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Inhalt

24 Stunden in Los Angeles. Der ganz normale Gangsteralltag. Die Auftragskiller Vincent Vega und Jules Winnfield müssen eine ungewollte Leiche beseitigen, das Pärchen Pumpkin und Honey Bunny rauben ein Restaurant aus und Boxer Butch muss nach einem geplatzten Deal schnell die Stadt verlassen. In drei geschickt miteinander verwobenen Episoden wird die Geschichte von einem Dutzend Kriminellen erzählt, deren Wege sich wie zufällig kreuzen.

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Kritik

Regisseur und Drehbuchautor Quentin Tarantino sah jedoch in den Gangstern scheinbar nicht die adretten, Anzug-tragenden, willigen Sklaven. Bereits in seinem Debütfilm „Reservoir Dogs“ (1992), zeichnete Tarantino die mordenden Halunken nicht nach dem altbewährten, typischen Mainstream-Hollywood- Muster, sondern zeigte, dass diese auch ein Leben haben. Ein Leben mit Freunden, Hobbys und anderen trivialen Tätigkeiten. Unvergesslich ist hier beispielsweise die Szene in dem Restaurant, worin alle Gangster an einem Tisch sitzen und über Madonnas Song „Like A Virgin“ und über den Sinn von Trinkgeld diskutieren.

Mit seinem zweiten Werk „Pulp Fiction“ (1994) geht Tarantino vollends auf die Gangster ein, zeigt sie als normale Menschen, die mit Freunden über substanzlose Banalitäten reden, sich über die sexuelle Bedeutung von Fußmassagen streiten oder über Schweinefleisch scherzen. In Tarantinos Kultfilm, sind so die Gangster der Kern der Geschichte, nicht das Geschäft, nicht der berühmte und geheimnisvolle Koffer, sondern die Gangster.

Der Film beginnt mit den parallelen Paar Pumpkin (Tim Roth) und Honey Bunny (Amanda Plummer), wie sie in einem Restaurant sitzen und reden. Vier Minuten lang. „Wie, die reden da nur?“, möchten manche explosion- und actiongesättigten „Filmfans“ jetzt denken, jedoch ist dieser Dialog, und eigentlich jeder andere Dialog im Film, einzigartig, sodass man wie gebannt auf den Bildschirm glotzt. Pumpkin und Honey Bunny reden über Banküberfälle, die mithilfe eines Mobiltelefons durchgeführt wurden und wundern sich, warum Restaurants niemals ausgeraubt werden. Die beiden Schmalspurganoven zücken die Schießeisen und plötzlich flimmert der geld- orangene „Pulp Fiction“- Schriftzug auf dunklem Hintergrund über den Bildschirm und der akustisch penetrante Vorspann läuft. Mitten im Vorspann, als noch die Namen der Darsteller aufgelistet werden, bricht die Musik ab, man hört das schrille und nervig- typische „Tune“- Geräusch eines Radios, wenn man eine Frequenz einstellt und es läuft ein Song aus den 70ern. Die beiden Gangster Jules (Samuel L. Jackson) und Vincent (John Travolta) werden eingeblendet, in schicken Anzügen, wie sie im Auto durch die Stadt fahren und über den legalen Gebrauch von Haschisch in Amsterdam, über französische McDonald’ s, über europäische Essgewohnheiten und das metrische System Witze reißen.

Auch bei diesem Dialog ist der Zuschauer wie gefesselt. Man lauscht den Stimmen dieser beiden erwachsenen Männer, die über irgendwelche banalen Dinge schwadronieren. Eine äußerst groteske und paradoxe Situation. Zwei Gangster, die über solche Dinge reden. Und tatsächlich ist das Groteske ein starkes und wichtiges Stilmittel in Tarantinos Film. Man wird in das kalte Wasser geworfen. Ohne jegliche Vorkenntnisse sieht man, wie diese Personen über scheinbar zusammenhanglose, willkürliche Themen plappern. Als Zuschauer fragt man nicht nach, warum sie über dieses Thema reden. Der Zuschauer fragt auch nicht nach, wer diese Leute sind. So sehr ist man gebannt von dem Witz und der Unsinnigkeit der Dialoge.

