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Rupert Pupkin hält sich für ein Comedy-Genie, doch leider steht er mit dieser Ansicht ziemlich alleine da. Also entführt er gemeinsam mit der kaum minder neurotischen Stalkerin Masha den berühmten Star-Entertainer Jerry Langford und zwingt ihn, ihm einen Gastauftritt in dessen landesweit ausgestrahlter Fernsehshow zu verschaffen. Entgegen allen Erwartungen (außer denen von Rupert) und zum großen Entsetzen von Langford gerät der Gig zu einem vollen Erfolg.

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Kritik

Wenigstens ein einziges Mal im Rampenlicht stehen, die gesammelte Aufmerksamkeit der Menschen auf sich ziehen und mit stürmischem Applaus gefeiert werden. Dieses Gefühl, endlich die gebührende Aufmerksamkeit dafür zu bekommen, wer man ist und was man verkörpert, dürfte selbst in den eher introvertierten, lieber zurückgezogen lebenden Menschen als dringender Wunsch hin und wieder aufflammen. 

Auch in Rupert Pupkin brennt dieses Verlangen, von den Massen gesehen und wahrgenommen zu werden. Um sich seinen persönlichen Traum zu erfüllen, ist ihm daher keine Unannehmlichkeit zu schade. Als er sich seinem großen Late-Night-Idol Jerry Langford zu Beginn von Martin Scorseses (HexenkesselThe King of Comedy übermäßig aufdrängt, um einen Auftritt in dessen beliebter Show als Stand-up-Comedian zu bekommen, scheint er seinem Ziel plötzlich ganz nahe zu sein. Nach einem Szenenwechsel sitzen beide im Restaurant, wo Jerry großes Interesse an Ruperts Person äußert und ihn fast schon anfleht, sechs Wochen lang in seiner Show als Vertretung einzuspringen. 

Gleichzeitig verdeutlicht Scorsese allerdings noch in derselben Szene, dass diese überraschende Ankündigung eines womöglich erfolgreichen Durchbruchs nicht mehr als Ruperts Fantasie ist, ein Hirngespinst, das sich der Mann wie eine Schauspielprobe selbst vorspricht, während er im Keller steht. Umgeben von Pappaufstellern berühmter Stars wie Marilyn Monroe oder Liza Minnelli hat sich der selbsternannte King of Comedy längst in eine Zwischenwelt begeben, in der sich Realität und Einbildung für ihn kaum noch unterscheiden lassen. 

Dieser subjektiven Perspektive setzt der Regisseur auch seine Zuschauer aus, wenn sie Rupert auf seiner Reise zu Ruhm und Anerkennung folgen. Nimmt man den Protagonisten zunächst noch als komische Nervensäge wahr, der mit seiner schamlosen Art kein noch so großes Fettnäpfchen auslässt, um sich in Situationen voller unbequemer Peinlichkeiten zu manövrieren, entwickelt Scorsese die Figur nach und nach zu einem tragischen Träumer und Verlierer, der von der Gesellschaft missverstanden und unbeachtet bleibt. 

Mit seinem Film war Scorsese der Zeit lange voraus, denn sein Porträt eines Showgeschäfts, das schräge Persönlichkeiten zwischen Verzweiflung und Wahn erst durch den Fleischwolf dreht und schließlich einer voyeuristischen Masse zum Fraß vorwirft, während alteingesessene Größen längst zu ausgebrannten, lebensmüden Abbildern ihrer selbst geworden sind, besitzt eine nahezu prophetische Präzision, die die satirische Schärfe im direkten Vergleich noch überstrahlt. Gemäß dem unter Komikern gerne verbreiteten Grundsatz, dass erst aus der Tragödie eine Komödie entstehen kann, ist Rupert folglich der größte nur vorstellbare Komödiant. 

Robert De Niro (Casino) verkörpert ihn fantastisch als grotesk verzerrten Wiedergänger des ebenfalls von ihm Jahre zuvor gespielten Travis Bickle. Während sich der Protagonist aus Taxi Driver schließlich durch ekstatische Gewaltentladung ein Ventil verschaffen musste, bleibt Rupert nur die Bühne als trauriger Clown. Es ist bezeichnend, dass Scorsese die ganze Zeit über keinen seiner Gags zeigt, denn erst am Ende, wenn die Kameras endlich auf Rupert gerichtet sind, offenbart der King of Comedy in einem markerschütternden Monolog das volle Ausmaß seines Innenlebens, indem er tragische Traumata mit bissigem Galgenhumor kreuzt. 

Als Zuschauer kommt man in diesem Finale von The King of Comedy nicht umhin, sich selbst auch ein Stück weit in Rupert zu erkennen, dem es gelingt, unter erschreckenden Bedingungen eine Art Selbstverwirklichung zu erlangen. In letzter Konsequenz weicht das Spiel zwischen Realität und der Fantasie des Protagonisten schlussendlich einer neuen Ebene. Der Fantasie Amerikas, seiner Star-Besessenheit und der Vergötterung zweifelhafter Vorbilder, die lieber König für eine Nacht sind als ihr Leben lang Trottel zu bleiben.

Fazit

In "The King of Comedy" beschreitet Martin Scorsese auf faszinierende Weise einen schmalen Grat zwischen exzentrischem Künstlerporträt, einem Drama über eine missverstandene Seele am Rand zum psychotischen Wahnsinn und einer bissigen Showbusiness-Satire, die beängstigend prophetische Züge ausstrahlt. Unter den tragisch Gescheiterten markiert Robert De Niros hervorragende Leistung als Rupert Pupkin so etwas wie den traurigsten Clown der Filmgeschichte und der Film selbst eines von Scorseses sicherlich unterschätztesten Werken. 

Autor: Patrick Reinbott

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