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Inhalt

Vergeblich versucht der Ex-Gangster Leo (Mark Wahlberg) nach seiner Freilassung ein neues Leben zu beginnen. Doch immer wieder holt ihn seine Vergangenheit ein. Die Umstände zwingen ihn, ein letztes Mal an einer illegalen Aktion teilzunehmen… Als er dann fälschlicherweise eines Mordes angeklagt wird, beschließt er, das Schweigen zu brechen – und stellt fest, dass niemand an der Wahrheit interessiert ist! Politiker, Finanzbosse und Familienbanden haben ihr korruptes Netz über ganz New York gespannt. Hat Leo eine Chance zu entkommen, oder muss er ihr gefährliches Spiel mitspielen?
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Kritik

„Von jetzt an gibt es nur noch gute Tage für uns.“

Von wegen. Es ist der Anfang vom Ende. Selbst als nach gerade mal 10 Minuten diese hoffnungsvollen Worte gesprochen werden dürfte es den meisten Zuschauern schon klar sein, obwohl ja noch gar nicht viel passiert ist. Der Ton macht die Musik und der von The Yards – Im Hinterhof der Macht ist bereits jetzt die Ouvertüre eines einzigen, unverkennbaren Trauerlieds. In fast epischem Ausmaß. So trist, so unausweichlich und obwohl man das Unheil am Horizont schon längst aufziehen sieht, unfähig sich dagegen zu stemmen. Oder eher das ernsthaft zu wollen. Man selbst ist ja nicht involviert. Lassen wir sie in ihr Unheil rennen, wir sitzen in der ersten Reihe und „genießen“ es (in der hier praktizierten Qualität sind die Anführungszeichen nur eine moralische Anstandsfußnote).

In Zeiten, in denen jeder unbedeutende Eintagsfliegen-Ramsch ohne echte Substanz teilweise knüppelhart abgefeiert wird erscheint es noch um einiges absurder als ohnehin schon, dass ein Film wie The Yards – Im Hinterhof der Macht niemals die ihm gebührende Anerkennung erfuhr. Damals wie heute nicht. Seinerzeit war der erst zweite Spielfilm vom James Gray – unglaubliche 6 Jahre nach seinem hervorragendem Debüt Little Odessa – Eiskalt wie der Tod – ein Desaster, besonders kommerziell. Mit einem Budget von etwa 20 Millionen $ ausgestattet spielte er vernichtenden 900.000 $ an den US-Kinokassen ein, wurde dementsprechend kaum außerhalb der Landesgrenzen großartig vertrieben (bei uns erschien er erst 2003 sang- und klanglos im DVD-Regal) und erntete beim Start erstaunlich mäßige Kritiken. Erstaunlich auch deshalb, da James Gray beim Festival von Cannes gleichzeitig als bester Regisseur nominiert war. Dabei ist dieser Film einer der wenigen, legitimen Erben von Francis Ford Coppola’s Jahrhundertfilm Der Pate. Ernsthaft! Noch eher als das Schaffen von Martin Scorsese (GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia), der machte immer schon sein eigenes Ding.

Das organisierte Verbrechen diskutiert nicht mehr in verrauchten Hinterzimmern über die Aufteilung oder Notwendigkeit von Glücksspiel- oder Drogenhandel-Territorien, es nimmt an legalen Wettbewerbsausschreibungen teil. Über Bremsen, Kupplungen und all den anderen langweiligen, aber täglich unverzichtbaren Scheiß im U-Bahn-Verkehr. Dort sitzen die modernen Mafiosi und schachern mit Politikern, mittleren Beamten oder sogar dem niederen Wachmann in der Nachtschicht um die Gunst der Stunde, denn das Geld liegt auf den Gleisen. Ein hart umkämpftes Geschäft, das Bauernopfer unweigerlich miteinbezieht. Eines von ihnen wird der wegen Autodiebstahls frisch aus dem Knast entlassene Leo (Mark Wahlberg, Boogie Nights). Von seinem Fehltritt belehrt und auch wegen seiner schwer kranken Mutter (Ellen Burstyn, Der Exorzist) motiviert einen ehrlichen Neuanfang zu starten kommt ihm das Jobangebot des neuen Manns seiner Tante (Faye Dunaway, Little Big Man) gerade recht. Frank (James Caan, - na so was – Der Pate) ist der inoffizielle U-Bahn-König der Stadt. Seine Firma bekommt alle lukrativen Aufträge zugewiesen, was aber nicht nur geringfügig seiner effektiven „Marketing-Abteilung“ zuzuschreiben ist. Deren Frontmann: Willie (Joaquin Phoenix, The Master). Verlobter von Frank’s Stieftochter Erica (Charlize Theron, Mad Max: Fury Road), Sandkastenfreund von Leo und insgeheim schon der Thronfolger des korrupten, staatlich finanzierten Imperiums.

Eine sichere, aber kaum legale Sache, die durch eine Dummheit plötzlich ganz heftig ins Straucheln gerät. Und alles in Frage stellt, wofür vorher so großkotzig die Hand ins Feuer gelegt wurde. Nicht Blut ist dicker als Wasser, nur Geld, Macht und besonders die eigene Haut sind es. Wenn eines davon bedroht wird, sind alle Treuschwüre nur Schall und Rauch. Freundschaft, Familie, Loyalität; alles schön, gut und selbstredend immer deren immensen Bedeutung kein Wort zu wenig bedacht, aber wenn plötzlich die Kacke am Dampfen ist…?! Gekonnt weiß James Gray diese oft verwendete Prämisse für sich einzusetzen. Ihr die Tragweite einer echten Tragödie von epischem, dennoch geerdetem und somit angenehm dezent-realistischem Ausmaß zu geben bzw. quasi zu bewahren. Die vernichtende Ausrichtung der Ereignisse ist nie überkonstruiert, immer eine konsequente Schlussfolgerung. A ergibt B, ergibt C…und weil niemand die Reißleihen zieht auch D und E. Die einzigen, bewussten (Wahlberg) oder unbewussten (Theron, Burstyn) Schafe im Familien-Wolfspelz müssen das auslöffeln, was ihnen die der Rest einbrockt. Obgleich jeder – egal ob „gut“ oder „böse“ - mit seinen Entscheidungen durchaus hadert, egal wie verwerflich sie letztlich sind. Nichts wird eiskalt aus der Hüfte geschossen, es ist die perverse Logik des Geschäfts wie der Emotionen. Die sich nicht ausklammern lassen, speziell nicht in dieser prekären Lage.

Der Plot von The Yards – Im Hinterhof der Macht mag gewohnt (nicht zu verwechseln mit gewöhnlich) und erprobt klingen, ist aber weit mehr als das. Selten gab es so eine differenzierte, Figuren-orientierte, moderne Gangsterfilmvariante zu sehen, die klassische Motive auf eindringliche Art und Weise für sich zu interpretieren versteht. Lediglich der ausgerechnet den grandiosen Cast anführende Mark Wahlberg erscheint mit seinem 7-Tage-Regenwetter-Gesicht wie ein Azubi im falschen Betrieb. Aber wenn selbst er das nicht zerspielen kann, dann sollte die Grundsatzfrage über diesen Film nicht mehr zur Debatte stehen. Normalerweise…

Fazit

Ein fantastisches, modernes Familien- wie Gangsterdrama, seinerzeit skandalös gefloppt und nie wieder richtig rehabilitiert. Bedrückend, stilistisch einwandfrei und in praktisch allen Belangen großes Kino. Mit der Ausnahme, dass es sich niemand anschaut. Warum auch immer.  

Autor: Jacko Kunze

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