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Jaden ist für einen Sechstklässler äußerst selbstbewusst und ziemlich cool. Was hingegen gar nicht cool ist, ist der Einfall seines Vaters, dass Jaden ihn auf einen Jagdausflug begleiten soll. Das soll das Vater-Sohn-Verhältnis stärken. Und obwohl Jaden sich tausend bessere Sachen ausdenken könnte, die er lieber tun würde, geht er mit.

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Kritik

Wenn Buck (Josh Brolin, No Country for Old Men) seinem zwölfjährigen Sohn Jordan (Montana Jordan, Young Sheldon) feierlich das Repetiergewehr überreicht, welches schon seit Jahrzehnten in der Familie von den Vätern an die Söhne wie ein heiliges Artefakt weitergereicht wird, zeigt Das Vermächtnis des Weißwedelhirschjägers bereits gut auf, wie gefährlich es ist, Traditionen als undurchdringliche Pflichten zu definieren. Ein kluger Mann sagte einmal, dass man keinem Menschen trauen soll, der sein Tun damit rechtfertigt, jenes immer schon so gemacht zu haben. Interessanterweise ist Jody Hills (The Foot Fist Way) erste Kooperation mit der Distributionsplattform Netflix sowohl darauf bedacht, die festgefahrenen Schalen von derlei althergebrachten Verhaltensweisen aufzubrechen, auf der anderen Seite aber durchweht den Film auch eine Galligkeit, die Jody Hill bei Shopping-Center King viel Kritik einbrachte.

Gut, natürlich, die grenzüberschreitende Widerlichkeit, die die zynische Satire mit Seth Rogen (Superbad) anno 2009 bisweilen aufbot, sucht man in Das Vermächtnis der Weißwedelhirschjägers – mehr oder weniger – vergebens. Dafür gelingt es dem Film in einigen Momenten, eine Widersprüchlichkeit aufzufächern, die gerade den Umgang mit Hauptakteur Buck äußerst schwierig darstellt. Der nämlich ist der Star seiner eigenen Jagdvideos, die allesamt von seinem Gefährten Don (Danny McBride, Das ist das Ende der Welt) in Szene gegossen wurden, weil nur er es laut eigener Aussage versteht, wie man Bucks Lächeln einfangen muss, damit es wirklich publikumswirksam ist. Und doch, den Zuschauer beschleicht beim bloßen Anblick Bucks durchaus das Gefühl, dieser Mann könnte ein sympathischer, unkomplizierter Zeitgenosse sein; mit seinem vollkommen überholten Pornobalken unter der Nase und dem unbeschwerten Honigkuchenpferdgrinsen auf den Lippen.

Dass dieses Grinsen aber nur dann ein unbeschwertes ist, wenn er ein Tier mit einem Schuss erlegt hat, zerschlägt jene sympathische Anwandlung für diese Person natürlich von vornherein. In einem der Jagdvideos, die den Zuschauer in der Exposition erwarten, brüstet sich Buck damit, auf seinen jahrelangen Jagdtouren bereits alles geschossen zu haben, was ihm vor die Flinte gekommen ist. Allerdings ist kein Geschöpf so erhaben, wie der titelgebende Weißwedelhirsch. Genau deswegen schnappt sich Buck seinen Sprössling, lässt Don die Kamera führen und zieht hinaus in die Wälder, wo er als Kind bereits sein erstes Wild erlegt hat – und wo Jordan nun selbige Ehre zuteil werden soll. Jody Hill lässt natürlich kaum Zweifel daran, dass dieses Betragen, die Romantisierung  und Glorifizierung der Jagd, keinem gesunden Geist angedeihen kann, aber er nimmt sich auch gleichwohl viel Zeit, den Plan von Buck unkommentiert walten zu lassen.

Die Tragik dieser Figur rührt daher, dass sie im Prinzip alles verloren hat, was von Bedeutung für sie ist und nur der Hergang der Jagd noch eine von Macht geprägte Regung in seinem Inneren freilegt. Im Herzen der Natur indes  angekommen, regeln sich die Dinge alsbald von ganz allein: Jordan ist deutlich mehr an seinem Smartphone interessiert, was die innerfamiliären Spannungen, denen sich Buck entziehen wollte, immer stärker an die Oberfläche kehrt: In der Verweigerung von Bedürfnisbefriedigung, die Jordan ihm entgegenbringt, ist der Trophäensammler immer mehr dazu genötigt, sich mit den Verfehlungen seines Lebens auseinanderzusetzen. Natürlich bemüht Das Vermächtnis des Weißwedelhirschjägers in seinen emotionalen Zuspitzungen des Scheiterns, aus dem sich auch immer eine neue Chance ergibt, dabei einige erzählerische Konventionen, verfällt aber niemals dem Hang zum tonalen Weichspülen.

Die charakterlichen Bruchstellen von Buck nämlich wiegen so schwer, dass sie auch durch ein Wochenende mit seinem Sohn nicht gänzlich bereinigt werden können, was vor allem die letzte Szene akzentuiert, in der Das Vermächtnis des Weißwedelhirschjägers den Zuschauer erst in die Falle des augenscheinlich neuen Bewusstseins von Buck locken möchte, um dann noch einmal eine Finte zu schlagen, die sich mit dem plötzlichen Einsatz des Abspanns in ihrer heimtückischen Fasson richtig entlädt. Und was ist das für ein bitteres Ende für einen Film, in dem sich der Eindruck einer geglückt durchlebten Initiation, die das Leben von Vater und Sohn gleichermaßen prägen wird, als unwirksam herausstellt. Es würde aber zu Jody Hill passen, der Risse im männlichen Souveränitätsgebaren begrüßt und es folgerichtig beherrscht, seine Charaktere mit Tiefgang zu beseelen, den Humor dabei aber niemals vernachlässigt.

Fazit

Dass "Das Vermächtnis des Weißwedelhirschjägers" wirklich funktioniert, liegt vor allem daran, dass Regisseur Jody Hill die Ambivalenz der von Josh Brolin gespielten Hauptfigur niemals verflachen lässt. Tatsächlich schlägt der Film gegen Ende sogar einen gemeinen Haken, den man in Vater-Sohn-Beziehungen in dieser Form lange nicht gesehen hat. "Das Vermächtnis des Weißwedelhirschjägers" verfügt darüber hinaus über ein gesundes Gespür für Humor und Charakter-Momenten und lässt sich gekonnt über die Gefahren von Traditionen, fehlgeleitete Männlichkeit und die Pflicht, Verantwortung übernehmen zu müssen, aus.

Autor: Pascal Reis

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