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Inhalt

Kurz vor seiner geplanten Hochzeit steht das Leben von Johnny am Rande einer Katastrophe - doch er ahnt davon noch nichts: Seine Verlobte Lisa liebt ihn nicht mehr und betrügt ihn heimlich mit seinem besten Freund Mark. Als bei Lisas Mutter Brustkrebs diagnostiziert wird, der Nachbarsjunge Denny (Philip Haldiman) von Dealern bedroht wird, dieser seine Liebe zu Lisa gesteht und Johnny bei seiner Beförderung leer ausgeht, steuert alles auf eine unausweichliche Katastrophe zu.

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Kritik

Wie muss das wohl damals gewesen sein, vor nunmehr gut 15 Jahren, als man noch ohne jede Vorwarnung in den „Genuss“ von Tommy Wiseaus The Room kommen konnte? Inzwischen hat sich dieser Film, der eigentlich nichts mit dem Filmemachen, weder mit dem herkömmlichen, noch mit dem avantgardistischen, zu tun hat, globalen Kultstatus erarbeitet. Vor allem in den Vereinigten Staaten genießen die regelmäßigen Screenings von The RoomHappening-Charakter: Menschen treffen sich, grölen, feiern, lachen und staunen nach wie vor gemeinschaftlich. Und wenn das Publikum so richtig kocht und von Emotionen regelrecht übermannt wird, dann fliegen weiße Plastiklöffel in Richtung Leinwand. Ein ritualisierter Akt, fast schon besinnlich. Man stelle sich dieses Bild in Zeitlupe vor – es könnte geradewegs dem verqueren Schöpfergeist Tommy Wiseaus entwachsen sein.

Warum die Plastiklöffel? Nun, im Film selbst gibt es immer wieder gerahmte Bilder jenes Bestecks zu entdeckt – natürlich bar jeder Begründung, wie alles in diesem Nicht-Film. Die Absenz und Verweigerung von Antworten erklärt auch die kultische Verehrung, die The Room über Jahre zuteil geworden ist. Nicht nur auf inhaltlicher Ebene ist es schwer zu entschlüsseln, worum es der abstrakten Erscheinung namens Tommy Wiseau, selbst ein mensch(?)gewordenes Fragezeichen, dem Produzenten, Hauptdarsteller, Regisseur und Drehbuchautor des Films, hier eigentlich ging; was er aussagen wollte. Eines der großen Rätsel der jüngeren Filmgeschichte ist folgerichtig, wie dieser Un-Film überhaupt realisiert werden konnte. Marginalen Aufschluss darüber gibt zum Teil zwar der lesenswerte Roman The Disaster Artist, verfasst von Greg Sestero und Tom Bissell und kürzlich von James Franco adaptiert worden. Wie Tommy Wiseau jedoch ein Budget von 6 Millionen US-Dollar auftreiben konnte, bleibt fraglich.

Genauso wie das Alter und die Herkunft des Nichtskönners in Personalunion. Wiseau ist so fernab allen Irdischen, seine aus der unförmigen Physiognomie klaffende Exzentrik, sein irritierend-umnachteter Geisterbahncharme, seine konsequent disharmonisch-nuschelnde Betonung von Wörtern, ist faszinierend und verstörend gleichermaßen. Und genau dieses janusköpfige Urteil darf man über The Room fällen: Faszinierend und verstörend. Ein Protokoll des Scheitern, gegenüber dem selbst ein Uwe Boll (Darfur – Der vergessene Krieg) wie ein Filmschaffender wirkt, der immerhin einen Hauch Ahnung davon besaß, dass es Unterschiede in der Brennweite geben könnte. Man muss stark sein, um sich diesen Film wirklich zu Gemüte zu führen. Noch stärker muss man allerdings sein, dem Reiz zu entsagen, sich The Room zu stellen. Um eine Erfahrung ärmer wäre man definitiv, sammelt Wiseaus kinematographischer Totalausfall doch eine der größten künstlerischen Diskrepanzen überhaupt in sich.

Tommy Wiseau hat mit The Room quasi etwas vollbracht, was selbst den schillerndsten Surrealisten, Anarchisten und Nonkonformisten bisher verwehrt geblieben ist: Er hat das Handwerk des Filmemachens in seinem naiven Unvermögen auf die Stunde Null zurückgedreht. The Room ist Kino, so hilflos, grotesk und entsetzlich, als wäre es das erste und einzige Mal. Ein Paradebeispiel intellektueller und technischer Unterfütterung. Nahezu von geisteskranker Unfassbarkeit gezeichnet ist der Umstand, dass Wiseau das ALLES tatsächlich so gemeint hat. Das ALLES, was man nicht einmal in Worte fassen kann, um es zu erklären. Das ALLES, was im Kopf Wiseaus zu einer der epischsten (und frauenfeindlichsten!) amerikanischen Tragödien aller Zeiten heranreifte und in der finalen Umsetzung einem Verbrechen am Medium gleicht. The Room ist der Inbegriff einer fehlgeleiteten, inkompetenten und aufgrund seines abwesenden Bewusstseins gegenüber der eigenen Unfähigkeit berauschenden Auteur-Vision. Lasst die weißen Löffel fliegen.

Fazit

Wie bewertet man einen Film, der sich regulären Bewertungsmaßstäben so rigoros entzieht, wie "The Room"? Geht man ihn vom logischen Standpunkt an, so hat Tommy Wiseau hier sicherlich einen Dolch in den Rücken des Mediums geschlagen. Aber Logik und "The Room"? Dass der von Mysterien umrankte Regisseur, Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Produzent hier tatsächlich eine Vision besaß; wirklich etwas Großes erschaffen wollte, eröffnet den Blick auf eine der größten künstlerischen Diskrepanzen der jüngeren Filmgeschichte. "The Room" ist verstörend und faszinierend zugleich, ein berauschendes Verbrechen. Das Protokoll eines Scheitern, wie man es nur einmal, dafür aber ultimativ hinbekommt.

Autor: Pascal Reis

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