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"Eine Mannschaft wird heute abend mit dem Stanley-Cup das Eis dieses Stadions verlassen." Da hat sich der Reporter aber mächtig geirrt. Eine Gruppe Terroristen hat sich unter Führung von CIA-Mann Foss Zugang zur Loge verschafft und den Vizepräsidenten der USA gekidnappt. Die Attentäter verlangen 1,7 Milliarden Dollar oder das ausverkaufte Eishockey-Stadion fliegt am Ende des Matches vor laufenden Kameras in die Luft. Als sie auch noch die kleine Emily in ihre Gewalt bringen, machen die Verbrecher einen schweren Fehler. Mit Emilys Vater Darren ist nicht zu spaßen. Auf sich allein gestellt, beginnt er mit der Entschärfung der Bombe und der Dezimierung der Terroristen. Bis zum Spielende sind es aber nur noch wenige Minuten. Das einzige, was Darren jetzt noch helfen kann, ist die Verlängerung, der "Sudden Death"...
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Kritik

The Muscles from Brussels Jean-Claude Van Damme („The Expendables 2“), einst bekannt geworden durch einen harten Tritt und seinen dehnbaren Schritt, gelang zwar in den späten 80ern ein relativ schneller Karrieredurchbruch an der B-Movie-Front (VHS sei Dank), sein Stern als A-Star in größeren Studioproduktionen verglühte dafür ebenso flink. Ein paar Jahre war er jedoch gut im Geschäft und „Sudden Death“ zählt neben Roland Emmerichs „Universal Soldier“ (1992) und John Woos „Hard Target - Harte Ziele“(1993) dabei zu den Highlights seines Schaffens. Danach ging es bergab, Ende der 90er war er schon im tiefsten C-Movie-Sumpf versunken.

„Sudden Death“ funktioniert damals wie heute deshalb so gut, weil sich strikt an die Erfolgsformel der damaligen Actionfilmregeln- und Rezepte gehalten wird, dazu von Genre-Routinier Peter Hymas („Narrow Margin – 12 Stunden Angst“, der leider auch schon länger keine große Rolle mehr im Geschäft spielt) sehr kompetent und effektiv inszeniert. Man nehme einen Helden, der durch einen Schicksalsschlag aus der Bahn geworfen wurde: Job weg aufgrund eines Traumas, das er beim heroischen Erfüllen seiner Pflicht (in dem Fall Feuerwehrmann) erlitten hat, in dem Zuge gleich noch die Ehe über den Jordan, nun backt er kleine, bodenständige, aber halt auch ruhigere, eher langweilige Brötchen als Brandschutzfachmann. Ausgerechnet als der unfreiwillige Teilzeit-Daddy seinen Kindern mal eine Freude machen will und sie zum Stanley Cup-Finale in die Arena der Pittsburgh Penguins einlädt, wo er seiner neuen Tätigkeit nachgeht, muss er unverhofft im Einzelkämpfermodus den Tag und nebenbei tausende von Menschenleben retten. Eine Gruppe von militärisch organisierten und ungemein skrupellosen Gangstern dringt in die VIP-Loge des US-Vizepräsidenten ein und droht, nach jedem abgeschlossenen Spieldrittel Geiseln zu töten und nach Ende der Partie gar die gesamte Halle zu sprengen, sollten ihnen nicht eingefrorene Gelder des Geheimdienstes überwiesen werden. Selbstverständlich obliegt es unserem gefallenen Firefighter und besorgten Papa, das Gesindel im Alleingang auf die Strafbank zu verbannen.