Jules und Vincent waren auf dem Weg, einen Koffer aus einer Wohnung zu holen, dieses Vorhaben endet allerdings in einem Massaker. Zudem führt Vincent auf Geheiß seines Bosses Marcellus Wallace (Ving Rhames) dessen Frau Mia (Uma Thurman) in ein durchgeknalltes Tanzlokal aus, doch auch dieser „Zeitvertreib“, wie Vincent es nennt, endet in einem Fiasko. Bereits zuvor hatte der Boxer Butch Coolidge (Bruce Willis) seinen Kampf an Marcellus Wallace verkauft, schlägt im Kampf seinen Gegner jedoch tot, weswegen der schwarze Hüne nun an seinen Fersen hängt. Als er gerade mit seiner Freundin Fabienne (Maria de Medeiros) auf eine Pazifik- Insel flüchten will, fällt ihm die Abwesenheit seiner goldenen Uhr auf. Diese eine goldene Uhr, die sein Uhrgroßvater kaufte und immer weiter vererbt wurde.

Die Handlung entfaltet sich in einem episodischen Stil. Tarantino erzählt die Geschichte dieser Figuren und lässt sie am Ende akkurat und zielsicher zusammenlaufen. Fast schon, wie ein alter artistischer Meister seines Faches, wie ein Puppenspieler möchte man denken, spielt der damals 31- jährige mit Raum und Zeit und verlagert die Handlungen und Charaktere locker, elegant und ohne Probleme hin und her, sodass in dem Tohuwabohu immer noch eine messerscharfe Struktur erkennbar ist. Unnachahmlich an „Pulp Fiction“ sind jedoch seine Dialoge. Drehbuchautor Tarantino kombiniert schroffen Gangsterslang mit scharfsinnigem Esprit und klugen Witz. Jeder Dialog hat eine Struktur, ein individuelles und unverkennbares Gerüst, aber vor allem beispiellos ist das Timing der gewitzten Pointen und des schwarzen, grotesken Humors. Seit „Pulp Fiction“ sind Brutalo- Gangster lustig und lachhaft, wenn sie in schicken Anzügen Aufträge abarbeiten, über Gott und die Welt philosophieren und immer einen flapsigen Spruch auf Lager haben.

Eben durch solche sinnentleerte und belanglose Dialoge wird „Pulp Fiction“ über den großen Teil des Films geführt, zum Beispiel über die Definition eines Wunders oder über das Gefühl beim Töten. Nur wenige der Dialoge sind wirklich wichtig für das Verständnis der Handlung, aber genau durch eben diese hat „Pulp Fiction“ einen unverwechselbaren, selbstreferenziellen Stil, der sich nicht den üblichen Hollywood- Konventionen beugt, sondern diese fast schon über den Haufen rennt. „Unverwechselbar“ ist ein gutes Stichwort. Fast jeder gesprochene Satz in diesem Film ist als Referenz auffassbar. Ein Film, der immer besser wird, je öfter man ihn sieht, da man die Dialoge immer besser mitsprechen kann. Die berühmte „Sag noch einmal ‘Was’!“Szene ist wohl legendär und das „Ezekiel 25, 17“- Bibelzitat von Jules wohl eines der am häufigsten zitierten und erinnerungswürdigsten Momente in der Filmgeschichte. Mindestens genauso prominent ist die „Hamburger“-, die „Fußmassagen“- und die „Kopfschuss“- Szene. Unverwechselbar! Individuell! Einzigartig!

Ebenso beachtenswert ist die fantastische Soundkulisse des Films. Soundeffekte gibt es keine, auch keine eigens für den Film komponierten Stücke. Die Musikuntermalung besteht ausschließlich aus Songs von Soul-, Country- bis Funk- Musik aus den 50ern, 60ern und 70ern. Wenn man die Musik hören würde, ohne den Film gekannt zu haben, würden sich viele Pop-, Rap- und Metal- überhäufte Jugendliche desinteressiert abwenden. Aber durch die optischen und visuellen Eindrücke, die man erhält, wenn man die Lieder im Film hört, florieren diese Songs zu wahren Zeugen der Popkultur der 90er Jahre. Wenn man diesen Stücken horcht, suggeriert man automatisch die dazugehörige charakteristische Szene. Sie unterstreichen perfekt die sehr stimmige Szenerie der Untergrund- Kriminalität und folgt unseren beiden ulkigen Antihelden auf ihrem Trip von einem Schlamassel ins Nächste.

