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Clemens (Matthias Schweighöfer) hat kaum Zeit für seine Kinder. Er plant gerade eines der größten Bauprojekte der Stadt und die Verträge sind so gut wie unterschrieben. Lediglich ein paar letzte Mieter müssen noch ihre Wohnungen räumen und der Bau kann beginnen. Doch als auch Rolf (Milan Peschel) seine Wohnung verliert, schwört er Rache und heuert undercover als männliche Nanny in Clemens Haushalt an. Sein Plan heißt: Sabotage. Da hat er die Rechnung allerdings ohne Clemens Kinder Winnie und Theo gemacht. Die beiden haben es sich zum Ziel gesetzt, neue Nannies innerhalb kürzester Zeit aus dem Haus zu vertreiben. Dafür ist ihnen jedes Mittel Recht und sie zeigen bei der Wahl ihrer Waffen kein Erbarmen. So muss Rolf schmerzlich feststellen, dass Nanny sein kein einfacher Job ist und dass nun auch er zu härteren Mitteln greifen muss. Doch während er versucht, seine Wohnung und Heimat zu retten, entsteht aus seiner Sabotage mehr und mehr eine neue Familie.

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Kritik

Mit Kindern gibt es ja gerne mal Stress. Sie quengeln der Supermarktkasse, machen Kratzer ins gute Parkett und am Wochenende ausschlafen ist mit den Rackern auch eher schwierig. Ist man davon selbst betroffen, ist es eher minder unterhaltsam. In Filmen sehen wir es uns aber sehr gerne an, wenn die lieben Kleinen den Erwachsenen das Leben zur Hölle machen. Dann werden aber nicht nur Otto-Normalbürger Opfer ihrer Attacken, sondern meist Figuren, die eigentlich mit so etwas profanem wie kleinen Qualgeistern zu Recht kommen sollten. Ja, es sind vor allem Heldentypen, die in der Vergangenheit im Kampf gegen die Milchzahn-Brut zuerst, nach hartem Kampf, die weiße Fahne hissen, um dann zu bemerken, dass die Blagen ja doch ganz toll sind. Am Ende lernt der Große von den Kleinen und umgekehrt. Dieses Prinzip gibt es in zig Variationen.- Zu den bekanntesten zählen Komödie wie „Kindergarten-Cop“, „Mr. Babysitter“ oder „Der Babynator“. In der vierten Regiearbeit von Multitalent Matthias Schweighöfer trifft auch ein erwachsener Mann auf zwei unerzogene Kinder, nur hier ist es kein Cop, Marine oder Wrestler, sondern ein liebenswerter Schlaffi, gespielt von Milan Peschel.

Wer Peschel kennt, der im populären deutschen Erfolgskino genauso beheimatet ist wie in eindringlichen Dramen („Halt auf freier Strecke“ von Andreas Dresen muss hier noch einmal lobend erwähnt werden), der weiß, dass dieser in den Regiearbeiten seines Freunde Matthias Schweighöfer immer als tumber aber herzensguter Verlier porträtiert wird. „Der Nanny“ macht da keine Ausnahme. Und so watschelt Peschel als Rolf durch den gesamten Film und erntet die Sympathien der Zuschauer. Warum? Weil Regie sowie Script sämtliche Rollen in klar definierte Schubladen stecken. Der große Verlierer mit dem noch größeren Herz, der gefühlsmäßig vergletscherte Vater der nach und nach auftaut und natürlich seine Kinder, die sich von Bratzen zu missverstandenen Persönlichkeiten entwickeln. Das ist das Einmaleins des, nennen wir es mal Babysitter-Genres. Echte Ecken und Kanten gibt es hier nicht. Alles wurde vereinfacht und glattgeschleift, damit es einfacher und eingängiger zu konsumieren ist.

Wobei „Der Nanny“ durchaus etwas grober wirkt als die anderen Multiplex-Komödien aus deutschen Landen. Schweighöfer lässt seinen Film statt in Frankfurt (die Stadt mit der Skyline, die in fast jeder nationalen Komödie fürs Blockbusterpublikum der letzten Jahre als Handlungsort herhalten musste) in Berlin spielen und es gelingt ihm durchaus den Flair der Hauptstadt einzufangen. Es ist vor allem eine Wohltat, dass Schweighöfer seinen Film nicht belichtet, als hätte seine Technikcrew eine Supernova statt normaler Scheinwerfer benutzt. Egal ob „Keinohrhasen“, „Der Schlussmacher“ oder „Doktorspiele“, was diese Filme der Deutschkomödien-Ära des Til Schweiger gemeinsam haben, war, bzw. sind ihre absurd Licht überfluteten Bilder. „Der Nanny“ lässt es endlich etwas dunkler angehen.

