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Inhalt

Um eine Tragödie zu verarbeiten, zieht sich ein traumatisiertes Ehepaar in einsame Waldhütte zurück, die die Beiden Eden getauft haben. Dort wollen sie wieder zu sich und zueinander finden. Vor allem ihre schwere Depression, für die sie Tabletten verschrieben bekam, erweist sich als harter Brocken. Als sie merkwürdige Dinge sieht und immer stärkere Angstzustände bekommt, ist er zunächst überzeugt, dass es sich um Symptome ihrer Krankheit handelt. Doch die Bedrohung ist echt: Als das Paar realisiert, dass es von Satan selbst bedroht wird, ist es bereits zu spät.
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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Chaos regiert! Na, aus welchem Film ist das? Keinen Plan? Okay, kleiner Tipp: Chaos regiert, sagt der Fuchs. Das passiert nur in Lars von Triers (Melancholia) Psycho-Horror-Märchen. Wenn Füchse sprechen, ist man fast immer im Märchen. Oder in einer Folge von Als die Tiere den Wald verließen, aber auf dessen erzählerische Komplexität und Kohärenz reicht die wirre Orgie bei Weitem nicht heran. Der dänische Regisseur zielt auf die untersten Tiefen des Unterbewusstseins, trifft aber nur die tiefsten Untiefen an Niveau. Alles soll abyssal sein, abgründig und tiefgründig. Doch was vor finsterer Waldkulisse auf der Leinwand geschieht, wirkt lediglich infantil, absurd und unvermittelt superniedlich. Etwa, wenn der flauschige Fuchs spricht oder ein Entchen herein watschelt. Lustig ist das besonders, weil der Film und mit selbigem der Regisseur mit putzigen Tierchen schocken will. Und nicht nur mit Tierchen. 

Der Plot zieht alle Register, damit das Publikum „Skandal!“ rufe. Aber keiner tut es, nicht mal der Fuchs. Die vom Beziehungsthriller zu heidnischem Horror kippende Story kreist um ein zu Archetypen von Mann und Frau stilisiertes Paar. „Sie“ (Charlotte Gainsbourg, Schneemann) und „er“ (Willem Dafoe, Aquaman) bezahlen für ihre Fleischeslust damit, dass ihr Kind aus dem Fenster stürzt. Ein tödlicher Sünden-Fall. Dazu schwelgt klassische Musik und leise rieselt der Schnee. Danach leidet „sie“ an Depressionen. Zum Glück ist der tapfere Gatte Psychotherapeut. In beider Waldhütte will er ihr helfen, denn sie plagt dazu eine neuerwachte Angst: Hylophobie. Wie oft bietet eine Kritik schon die Gelegenheit, dieses Wörtchen zu schreiben? Der Symbolort des Unterbewusstseins wird anfangs effektiv als bedrohliche Mythenwildnis inszeniert. Die Schauerstimmung kippt jedoch bald in überzogene Motive, die von Matthias Claudius geklaut sein könnten. 

Der Wald steht schwarz und schweiget und aus den Wiesen steiget der weiße Nebel wunderbar. Weniger wunderbar ist die Dämonie, die der zivilisationsferne Freiraum in „ihr“ erweckt. Was mit solchen Hexen zu geschehen habe, illustrieren anschaulich einige alte Bücher, die im Horrorfilm zur Grundeinrichtung jeder Waldhütte gehören. Wasserprobe, Hexenmal suchen, Erhängen und ab auf den Scheiterhaufen. „Er“ greift zur letzten Variation des Gynocides (diese Vokabel bemüht einer der Buchtitel). Der Plot interessiert sich keinesfalls für abergläubische oder religiöse Hysterie, sondern zeigt „seine“ Aggression gegen „sie“ als berechtigte Selbstverteidigung. „Sie“ erscheint als teuflisch Verführerin, die erst ihr Kind quält und sterben lässt und dann das gleiche mit „ihm“ vorhat. „Ihr“ bevorzugtes Werkzeug ist dabei Sex, den von Trier ebenso voyeuristisch präsentiert wie Gewalt. Die Symbolik wird immer aberwitziger. „Sie“ schraubt „ihm“ einen Schleifstein an den Knöchel. 

Klotz am Bein, alles klar? Ob sie den abmachen könnte? – “Ich finde den Schraubenschlüssel nicht.” Typisch, Frauen und Technik! Wie prophetisch, dass im Vorspann neben dem Titel ein Weiblichkeitssymbol prangt. Satan nimmt eben immer die Gestalt an, in der man ihn am wenigsten vermutet. Die eigene Partnerin, ein Fuchs (okay, in dessen Körper hat sich der Erzfeind wortwörtlich verplappert), ein Entchen oder Bambi. Und das alles ist Andrei Tarkovsky (Stalker) gewidmet.

Fazit

Der mit infantiler Hand gekrakelte Titelschriftzug bündelt den abstrusen Reigen aus exzessiver Gewalt, Sex und Misogynie, verquirlt mit religiösem Subtext. Die zuverlässigen Darsteller können die in unheilvolle Atmosphäre getauchte Fabel nicht vor deren eigener Albernheit bewahren. Jeder Schockeffekt scheint kalkuliert, jede Provokation aufgesetzt, die archaische Symbolik prätentiös. Einige stimmungsvolle Naturszenen können Lars von Triers Hang zur Selbstinszenierung als Provokateur nicht aufwiegen.

Autor: Lida Bach

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