein cinephiler Elvis-Verfechter, der zu der Sorte Mensch gehört, die an ihrem Geburtstag alleine ins Kino gehen, weil sie hier nie Gefahr laufen würden, einsam zu werden. Dieses Gefühl der Einsamkeit, welches im Flackern des Projektors aufgelöst wird, bildet zu Anfang noch einen Kontrapunkt im Lokalkolorit eines verschneiten Detroit. Die Straßen sind leergefegt, die Kälte wirkt gegenständlich, nur die Obdachlosen der Industrie-Metropole zwängen sich um eine brennende Mülltonne.

Im schummerigen Dunkel des wenig besuchten Lichtspielhauses trifft Clarence auf die entzückende Alabama (Patricia Arquette, Lost Highway), die ihr Popcorn gleich eines schicksalhaften Winks geradewegs über Clarence verkippt, nur wurde dieses Schicksal in hiesigem Falle von Clarences Chef bemüht, der seinem treuen Angestellten eine Freude machen wollte. Die Konditionen des Jobs allerdings rücken bald schon in weite Ferne, Clarence und Alabama verlieben sich Hals über Kopf ineinander und finden innerhalb der Zuschauerreihen den Auftakt einer feurigen Leidenschaft, wie sie sonst eigentlich nur auf der Leinwand stattfindet. Was danach folgt, ist vor allem eine Sache: Turbulent. Und Tony Scott verschwendet keine einzige Minute damit, den Szenen den für ihn charakteristischen Stil vorzuenthalten: Ausgeprägte Lichtverhältnisse, schnelle Schnitte und dynamische Kameraschwenks verstehen sich als ästhetisches Aushängeschild der Scott'schen Bildsprache.

Man merkt dem Drehbuch von Quentin Tarantino und der Regie von Tony Sott kontinuierlich an, dass hier zwei Kinder der Popkultur zusammengefunden haben. Der Referenzreichtum ist dementsprechend exorbitant, ob in Bild, Ton oder Dialog. True Romance allerdings ist kein Ausstellungskino jener (Quer-)Verweise, sondern ein Film, der sein eigenes Medium inbrünstig liebt. Und diese Inbrunst lässt sich auch auf das Erwachsenen-Märchen transferieren, in dem Clarence und Alabama die Hauptrollen ausfüllen: Ihre Romanze ist so einnehmend, weil sie mit offenen Karten spielt. Sie ist wild, ungebremst und destillierte ihren Charme aus dem hemmungslosen Temperament, mit dem sich die impulsive Inszenierung artikuliert. True Romance glaubt an die Macht der Übertreibung, des Überspannens, explodiert mit Leidenschaft als hochglanzpolierter Comic und gibt sich gleichwohl hoffnungslos romantisch. Und sicherlich ist das ab und an pubertär. Diese Lebensgewandtheit, die dieser Film jedoch ausstrahlt, ist noch immer entwaffnend betörend.

Fazit

Längst schon zum Kult gereift, bereitet "True Romance" auch heute noch viel Freude, haben Tony Scott und Quentin Tarantino hier doch ein Werk geschaffen, welches augenscheinlich für immer jung bleibt. Mit einem sensationellen Cast, einigen wunderbar zitierwürdigen Dialogsequenzen und einer stürmischen Romanze, die deshalb so charmant ist, weil sie immer mit offenen Karten spielt, bleibt "True Romance", trotz einiger pubertärer Querschläger, eine stylisch-hemmungslose Pflichtveranstaltung.

Autor: Pascal Reis

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