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Seligman (Stellan Skarsgård ) lebt ein beschauliches leben in seiner kleinen Wohnung, die überquillt mit Büchern, Schallplatten und Angelködern. Während sich der Eigenbrötler seine Zeit mit den Studien von Religion, Literatur, klassischer Musik und dem Fliegenfischen vertreibt ist er auf dem Gebiet der Sexualität eine echte Jungfrau, da er sich selbst als asexuell bezeichnet. Eines Tages trifft Seligman jedoch durch Zufall auf Joe ( Charlotte Gainsbourg ), die er zusammengeschlagen auf dem Hinterhof vor seiner Wohnung entdeckt. Da sie es ablehnt die Polizei,oder einen Krankenwagen zu rufen, bleibt Seligman nichts anders übrig, als Joe fürs erste in seinem Schlafzimmer unter zu bringen, wo die geschundene Frau nach einigem zögern schließlich ihre Geschichte erzählt, die sich radikal vom Leben der meisten Menschen unterscheidet, denn Joe ist eine Nymphomanin, eine Sex Süchtige. Während sie sich selbst als Sünderin und als schlechten Menschen bezeichnet möchte ihr Gastgeber zunächst alles erfahren, denn als asexueller scheint er der perfekte Mensch zu sein, um objektiv beurteilen zu können ob Joe's Leben wirklich so verwerflich war, wie sie es gerne darstellt.

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Kritik

Würde man das Talent eines Regisseurs nur anhand seines kommerziellen Erfolges messen, dann wäre Lars  von Trier sicherlich schon seit langem arbeitslos. Schließlich war keines seiner bisherigen Werke ein großer Kassenschlager. Doch zum Glück ist Geld nun mal nicht alles und damit sich eine Kunstform, wie etwa das Medium Film, weiterentwickelt, bedarf es auch Leute die ihre eigene visuelle Version auf die Kinoleinwand bringen, auch wenn diese weit vom gängigen Mainstream abweicht. Mit seinem neusten Werk „Nymphomaniac“, welches in Deutschland in zwei Teilen à 120 Minuten zu sehen ist, schließt der dänische Regisseur und Drehbuchautor seine „Trillogie der Depression“, zu der auch „Antichrist“ und „Melancholia“ zählen, ab. Wie man diesem thematischen Überbau entnehmen kann, geht es auch in „Nymphomaniac“ nicht gerade um die sonnigen Seiten des Lebens, obwohl man ihn durchaus als den leichtfüßigsten der drei Werke betiteln darf.

Die Erzählstruktur ist dabei im Film recht linear, da er in den einzelnen Kapiteln, die verschiedene Stationen im Leben von Joe darstellen, zwar gerne querbeet von Ort zu Ort und Zeit zu Zeit springt,jedoch zu Beginn und zum Ende jener Kapitel stets zurück ins Schlafzimmer von Seligman kehrt, damit die Figuren und der Zuschauer das eben gesehene verarbeiten und reflektieren können. Durch diesen Ruhepol fühlt man sich als Betrachter auch nie innerhalb der Geschichte verloren, was bei Filmen mit ähnlich sprunghafter Erzählweise durchaus vorkommen kann. Die einzelnen Episoden unterscheiden sich unterdessen in ihrem Stil recht drastisch voneinander, da ihre Stimmung in der Regel von ihrem Titel her rührt, die Joe mehr oder weniger wahllos aus den Gegenständen in Seligmans Zimmer zusammenwürfelt und so mag ein Kapitel die düstere Stimmung eines Gedichtes von Edgar Allen Poe zum Thema haben, während das nächste auf der Musik von Bach berührt, wodurch ein wunderbar heterogenes Filmerlebnis entsteht, welches so schnell nicht langweilig wird.