Die schauspielerischen Leistungen werden dem Filmgeschehen mehr als gerecht. Erst durch eben diese wird der Film zu dem, was er ist. Sei es John Travolta als den tanzbeinschwingenden Pessimisten, oder Samuel L. Jackson als den über Gott philosophierenden und Bibel- zitierenden Killer. Diese beiden Schauspieler tragen die meiste Zeit über den Film mit Bravour und John Travolta katapultierte sich damit erneut in die Elite der Hollywood- Darsteller und Samuel L. Jackson wurde mit seinen 46 Jahren endlich weltberühmt und ist seitdem der eine und einzig wahre Samuel L. Jackson. Beide Schauspieler wurden für ihre Darstellungen sogar für den Oscar nominiert (Bester Hauptdarsteller, Bester Nebendarsteller), mussten sich jedoch Tom Hanks (Forrest Gump) und Martin Landau (Ed Wood) geschlagen geben.

Auch Bruce Willis zeigte nach zwei „Die Hard“- Teilen, dass er durchaus anspruchsvollere Rollen spielen kann und wurde auch immer mehr für solche engagiert (Four Rooms, 12 Monkeys, The Sixth Sense). Der Kampf ums Überleben zwischen Butch und Marcellus Wallace, wird zu einer absoluten Lachnummer degradiert, nachdem die wohl unerwartete und unwahrscheinlichste aller Fälle eingetreten ist und gehört sowohl zu den lustigsten, als auch zu den groteskesten und verstörenden Momenten im Film. Allein schon, dass dieser wahnsinnige Spagat gelingt, zeugt von der Klasse der Schauspieler und des Regisseurs. Genauso brillant spielen all die Nebendarsteller ihre Rolle. Von Uma Thurman als koksschniefende Gangster- Braut über Harvey Keitel als der pedantische und ultra- coole Cleaner, über Tim Roth und Amanda Plummer als durchgeknallte Kleinganoven, über Eric Stoltz und Rosanna Arquette als drogendealendes Ehepaar, oder aber auch Christopher Walken als Kriegsveteran und Ving Rhames als großer, schwarzer Gangster- Boss und alle anderen, die in irgendeiner Form auftauchen. Allesamt machen einen superben Job und verdienen ein großes Lob. Selbst Quentin Tarantino macht einen guten Eindruck als Schauspieler, obwohl er keiner ist.

Fazit

Was ist denn nun dieses „Pulp Fiction“? Ist es ein Gangster- Film? Ist es ein Drama, oder eine Komödie? Eigentlich ist es von allem etwas, aber vor allem ist es richtungsweisend. Quentin Tarantino setzte mit seinem erst zweiten Film neue Akzente. Er durchleuchtete das Leben zweier Gangsters und zeigte, dass diese eben auch nur Menschen sind. Nicht, dass diese an ihrem Job als Mörder und Erpresser zerbrechen, sondern dass sie Witze reißen, dass sie wie Klatschweiber tratschen, dass sie Hobbys nachgehen und dass sie sich so verhalten, wie ein gewöhnlicher „Alltagsmensch“ auch. Mit völlig grotesken Dialogen, tief-schwarzem Humor und absurden Wendungen entfaltet der Film eine absolut bahnbrechende und brillante Handlung, die mit ihrer deterministischen, chaotischen Erzählweise alle Hollywood- Konventionen aus dem Weg fegt. Dieses Schema wurde danach oft kopiert, aber nie erreicht. „Pulp Fiction“ ist und bleibt ein Relikt aus den 90ern, wenn nicht sogar das Musterbeispiel eines 90er-Films. Denn erst nach „Pulp Fiction“ folgten die Filme, die wir heutzutage als „typischen 90er- Film“ („Fight Club“, „Fargo“, „The Big Lebowski“) bezeichnen. Dieser Film definierte einen neuen Standard und darf ohne Frage als moderner Klassiker bezeichnet werden.

Autor: Kadir Güngör

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