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Inhalt

Auf dem Weg zur Arbeit bringt der Berliner Bauunternehmer Karl Brendt noch schnell seine Kinder Josefine und Marius zur Schule. Doch bereits kurz nachdem er das Auto startet, erhält er einen Anruf: Der Unbekannte am anderen Ende der Leitung droht damit, eine Bombe, die unter dem Sitz versteckt ist, in die Luft zu sprengen, sollten Karl oder die Kinder versuchen auszusteigen! Vom Auto aus soll Karl in kürzester Zeit eine große Summe Geld beschaffen. Als seine Ehefrau Simone ihn verdächtigt, die gemeinsamen Kinder entführt zu haben, nimmt auch die Polizei die Verfolgung von Karl auf und schaltet Sprengstoffexpertin Pia Zach ein. Es beginnt ein tödlicher Wettlauf gegen die Zeit: Der Bombe ausgeliefert und von der Polizei verfolgt, versucht Karl Brendt verzweifelt, seine Kinder und sich zu retten.
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Kritik

Ein Raum hat etwas Faszinierendes an sich: Er beschränkt das Geschehen auf eine übersichtliche Lokalität, die vom Rest der Welt abgegrenzt bleibt. Interessant wird es, wenn sich in diesem Raum Menschen befinden, deren Verschiedenheit, deren Interessen, deren Konflikte mit der Zeit miteinander kollidieren. Die Flucht aus dem Konflikt ist nicht möglich, er muss ausgetragen werden, außer man verlässt den Raum und damit auch den Schauplatz. Die Tür nach draußen ist also der einzige Fluchtpunkt. Was aber, wenn das Öffnen der Tür schwerwiegende Konsequenzen mit sich bringt? Einer solchen Situation fühlt sich Karl (Wotan Wilke Möhring, Lommbock) ausgesetzt, der mit seiner Familie im Auto gefangen ist. Verlässt jemand das Auto oder geht Karl nicht den Forderungen des Erpressers nach, wird das Auto durch eine sich unter den Sitzen befindlichen Bombe gesprengt.

Eine solche kammerspielartige Situation gibt es öfter auf der Leinwand zu sehen, fraglich ist jedoch worauf diese ganze Szenerie hinaus möchte: Karl ist Bauunternehmer, weshalb eine gewisse Kontrolle, ein gewisser Einfluss von ihm ausgeht. Er verdient gutes Geld, genießt ein hohes Ansehen und gehört damit zu den gesellschaftlichen Gewinnern. Recht schnell wird deutlich, dass Karl für den Weg, wie er zu diesem Status gelangte, erpresst wird. Er muss über die Handlung hinweg lernen, dass sein Verhalten Konsequenzen für andere Menschen hat, muss erfahren wie sehr er seine Familie vernachlässigt hat und wie widerlich er doch sei. Immer wieder wird er von dem Erpresser wild beschimpft, beleidigt und denunziert. Der Erpresser schreckt vor nichts zurück und genau darin liegt das Problem.

Der Film erinnert stark an Berlin Falling, das fällt recht schnell auf. Die Qualität dieses Filmes war es jedoch, dass er den Bösewicht charismatisch genug gestaltete, dass man sich zwar moralisch von ihm distanzieren konnte, gleichzeitig aber die Sogkraft seiner Radikalität in manchen Momenten spüren konnte. Das fehlt hier leider komplett. Der Erpresser wirkt nicht so als ob er im Ansatz etwas Richtiges sagen würde und daraus nur die falschen radikalen Schlüsse zieht, sondern wirkt wie ein Psychopath. Die Distanz zu ihm ist so groß, dass man die gesellschaftspolitische Kritik, die vermittelt wird, in Teilen gar nicht mehr ernst nehmen kann. Der Film bewirkt eher das Gegenteil, man traut dem Subversivem nicht und fühlt sich beim Konventionellen zu sicher. Der Film arbeitet diesbezüglich zu plakativ und lässt nicht nur den Erpresser absurd radikal erscheinen, sondern auch die Kritik.

Dabei ist die Kritik im Ansatz sehr sinnvoll: Der Film zeigt auf, dass man innerhalb eines Systems auch eine Eigenverantwortung dafür hat, was in diesem System passiert. Man kann sich nicht blind jeder Moral entziehen und das mit Systemkonformität relativieren. Im Kern ist man dafür verantwortlich, was man macht und muss über die Resultate des eigenen Handelns nachdenken. Hier kritisiert der Film also recht fokussiert und weniger allgemein, die Schwachstellen eines Systems werden bereits vorausgesetzt, es soll viel mehr darum gehen, wie sich das Individuum verhält. „Don´t hate the player, hate the game“ gilt hier also nicht. Die Kritik am Individuum kann der Film auch recht facettenreich deutlich machen. Es wird gezeigt, dass sich die eigene Einstellung nicht nur auf die Gesellschaft im Großen, sondern auch im Kleinen auf die Familie auswirkt.

Das Fehlverhalten schadet also auf verschiedenen Ebenen und teils auch in Ausmaßen, die für den Protagonisten gar nicht erahnbar sind. Dieser scheint sich seinen Taten nicht sonderlich bewusst zu sein, was den Charakter im Gegensatz zum Erpresser weniger plakativ erscheinen lässt, wodurch man als Zuschauer eher mit ihm sympathisiert. Das sollte in einer derartigen Intensität jedoch nicht passieren, denn dadurch verliert die Kritik an jeglicher Effizienz, was besonders deshalb ärgerlich ist, weil er davon abgesehen vielen Teilen recht gut funktioniert: Die Handlung ist clever konstruiert, die Schauspieler agieren allesamt authentisch und auch das Auto als beweglicher Raum wird gut in seinem Potential ausgespielt. Zum Ende hin verliert sich der Film leider ein wenig in belanglosen Dialogen, die an ein schwaches Gerechtigkeits-Drama erinnern, aber dennoch erheben ihn die kompetente Machart und die zwar nicht clever ausgespielte, aber dennoch nachvollziehbare Kritik ein wenig über den Durchschnitt.

Fazit

„Steig.Nicht.Aus!“ möchte die Gesellschaft im Zusammenspiel mit dem politischen System kritisieren. Die Kritik scheint durchaus angebracht, ist aber leider recht ungeschickt umgesetzt, weshalb dem Film jegliche inhaltliche Brisanz fehlt. Er ist in Teilen zu plakativ, in anderen zu belanglos. Dennoch ist er flüssig erzählt, gut gespielt und führt zu einer durchaus gut argumentierten Aussage. Am Ende ist das ein Film geworden, der sich im oberen Durchschnitt wiederfindet, wo jedoch viel mehr Luft nach oben gewesen wäre.

Autor: Maximilian Knade

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