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Verfilmung des gleichnamigen Skandalromans von Elfriede Jelinek (Literaturnobelpreisträgerin), der ebenso als Skandalfilm betrachtet wird. Isabelle Huppert in der Rolle der verklemmten Klavierlehrerin, die sich nicht gegen ihre Übermutter durchzusetzen weiß und eine Affäre mit ihrem Musterschüler beginnt.
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Kritik

Filme von Michael Haneke (Benny‘s Video) zu schauen bedeutet in der Regel auch meist, sich in eine Auseinandersetzung mit der eigenen Rezeptionsfähigkeit zu begeben. Um die tiefen Gefühlsregungen seiner Figuren offenzulegen, begibt sich der österreichische Regisseur häufig in klaffende Abgründe, um zwischen schockierender Gewalt, skandalträchtigen Momenten oder unerträglichen Qualen nach dem zu forschen, was es bedeutet, ein Mensch zu sein. Den zutiefst humanistischen Kern in seinen Werken überlagert Haneke dabei oftmals mit einer audiovisuellen Formstrenge, durch die er seine Zuschauer wahlweise zum Hinschauen oder Wegschauen zwingt, wobei sich durch diese schmale Gratwanderung zwischen explizitem Voyeurismus und distanzierter Scheu auch immer ein Diskurs über das Sehen an sich ergibt.

In seiner Romanverfilmung Die Klavierspielerin konfrontiert der Regisseur den Betrachter mit einer gleichermaßen komplexen wie anstößigen Hauptfigur, aus deren Verhalten sich zwangsläufig extreme Situationen entspinnen, in denen Empathie und Unverständnis zu einem drastischen Wechselspiel verschmelzen. Als Klavierlehrerin tritt Erika oftmals wie ein gefühlskalter Eisblock auf, die ihre Schüler mit regungsloser Miene zu Höchstleistungen drillt. Dieses Verhalten rührt nicht von ungefähr, denn zuhause wartet auf die Frau von Ende 30 eine Mutter, die ihre eigene Tochter ebenfalls wie ein Objekt behandelt, mit dem sie ein gemeinsames Ehebett teilt, während Erika auf Schritt und Tritt jenen strikten Idealen zu entsprechen hat, die sie von der Mutter vorgeschrieben bekommt. 

Es ist vor allem eine Art der sexuellen Restriktion, die sich für den Verlauf der Handlung als entscheidend erweist. Speziell Erikas Gefühle, die auch nur im Ansatz als erotisch empfunden werden könnten, gehen bei ihr automatisch mit Blockaden, Selbstgeißelung oder anderen befremdlichen Reaktionen einher. Haneke stiftet bewusst Verwirrung, wenn seine Protagonistin in einer Video-Kabine zu Pornofilmen an benutzten Taschentüchern riecht, sich mit einer Rasierklinge im Intimbereich selbst verletzt oder einer ihrer Schülerinnen Glasscherben in die Manteltasche steckt, wodurch sich diese die Hand zerschneidet. Erikas ungeschützte Überforderung wird schließlich auf die Spitze getrieben, nachdem sie Walter kennenlernt. 

Der charismatische Student will zunächst ein Schüler von ihr werden, doch schnell stellt sich heraus, dass er darüber hinaus an einer Liebesbeziehung mit Erika interessiert ist. Das Verhältnis zwischen diesen beiden Figuren inszeniert der Regisseur fortan als beklemmenden Machtkampf aus sadomasochistischen Obsessionen, taumelnder Ohnmacht, destruktiven Abhängigkeiten und gegenseitigem Unverständnis. Erikas Intimleben, das bisher aufgrund der übermächtigen Dominanz ihrer Mutter nicht möglich war, ist der schmerzhafte Schlüssel zu diesem Werk, in dem sich der Wunsch eines Menschen nach Liebe, Zärtlichkeit und Geborgenheit ins verstörende Gegenteil kehrt, nachdem die Fähigkeit zur Kommunikation nach rationalen Maßstäben versagt und in eine Abfolge blinder, rasender und beinahe unerträglicher Konsequenzen mündet.

Neben den gewohnt kühlen Impressionen des Regisseurs, für die Haneke mit präzisester Genauigkeit jede Einstellung kontrolliert und damit steuert, was der Zuschauer im Detail sehen oder eben nicht sehen soll, ist Die Klavierspielerin allem voran eine Demonstration von Isabelle Hupperts (8 Frauen) gewaltiger Schauspielkunst. Durch sie wird Erika zum nahezu unergründlichen Mysterium, wobei hinter der beängstigenden Fassade aus purer Gleichgültigkeit stets das neugierige, unerfahrene sowie schüchterne Mädchen zum Vorschein kommt, das verzweifelt Ansprüche auf ein Leben erhebt, das ihr bislang nie vergönnt war und vielleicht auch nie vergönnt sein wird.

Fazit

Vielschichtig und provokativ zugleich blickt Michael Haneke in „Die Klavierspielerin“ auf eine Frau, die ihrer Unfähigkeit zur Kontrolle der eigenen Gefühle mit extremen, mitunter unverständlichen Reaktionen Ausdruck verleiht. Dem Regisseur ist damit ein weiteres großartiges Drama gelungen, das den Zuschauer zur Auseinandersetzung mit sich selbst zwingt und Fragen aufwirft, auf die sich so schnell keine einfachen Antworten finden lassen.

Autor: Patrick Reinbott

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