Auch gibt es in „Der Nanny“ endlich so etwas wie soziale Schichten. Fehlten diese etwa in „What a Man“ und jeder anderen nationalen Erfolgskomödie, fasst sich Schweighöfer hier ein Herz und zeigt seinem Publikum nicht bloß teure Büros mit Edelmobiliar oder ein Schluoss mit Ferrari in der Einfahrt (die bescheidene Behausung der Kinder und ihres Vater), sondern auch ärmliche Verhältnisse. Mit der Realität hat das Ganze natürlich nichts zu tun. „Der Nanny“ romantisierte alles und jeden. Nicht sonderlich verwerflich, aber gerade in seiner offensichtlichen – wenn auch wenig kraftvoll ausgeführten – Kapitalismuskritik wirkt dieses Vorgehen wenig ergiebig. „Der Nanny“ hatte hier eine kleine Chance in der Hand, mehr zu sein als eine Komödie von vielen. Chance vertan.

Welche Chance Schweighöfer hingegen genutzt hat, ist es seinen Film recht prominent zu besetzen. vor allem dass sein alter Freund, der „Circus Halligalli“-Lachsack Joko Winterscheidt hier sein großes Debüt als Darsteller gibt, sorgte im Vorfeld für einiges an PR. Hier gilt: Viel Schein, wenig Sein. Winterscheidts Rolle als geldgeiler Neo-Yuppie wird wohl keine großen Spuren hinterlassen. Winterscheidt mangelndes Talent zu attestieren wäre aber die falsche Vorgehensweise. Bei dieser Figur, mit dieser lieblosen wie einseitigen Charakterisierung, wäre wohl selbst ein echter Darsteller in die Knie gegangen. Dennoch: Joko bleib bei Klaas (dessen Schauspieldebüt in „Grossstadtklein“ war schon überzeugender).

Der Nanny“ ist kein guter Film. Zu statisch ist die Geschichte, zu gewollt die Gags - die teilweise einen wirklich altmodischen wenn nicht sogar lieblosen Aufbau haben - und vor allem zu oft zu platt die Pointen. Oft scheint der Film selber nicht genau zu wissen, was er eigentlich will. Im einen Moment kommt er mit durchaus schwarzhumorigen Attributen oder skurriler Situationskomik um die Ecke, lässt diese Chancen meist aber fallen oder vergisst sie regelrecht, um sie später wieder aufzugreifen und eher milde und wenig gepfeffert doch noch zu servieren. Die beiden Kinderdarsteller, die hier überaus drastisch zu Werke gehen, wenn es darum geht ihre Nannys loszuwerden, sorgen zu Beginn für einige wirklich gute platzierte Treffer ins Zwerchfell, weil „Der Nanny“ sich dann aus seiner „Wir versuchen es allen recht zu machen“-Komfortzone befreit – zumindest kurzzeitig.

Am Ende ist die Komödie aber ein Publikumsschmeichler. Sie bedient alte wie neue Klischees, ohne sich auch nur einmal zu trauen wirklich an diesen zu rütteln oder – ganz verwegen – einfach selber welche zu genieren. Innerhalb von Matthias Schweighöfers Regie-Vita nimmt „Der Nanny“ aber eine Spitzenposition ein. Was wohlmöglich schmeichelhaft klingt, soll eigentlich nur verdeutlichen, dass der Sonnyboy als Regisseur, als kreativer Kopf noch nichts erschaffen hat, was wirklich überzeugend war. Und wenn Milan Peschel als Rolf zu Beginn von den beiden Kinder getriezt wird, tut es einem nicht für seine Rolle Leid, sondern irgendwie mehr für Peschel selbst.

Fazit

Kennste einen, kennste alle. Diese Phrase passt perfekt auf „Der Nanny“. Zwar löst sich Schweighöfer in seiner nun mehr vierten Regiearbeit von den lichtdurchfluteten Wohlfühlbildern, die einst Kollege Schweiger ins deutsche Kino brachte, aber ansonsten ist es derselbe Schmu: Ein so einfach zu konsumierender Film, der es allen Recht machen will. Man kann von den großen, deutschen Regisseuren wie Fassbinder oder Herzog sagen was man will, aber sie gaben dem deutschen Film ihrer Zeit eine eigene Identität. Schweiger und Schweighöfer kopieren lediglich uralte, angegammelte Erfolgsrezepte aus Hollywood und machen diese mit ihren eigenen Nuancen meist noch geistloser als diese ohnehin schon sind. „Der Nanny“ ist da keine Ausnahme – auch wenn es schon schlimmere Kaliber gab.

Autor: Sebastian Groß

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