Highlight des Filmes dürfte die Episode „Mrs. H“ darstellen, in der Joe von einer Phase in ihrem Leben berichtet, zu der sie täglich sexuellen Kontakt mit bis zu 8 Männern hatte, die quasi stündlich in ihrer Wohnung ein und aus gingen. Einer von ihnen, ein verheirateter Mann namens Mr. H (Hugo Speer ), missinterpretiert eine von Joes Aussagen jedoch gewaltig und so steht er eines Tages mit vollen Koffern an ihrer Türschwelle, um seine alte Familie hinter sich zu lassen und ein neues Leben mit Joe zu Beginnen. Doch damit nicht genug, denn wenige Augenblicke später taucht auch seine Frau Mrs. H ( Uma Thurman ) auf, mitsamt seinen 3 kleinen Kindern. Das diese Konstellation für gehörigen Zündstoff sorgt liegt auf der Hand und vor allem Uma Thurman gibt in diesem kleinen Gastauftritt eine fantastische Performance.

Aber auch in Bezug auf die schauspielerische Leistung der beiden Protagonisten gibt es bei „Nymphomaniac“ wenig zu beanstanden. Hauptdarstellerin Charlotte Gainsbourg, die im übrigen in jedem Film der „Trilogie der Depression“ eine zentrale Rolle spielte, überzeugt auf ganzer Linie. Denn obwohl wir sie im ersten Teil nur im Bett von Seligman sehen, da ihre junge Version in der Geschichte von Stacy Martin verkörpert wird,  hinterlassen eben jene kurzen Momente einen bleibenden Eindruck auf den Zuschauer. Ebenfalls von tragender Rolle ist natürlich Stellan Skarsgård, dem es zu verdanken ist, dass der Film nicht zum depressiven Trauerkloß verkommt, denn er schafft es stets die Ereignisse in Joes Leben mit einem gekonnten Spruch auf nahezu absurde Art und Weise zu entwaffnen. Die große Kunst der beiden Schauspieler liegt aber auch darin, dass sie ihre Rollen, die sich extrem von den moralischen Werten der heutigen Gesellschaft unterscheiden, mit einer überwältigenden Glaubwürdigkeit auf die Leinwand zu bringen.  Hier ruht jedoch ein ernst zu nehmendes Problem des Filmes, denn da der Zuschauer weder zu Joe noch zu Seligman eine emotionale Verbindung aufbauen kann, da man sich mit keinem der Beiden so recht identifizieren möchte, bleibt das Geschehen auf der Leinwand zwar intensiv, jedoch tangiert es einen schlussendlich nur peripher.

Nun neigt sich die Kritik bald ihrem Ende und bisher wurde das Kernthema des Filmes etwas stiefmütterlich behandelt, denn schließlich dreht sich ein großer Teil von „Nymphomanic“ eben um Sex und in der Darstellung eben jener zwischenmenschlichen Aktivität nimmt Lars von Trier kein Blatt vor den Mund. Solch eine offene Darstellung in der heutigen Zeit zwar schon lange kein Tabu Thema mehr und dennoch dürfte der ein oder andere ein Problem damit haben, wenn auf der Leinwand etwa für 2 Minuten Penisse in allen Formen und Größen über die Leinwand laufen, während Joe über jene spricht wie es ein Sammler seltener Briefmarken machen würde, oder wenn Stacy Martin in der Rolle der jungen Joe sämtliche Hüllen fallen lässt. Doch von Trier spiegelt letztendlich nur die nackte Realität wieder, ohne sie dabei gezwungen kunstvoll zu verzerren, wodurch der Film den wohl ehrlichsten Umgang mit dem Thema Sexualität darstellt, den man in jüngster Vergangenheit sehen durfte.

Fazit

„Nymphomaniac Vol.1“ überzeugt durch eine originelle Geschichte, gute Schauspieler und eine durchaus ungewöhnliche Thematik. Wer bisher mit den recht düsteren Werken von Trier nicht warm geworden ist, für den bietet „Nymphomaniac“ einen guten Kompromiss zwischen ernstem Drama und teils tragischer, teils humorvoller Komik, wodurch der Film weitaus mehr Mainstream Appeal bietet als etwa ein Werk wie „Antichrist“. Eine klare Empfehlung für jeden, der auf anspruchsvolle Kinounterhaltung steht und dessen moralischer Kompass nicht allzu stark auf ein konservatives Weltbild ausgerichtet ist.

Autor: Sebastian Pierchalla

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