Wem das nicht bekannt vorkommt, hat vorher wohl noch nicht allzu viele Actionfilme gesehen und ganz bestimmt nicht „Stirb Langsam“, dessen Grundprämisse hier mehr oder weniger feist kopiert wird. Einen Preis für Individualität und Originalität gewinnt „Sudden Death“ somit schon mal nicht, dafür verkauft sich dieses Klassiker-Rip-Off deutlich anständiger als die unzähligen Billig-Nachahmer der McClane-One-Man-Show, die bis heute ihre Kreise ziehen. Nachdem Hymas und Van Damme ein Jahr zuvor schon bei „Timecop“ erfolgreich zusammenarbeiteten, dabei trotzdem keinen guten Film ablieferten, geht man hier gar kein unnötiges Risiko ein. Statt sich an einer reizvollen, aber nicht ergiebig genutzten Handlung schlappschwänzig zu verheben, setzt man lieber auf Altbewährtes und konzentriert sich rein auf die Umsetzung wie den kurzweiligen Unterhaltungswert. Getreu dem Motto „Besser gut geklaut als schlecht erfunden“ verlässt sich Peter Hyams nicht rein auf das spagatöse Talent seines Hauptdarstellers, setzt das sogar verhältnismäßig gering ein. Sicher darf der drahtige Belgier ordentlich Backenfutter verteilen, liefert sich u.a. eine herzhafte Küchenschlacht mit dem Vereinsmaskottchen und anderen Halunken bis auf die (und sogar mit) Knochen, darauf allein wird sich allerdings nicht gestützt. „Sudden Death“ ist in seinen besten Momenten sogar erstaunlich dicht dran an seinem großen Vorbild aus dem weihnachtlichen Los Angeles.

Im Wettlauf gegen die (nicht) tickende (da digitale) Uhr wird klassisches 90er-Jahre-Actionkino ohne Schnörkel abgeliefert, mit bitter-bösen, hemmungslos-brutalen und konsequenten Bad Guys, denen Powers Boothe („Die letzten Amerikaner“) ein zwar deftig überzeichnetes, gleichzeitig nicht minder charismatisches Gesicht gibt. Spannend, dicht konzipiert und mit handwerklicher Souveränität, trotzdem natürlich bald absurd unrealistisch, da werden Logik und Glaubwürdigkeit gerne mal vor der Tür gelassen. Allein wie ein ganzes Stadion (und besonders die dort übertragenden Fernsehteams, die unweigerlich ja eine direkte Verbindung zur Außenwelt haben müssen) nicht mitbekommen, dass da draußen gerade der Butzebär los ist und auch noch ständig was in die Luft fliegt, mal abgesehen von dem Geschehen im Inneren, ist natürlich totaler Unfug, aber sonst würde die Nummer halt nicht funktionieren. Egal, deshalb schaut man sicher nicht solche Filme und kann sich locker an den Vorzügen hochziehen, denn was gute Handwerkskunst und kernige Genre-Unterhaltung angeht, ist „Sudden Death“ eine runde Sache. Richtig deplatziert wirken leider die übertrieben kitschigen Vater-findet-wieder-Zugang-zu-seinen-Kindern-Momente, die nah am fremdschämen sind. Das beginnt mit der selbst für solche Logik-resistenten Filme absolut albernen und für den Drive der Handlung auch noch ausbremsenden Glanzparaden-Situation und gipfelt in gar peinliche Szenen („Ich hab mich nicht bewegt, Dad“). Tja, und ein Van Damme stößt eben nicht dann an seine Grenzen, wenn er seine Gegner in Flammen aufgehen lässt oder sich wie Tarzan durch die Halle schwingt, sondern wenn er in so was plötzlich Gefühle abseits von Wut und Verbissenheit zeigen muss. Von dem knapp bemessenen und trotzdem gefühlt sehr ausgiebigen Zeitrahmen der Handlung (wie schnell sind die den alle oder ist der Laden da eigentlich furchtbar winzig?) fangen wir besser gar nicht erst an…

Fazit

„Sudden Death“ hat so seine Schwachpunkte, gerade wenn er mal kurz neben den gekonnten wie kurzweiligen Action- und Popcorn-Spannungs-Momenten so was wie herzliche Emotionen ins Spiel bringen will, da gerät er aufs Glatteis. Als unterhaltsame und vor allem flotte „Stirb Langsam“-Variation aus dem Eisfach ist er trotz alledem erstaunlich schmackhaft und sogar fürs Auge ansprechend angerichtet. Das isst bekanntlich ja gerne mit. Geht für zwischendurch immer noch voll und ganz klar und ist heute fast besser als damals, wenn man solche grundsoliden Actionfilme unter dem ganzen CGI-Gedöns schmerzlich vermisst.

Autor: Jacko Kunze

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