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Sam “Ace” Rothstein sorgt dafür, daß in den Casinos von Las Vegas alles gut läuft. Das heißt: die Politiker müssen geschmiert werden, die Spieler dürfen nicht zu viel gewinnen, und die eigenen Kassen werden immer wieder um einige Millionen erleichtert. Tatkräftige Unterstützung erhält der Manager dabei von dem Schläger Nicky Santoro. Als “Ace” sich in die attraktive Prostitiuierte Ginger McKenna verliebt, beginnen die Dinge außer Kontrolle zu geraten. Denn Ginger ist nicht nur drogen-, sondern auch extrem geltungssüchtig.

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Kritik

„Spürst du mich in deiner Magengrube?“

Eine Feuerbrunst bringt ihn zum Vorschau, den Namen des Regisseurs: Martin Scorsese. Schwarze Letter, inmitten eines infernalischen Orkans, der sich über den gesamten Bildschirm erstreckt und auch Sam Rothstein (Robert De Niro, „Die durch die Hölle gehen“) in die Höhe gerissen hat. Unter den Sitzen seines Cadillacs wurden Sprengsätze angebracht, die den Kasinomanager eigentlich ins Jenseits befördern hätten sollen – Der Plan ging in die Hose, die Drahtzieher dieses Attentats allerdings werden von Scorsese, regelrecht on fire agierend, erst in knappen 170 Minuten später zur Schlachtbank geführt. Nachdem sich der Meisterregisseur im Jahre 1993 noch mit dem melodramatischen Kostümfilm „Zeit der Unschuld“ beschäftigt hat, war „Casino“ wieder ein Film, auf dem unweigerlich der markante Scorsese-Stempel prangte: Jedes einzelne Frame schreit geradezu seine stilistische Königklasse aus, und dass dazu auch noch Robert De Niro und Joe Pesci („Es war einmal in Amerika“) wieder mit an Bord waren, versetzte die Fans des italoamerikanischen Filmemachers selbstverständlich in unkontrollierte Hochgefühle.

Zu Recht, in den 1990er Jahren war Martin Scorsese noch ein Garant für großes Kino – und nichts anderes ist auch „Casino“ geworden. Großes Kino, ein Erlebnis für die Sinne, in dem Scorsese sich seinen Lieblingsmotiven widmet und hinabsteigt in die delinquenten Verstrickungen der Caso Nostra, die für ihn immer gewichtige Plattform waren, um über Themen wie Schuld, Freundschaft und die permanente Interferenz von Leben und Tod zu philosophieren. In „GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia“ ging es mit Henry Hill (Ray Liotta, „Killing Them Softly“) um einen Mann, der bereits in Kinderschuhen davon geträumt hat, irgendwann mal Gangster zu werden und damit zwar nicht im übertragenen Sinn sein Todesurteil unterschrieb, aber in jedem Fall unweigerlich in die soziale Isolation und Paranoia herabstürzen musste. In „Casino“ stehen mit Sam Rothstein und Nicky Santoro (Joe Pesci) zwei Charaktere im Zentrum, die sich seit über dreißig Jahren zur Seite stehen, aber durch die verdammten Dollars früher oder später zu Feinden erklären müssen.

Durch seine Erfolge als Berufsspieler wird Sam mit etwas Unterstützung einflussreicher Gestalten der Platz als Manager des Tangiers freigeräumt – natürlich ohne eine Lizenz zu besitzen. Nicky hingegen ist ein Terrier im mafiösen Gestrüpp, niemand würde sich mit ihm anlegen, seine gewaltätige Vehemenz ist allseits bekannt und bringt ihm später auch den Ruf als eigentlicher Boss von Las Vegas ein. Und was ist Las Vegas eigentlich für ein Ort? Von der Außenwelt bis aufs Perverseste idealisiert und überhöht, ist es kein zufälliger Umstand, dass man die Wüste ringsum des neongrellne, hyperbolischen Sündenbabel in der Dunkelheit nicht mehr sehen kann. Hier werden Probleme begraben, unzählige Körper warten im Sand und täglich werden neue Löcher ausgehoben, die ein Problem lösen und im selben Schritt ein neues heraufbeschwören. Martin Scorsese geht in der Etablierung von Las Vegas geschickt vor, er lässt die Licht- und Laserstrahlen wie Lockrufe in den ewigen Himmel über Las Vegas schießen, die Aussicht, das große Geld zu machen, wird jedem hier vergönnt.

Die lavendelfarbenen Chips und gläsernen Würfel werden zum funkelnden Ausdruck einer den Geist vernebelnden Versuchung und „Casino“ blickt schon beinahe dokumentarisch hinter die seine Unmengen an Touristen nach Strich und Faden ausnehmenden Maschinerie: Alles ist hier Überwacht, jeder Trick bekannt, hinter der Fassade der Glitzerwelt wartet ein gieriges Netz aus Strohmännern, Kollaborateuren, geschmierten Polizisten und Informanten. Sam, Nicky und auch Ginger (Sharon Stone, „Basic Stone“), Sams Frau, die erst bei der Aussicht auf finanzielle Sicherheit dem Heiratsantrag einwilligt, gehen der Dekadenz auf den Leim. Martin Scorsese veranschaulicht den Aufstieg und Fall oftmals introspektiv durch das Voice Over der Hauptdarsteller, die nicht das Gezeigte zerlabern, sondern es ausbauen, vertiefen, Las Vegas als die verlockende Falle preisgeben, welches die Stadt letzten Endes auch darstellt. Der Soundtrack gleicht einer Hitparade, dehnt „Casino“ beinahe zu einer einzigen Musikmontage und rhythmisiert das Geschehen so gekonnt, wie es in dieser formalen Brillanz nur ein Martin-Scorsese-Film bewerkstelligt. Doch der Glanz perlt ab, die Vertreibung aus dem Paradies ist unumgänglich, das Geld hat die Seelen vergiftet.

Fazit

Martin Scorseses Abgesang auf den trügerischen Glanz von Las Vegas ist nach wie vor ein großartiges Erlebnis für die Sinne. Die Vertreibung aus dem Paradies wird in einer formalen Genialität dargeboten, dass es einem ob des Einklangs von Bild und Ton oftmals die Sprache verschlägt. Man muss allerdings zugeben, so famos „Casino“ letzten Endes auch ausgefallen ist, Scorsese gibt sich hier bisweilen seinen Maniersmen geschlagen und dehnt eine Geschichte auf 170 Minuten aus, die er mit Sicherheit nicht minder berauschend in gut 120 Minuten hätte erzählen können. Nichtsdestotrotz: Ein echter Scorsese und packend bis zum bitteren Ende.

Autor: Pascal Reis

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