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Inhalt

Michèle ist der Kopf einer Firma, die sich rund um die Uhr mit Videospielen beschäftigt und zu den angesagtesten Playern auf dem Markt gehört. Verantwortlich dafür ist zweifelsohne Michèle und ihre selbstbewusste Einstellung: Sie weiß genau, was sie will, und sie weiß ebenso, wie sie es bekommt. Auch in puncto Liebesleben ändert sich ihre kalte bis herzlose Attitüde nicht. Kein Wunder, wurde sie von ihrer Familie bereits abgehärtet: Ihre Mutter war sexuell stets sehr aufgeschlossen und ihr Vater sitzt aufgrund eines grauenvollen Verbrechens im Gefängnis - vom labilen Zustand ihres Sohnes und der herrischen Art ihres Ex-Mannes ganz zu schweigen. Eines Tages wird Michèle jedoch zum Opfer eines Attentats, woraufhin sich ihr gesamtes Leben für immer verändern soll. Niemand weiß, wer dafür verantwortlich ist. Ein Umstand, der ihr keine Ruhe lässt. Sie macht sie auf die Suche nach dem Mann, der ihr das Leben nehmen wollte. Als Michèle ihn schließlich findet, verliert sie sich in einem gefährlichen Spiel, das jeden Moment außer Kontrolle geraten könnte.

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Kritik

Innerhalb weniger Minuten wird Michéles Leben völlig aus der Bahn geworfen. Nachdem der Vorspann zunächst nur ihr lustvolles Stöhnen ohne dazugehörige Bilder ankündigt, entpuppt sich das Geschehen in der ersten Szene als furchtbares Verbrechen, bei dem die Frau in ihrer eigenen Wohnung von einem maskierten Eindringling brutal auf den Boden gedrückt und vergewaltigt wird. Michéles Reaktion auf diesen Vorfall fällt allerdings bedeutend anders aus, als man es normalerweise vermuten würde. Ohne auch nur daran zu denken, die Polizei zu verständigen, fegt sie die Scherben zusammen, nimmt ein warmes Bad und geht zum gewöhnlichen Tagesgeschehen über, als wäre nichts vorgefallen. Als Zuschauer ist man nach solch einem Auftakt nicht sicher, was einen perplexer stimmt: Die eigentliche Vergewaltigung oder Michèles irritierendes Verhalten. 

10 Jahre hat es gedauert, bis einer der großen Provokateure des Mainstream-Kinos nun wieder einen neuen Langfilm veröffentlicht hat. Paul Verhoevens (Starship Troopers) Rückkehr kommt dafür einem regelrechten Siegeszug gleich, denn mit Elle ist dem Regisseur ein fantastisches Werk geglückt, das durch genau die Qualitäten besticht, welche den Holländer, je nach Sichtweise, schon immer auszeichneten oder in Verruf geraten ließen. In seinem ersten französischsprachigen Film macht er wieder einmal genau das, was niemand vermuten würde, unterläuft vertraute Sehgewohnheiten mit einem schelmischen Grinsen und zerlegt ein Genre in seine Einzelteile, um sie nach eigenem Belieben wieder zusammenzupuzzeln, damit dadurch ein völlig neues, ungewohntes Bild entsteht. 

Aufgrund des anfänglichen Vorfalls könnte Elle als typischer Vertreter des Rape-and-Revenge-Subgenres eingeordnet werden, doch Verhoeven schlägt sofort eine neue Richtung ein. Um einfache Rache geht es hier zu keinem Zeitpunkt, viel mehr entwickelt der Regisseur seine Hauptfigur als unglaublich vielschichtige, komplexe Frau, die sich gängigen Standards und Kategorisierungen strikt verweigert. Das Bild des armen Opfers, das Gerechtigkeit anstrebt, durchkreuzt Michéle bereits am nächsten Morgen nach ihrer Vergewaltigung. Als Chefin einer Firma, die Videospiele entwickelt, gibt sie ihrem Team die Anweisung, dass die Zuckungen der Spielfigur, die in einer Zwischensequenz durch Tentakel eines monströsen Orks geschändet wird, noch orgiastischer und somit authentischer aussehen sollen. 

Durch die komplizierte Verwicklung in ein dysfunktionales Geflecht aus problematischen Familienmitgliedern, darunter eine Mutter, die sich regelmäßig mit deutlich jüngeren Männern einlässt, ein Ex-Mann, der sich ihr immer wieder annähert und ein Sohn, der sein Leben kaum auf die Reihe bekommt und vom Geld der Mutter abhängig ist, einem schockierenden, tragischen Ereignis aus ihrer Kindheit und flüchtigen Affären mit dem Ehemann ihrer besten Freundin und Firmenpartnerin wird Michèle immer stärker zu einem undurchsichtigen Mysterium. Das mit grandioser Schärfe konstruierte Drehbuch von David Birke (13 Sins), in dem abgesehen von der Hauptfigur selbst kleinere Nebencharaktere schlüssig gezeichnet sowie stimmig in den Handlungsverlauf eingepasst werden, verwandelt Elle zu einem fesselnden Drama, bei dem man jede neu entblößte Wesensfacette von Michèle neugierig in sich aufsaugt, während viele Szenen in den ersten zwei Dritteln unentwegt von einer äußerst unterschwelligen Bedrohung geprägt sind. Diese Atmosphäre rührt daher, dass die Identität des Vergewaltigers nicht nur unklar ist, sondern dieser Michèle durch vulgäre Nachrichten belästigt und einen weiteren Angriff zu jedem Zeitpunkt wahrscheinlich werden lässt. 

Dass Verhoevens Film im letzten Drittel, nach einer weiteren überraschenden Wendung sowie frischen, irritierenden Verwunderungen, nicht endgültig zur überzogenen Satire verkommt, liegt dabei an der sensationellen Hauptdarstellerin. Die großartige Isabelle Huppert (Süßes Gift) lässt Michèles Gesichtsausdrücke zu Landschaften werden, in denen man sich wieder und wieder verlieren kann und die einen nach der Sichtung nicht so schnell loslassen werden. Wie Huppert ihre vom Schicksal gebeutelte Figur als unerschütterliche, unangepasste sowie wahrlich standhafte Kämpferin verkörpert, die nach dem Vergewaltigungsakt, der so etwas wie der letzte Tropfen auf den heißen Stein war, beschließt, in ihrem Leben endgültig das Steuer an sich zu reißen, entspricht der Leistung einer denkwürdigen Schauspielerin von Weltformat, zu der sie sich völlig zurecht zählen darf.

Fazit

Hitzige Diskussionen und kontroverse Reaktionen dürften Paul Verhoeven nach diesem Werk auch im hohen Alter immer noch sicher sein. "Elle" beginnt als bedrohlicher Thriller, bis der Regisseur überraschend schnell eine Richtungsänderung vornimmt und ein komplex arrangiertes Drama entfaltet, in dem das vielschichtige Wesen der Protagonistin mit jeder Minute neue Einblicke gewährt oder Rätsel aufwirft. Für alle zartbesaiteten, politisch korrekten Moralisten dürfte speziell das letzte Drittel von Verhoevens Werk eine Herausforderung darstellen, denn hier gerät die Mischung aus Drama und Thriller endgültig zur entfesselten Groteske, die aufgrund der herausragenden Performance von Isabelle Huppert nie an Würde oder Glaubwürdigkeit einbüßt. Für den Regisseur bedeutet dieser Film eine fulminante Rückkehr, die in jeder Hinsicht voll geglückt ist.

Autor: Patrick Reinbott

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